Worauf bauen wir?

Gute Lektüre mit unserem Kurseelsorge-Artikel (in Ausgabe Nr. 5, der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 03. März 2021)!

Eine Gedankenreise nach Vanuatu – dem Weltgebetstagsland 2021
QR-Code zu „Mama Pasifika“ von The Black Sistaz

Liebe Leserinnen und Leser,

manchmal ist das Land, aus dem der Weltgebetstag kommt – Vanuatu – wirklich sehr weit weg! Man(n) und Frau muss es für sich erst einmal buchstabieren, um es überhaupt schreiben zu können. Abgesehen von seiner Orthografie stellt sich dann gleich noch die Frage nach der Geografie. Also, wo das liegt – Vanuatu?

Wie schnell es gehen kann, dass Vanuatu nach Oberschwaben kommt, das zeigt ein Erlebnis meiner Kinder vor zwei Jahren bei und mit ihrer Wunsch-Groß-Mama (im Folgenden abgekürzt mit GroMa). Danke Dir, liebe Christine, an dieser Stelle für Deine Zeit (nicht nur damals) und Deinen Text (heute) „Ein Nachmittag in Vanuatu“.


Ein Nachmittag in Vanuatu

An einem Abend zappte ich – die GroMa – zufällig auf 3sat und drückte geistesgegenwärtig sofort den Aufnahmeknopf, denn: „Vanuatu – im Bauch des Vulkans“ – ein Film von 2012 erschien mir wie ein Geschenk des Himmels.

Voller Interesse sah ich den Bericht über dieses kleine Südseeparadies. 83 Inseln, nicht alle bewohnt, aber alle spannend, denn: sie liegen auf dem Feuergürtel zwischen zwei Erdplatten, die sich noch immer munter übereinander schieben. Das bringt den Inseln tätige Vulkane! Vulkane, in die man hineinschauen kann bis ins glühend-flüssige Erdinnere!

Natürlich gab es auch beeindruckende Bilder und Informationen über das sonstige Land und die Bewohner*innen. Etwa 45 Minuten tolle Information über das Land, aus dem die Weltgebetstags-Liturgie für 2021 kommt!

Am nächsten Tag kamen meine Wunschenkel, Feline und Linus (damals 8 und 5 Jahre alt) zu einem „GroMa-Tag“ zu mir. „Ich habe einen tollen Film über Vulkane!“, sagte ich zu ihnen – und gebannt schauten sie zu. Natürlich waren sie von dem Rauch-und-Feuer-Spektakel beeindruckt. Allerdings nahmen sie auch die anderen Informationen mit großem Interesse zur Kenntnis.

Das Ergebnis zeigte sich im Spiele-Nachmittag in unserer Heckenlaube im Garten. Linus bahnte einen Weg „durch den tropischen Regenwald“, Feline sammelte „Heilkräuter“. Es wurden Kokosnüsse und andere Früchte geerntet. Mit einem dicken Knüttel zerstampfte Linus „Kawa“, um daraus das berauschende Feierabendgetränk der Inselbewohner herzustellen.

Feline fing „mit den Touristen am Strand“ einen regen Tauschhandel an, besprach sich auch mit dem „Chief des Dorfes“ und lernte viel über die mystischen und magischen Vorstellungen der Vorfahren kennen, obgleich sie auch darüber staunte, dass die meisten Bewohner*innen heute Christen sind…

Unsichtbare Gäste wurden zum Essen eingeladen – wobei allerdings „in echt“ doch lieber GroMas Kekse verzehrt wurden. Im Verlauf des Nachmittags bestanden die Kinder viele Abenteuer mit den Dschungeltieren, deren Sprache sie Dank der Vanuatischen Magie sehr gut verstehen konnten… Mutter Bernadette, welche die Kinder verabredungsgemäß abholen wollte, kam natürlich viiiiiiel zu früh!

Was für ein wunderbarer Nachmittag in einem Land auf der anderen Seite der Erde!

Christine Silla-Kiefer


© Juliette Pita, Cyclon PAM II. 13th of March 2015

Wie wir hier lesen können, sind Kinder offensichtlich gut in der Lage, sich in fremde Länder und Verhältnisse hineinzudenken, sie zu ihrer eigenen (Spiel-)Wirklichkeit zu machen. Versuchen doch auch wir Erwachsenen, die Lebenswirklichkeit der anderen so wahrzunehmen, dass wir sie miterleben. Dann fällt es uns bestimmt leichter, die Probleme der Anderen zu verstehen, sie zu den unseren zu machen.

Es ist wohl diese Solidarität, welche Paulus meint, wenn er in seinem Brief an die Galater (6,2) schreibt: „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ – Und in diesem Sinn fragen die Frauen von Vanuatu für 2021 am Weltgebetstag: „Worauf bauen wir?“ Viele von ihnen bauen auf Gott, dessen solidarische Liebe in Christus Jesus deutlich und greifbar wird. Wie z.B. Mothy, was deutlich wird, wenn sie sagt:

„Als meine Mutter weg war, heiratete mein Vater wieder und nahm meinen Bruder und mich mit in seine neue Familie. Als aber unsere Stiefmutter eigene Kinder bekam, änderte sich ihre Einstellung zu uns völlig… Deshalb musste ich ausziehen und mein Essen auf der Straße suchen… Irgendwann traf ich Menschen, die an Gott glaubten und mir sagten, dass er mich liebt. Weil es mir so schlecht ging, konnte ich diese Art von Liebe nicht wirklich verstehen. Ich entschied mich aber zu vertrauen. Ich vertraute darauf, dass Gott sich um mich kümmern würde, auch wenn ich in meiner Familie kein Zuhause mehr hatte. Dieses Vertrauen wuchs in mir und wurde zum Fundament meines Lebens.“

Und Frauen wie Mothy bauen auf uns. Also die Nachfolger*innen von Jesus dem Christus; die nicht nur „einen wunderbaren Nachmittag oder Abend in einem Land auf der anderen Seite der Erde“ erleben, sondern aus dem Erlebten heraus solidarisch handeln! Sie tun das, um es mit dem Lied der „Black Sistaz“ zu sagen: weil unsere Solidarität „helfen kann, Schmerzen zu heilen; innere Kräfte zu erwecken und stärken; und zu beflügeln“.

In diesem Sinn: „Steh auf und erhebe dich, Mama Pasifika, zeig dich in deiner ganzen Größe! Auch für [Euch] steht die ganze Welt offen. Mama Pasifika, lass uns selbstbewusst aufstehen!“

Raimund Miller, Kurseelsorger

PS: Das Lied der Black Sistaz macht übrigens richtig gute Laune! Wenn Sie möchten, klicken Sie gerne hier auf => Youtube, und lassen sich beflügeln von „Mama Pasifika“. Viel Freude!