Fragst du dich manchmal

Gute Lektüre mit unserem Kurseelsorge-Artikel (in Ausgabe Nr. 6, der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 17. März 2021)!

Fragst du dich manchmal, was hat es wohl für einen Sinn, dass ich einmal geboren bin? –

So beginnt mein Lieblingsgedicht zum Geburtstag. An meinem 40.sten hat ein Freund mir’s zum Fest auswendig gesagt! Mittlerweile hab ich’s auch im Kopf und finde, dass viele es kennen-lernen sollen. Es baut einen auf. Drum  steht es hier abgedruckt: es baut dich auf! Denn ist man nicht manchmal…

im Zweifel über sich und das Leben?

Welchen Sinn es wohl hat oder haben soll… Vielleicht überlegen Sie jetzt und denken „Was für eine Frage! Da fällt mir so schnell keine Antwort ein. Schließlich war’s ja kein eigener Entschluss, zur Welt zu kommen. Und um exakte Familienplanung mit „Wunschkind“ hat sich’s früher auch eher selten gehandelt…“ Richtig. Aber grade deshalb ist’s reizvoll, über die Frage

„Was hat es wohl für einen Sinn, dass ich einmal geboren bin?“ nachzudenken – zu welchem Schluss du wohl selber gelangst? Hoffentlich gibt dir nicht nur am Geburtstag, sondern auch sonst immer wieder jemand zu verstehen: „Wie schön, dass Du geboren bist, wir hätten Dich sonst sehr vermisst!“ – Und hoffentlich kannst du das Fazit ziehen:

„Doch, alles in allem leb ich gern.“

Es wird aber Momente geben, auch längere Zeiten, wo’s schwer fällt das Leben zu bejahen. Alles fragwürdig wird, weil du in der Krise bist. Das Schicksal dich hart getroffen hat. Wer beispielsweise nicht mehr erwerbstätig sein kann, unfreiwillig, kommt sich schnell nutzlos vor. Noch mehr, wenn man durch Krankheit oder im Älterwerden auf Hilfe angewiesen ist. – Doch genau in solchen Lebenslagen, das wär mein Wunsch für dich, soll besonders der zweite Teil des Gedichts zu deinem Herzen sprechen. Und hier nun das Ganze:

„Was hat es wohl für einen Sinn,
dass ich einmal geboren bin?
Hat’s irgendwem Gewinn gebracht,
dass ich in diese Welt erwacht?

Die Eltern haben sich gefreut,
ich selber hab es nicht bereut –
ja, der und jener neben mir
bekundete ’Ich danke dir!‘

Der Dank jedoch, den sie mir zollten,
hätt’ andern auch mit Recht gegolten,
vielleicht noch mehr…Von vielen einer,
ich sei nun größer oder kleiner,

so frag ich, ob es nötig war,
dass ich der Menschen Riesenschar
vermehrte um ein winzig Teilchen
für meines Erdenlebens Weilchen – ?

Bescheiden möcht ich’s fast verneinen:
so wichtig will ich mir nicht scheinen!
Die Menschheit wäre ohne mich
um gar nichts ärmer, denke ich. –

Doch Menschenwert ist nicht in Zahlen
berechenbar und auszumalen,
und der Verstand ergründet nicht
des Menschen Maße und Gewicht!

Das ist dem Wissen und dem Walten
des Herrn der Welten vorbehalten.
Schau ich auf Ihn, der mich erkoren,
so ward‘ ich nicht umsonst geboren.

Bin ich ein Vielmilliardstel Teil
der Menschheit nur – mir gilt sein Heil!
Das hat mir Sinn und Wert verliehen
und Ihm verdank ich, was gediehen.

Von Gottes Wort ein Wiederhall,
bin ja auch ich ein eigner „Fall“;
von seinem Licht ein Widerschein,
werd‘ ich Gewinn für andre sein.

Drum will ich fröhlich auf mein Fragen
und scheinbar unbescheiden sagen:
Die Menschheit wäre ohne mich
ein bisschen ärmer – glaube ich.

Gottfried Berron

Liebe Leserin, lieber Leser, schön, wenn du da zustimmen kannst! Denn niemand und nichts hat die Macht, Gottes Ja zu dir (wie zu jedem Menschen) ungültig zu machen. Darauf würd‘ schon fast „Amen“ passen, hm?

Ich wünsch dir einen gesunden Trotz und guten Mut,
Verena Engels-Reiniger