Freitag, Mai 24, 2024
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Wie cool ist das denn?!

Gute Lektüre mit unserem Kurseelsorge-Artikel (in Ausgabe Nr. 14, der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 05. Juli 2023)!

Wie cool ist das denn?!

Hier eine spannende Geschichte für Dich, liebe Leserin, lieber Leser. Da lassen sich interessante Schlüsse ziehen…

(Bild von “prawny”, gemeinfrei aus Pixabay)

„Es war einmal ein König, der die Menschen seines Volks kennenlernen wollte. Dazu schlüpfte er ab und zu in die Kleidung gewöhnlicher Leute und ging unerkannt durch die Stadt. Eines Abends sah er durchs Fenster einer Hütte am gedeckten Tisch einen Juden sitzen, der gerade den Lobpreis zur Mahlzeit sang. Der König klopfte an: ‘Darf ein Gast eintreten?‘ fragte er. ’Gern‘ antwortete der Mann, ‘nimm Platz, mein Mahl reicht für uns beide.‘ Während des Essens fragte der König: ‘Wovon lebst du?‘ –
’Ich bin Flickschuster. Jeden Morgen gehe ich mit meinem Handwerkskasten durch die Stadt, und die Leute bringen mir ihre Schuhe zum Reparieren.‘ – ’Aha‘, sagte der König, ‘aber was, wenn du morgen keine Arbeit bekommst?‘ Darauf der Flickschuster: ’Morgen? Gott sei gepriesen Tag um Tag!‘ – Als er anderntags in die Stadt ging, sah er überall angeschlagen „Befehl des Königs: Diese Woche ist in meiner Stadt jede Flickschusterei verboten!‘ – ‘Seltsam‘, dachte der Schuster, ‘was die Könige doch für Einfälle haben! Dann werde ich heute um Lohn Wasser tragen. Wasser brauchen die Leute jeden Tag.‘ Am Abend hatte er genug verdient, um das Nötige für eine Mahlzeit zu kaufen. Wieder lud der König sich als Gast bei ihm ein. Bei Tisch sagte er ’Ich hatte schon Sorge um dich, als ich den Befehl des Königs las. Wie hast du dennoch Geld verdienen können?‘ Der Schuster erzählte ihm vom Wassertragen. ’Gut‘, nickte der König, ’doch was wird morgen, wenn du keine Arbeit findest?‘ – ‘Morgen?‘ meinte der Flickschuster. ‘Gott sei gepriesen Tag um Tag!‘

Am nächsten Tag kamen dem Schuster auf seinem Weg in die Stadt Herolde entgegen, die ausriefen: ’Befehl des Königs: Wassertragen gegen Bezahlung ist nur mit Sondergenehmigung seiner Majestät erlaubt!‘ – ’Sonderbar‘, dachte der Schuster, ’was die Könige doch für Einfälle haben! Dann werde ich heute den Leuten um Lohn ihr Holz spalten.‘ Er holte seine Axt, und am Abend hatte er wieder so viel verdient, dass es zur Mahlzeit reichte.
Abermals war der König bei ihm zu Gast. Als er hörte, wie der Flickschuster zu seinem Tageslohn gekommen war, nickte er, fragte jedoch wie am Vortag: ’Was aber, wenn du morgen keine Arbeit findest?‘ – Der Schuster antwortete ’Morgen? Gott sei gepriesen Tag um Tag!‘

Am anderen Morgen begegnete ihm gleich am Tor ein Trupp Soldaten, und der Hauptmann sprach: ‘Deine Axt zeigt Dich als wehrhaften Mann. Darum musst Du heute im Palasthof Wache halten! Hier hast du ein Schwert, lass die Axt zu Hause!‘ So musste der Schuster den ganzen Tag Wache stehen und verdiente keinen Pfennig. Abends ging er zu seinem Krämer und sagte ’Heute konnte ich nichts verdienen, aber ich habe nachher einen Gast. Gib mir bitte, was ich zum Mahl für zwei brauche! Als Pfand lasse ich dir das hier‘, und er zog das Schwert aus der Scheide. –
Zuhause ging er sogleich in seine Werkstatt und fertigte aus Holz ein Schwert, das genau in die Scheide passte. Als später der König zu ihm kam, wunderte er sich, dass wiederum das Mahl für zwei bereitet war. Der Schuster erzählte ihm, wie sich alles zugetragen hatte, und zeigte ihm verschmitzt lächelnd das Holzschwert vor. ’Brav‘, nickte der König, ‘doch was wird morgen, wenn der Hauptmann die Schwerter inspiziert?‘ – Darauf der Schuster: ’Morgen? Gott sei gepriesen Tag um Tag!“

Wie der Schuster am folgenden Tag den Palasthof betrat, kam der Hauptmann, einen Gefesselten führend, auf ihn zu: ’Der da ist ein Mörder! Du sollst ihn hinrichten!‘ – Da rief der Schuster voller Schrecken ‘O nein! Ich kann keinen Menschen töten!‘ – ‚Du musst! Befehl des Königs!‘ –  Inzwischen drängten sich viele Neugierige in den Palasthof, um die Hinrichtung zu sehen.
Dem Schuster war angst und bange: Was sollte er nur tun?! – Er blickte dem Gefangenen in die Augen: ’Ist das ein Mörder??‘ – Dann warf er sich auf die Knie und schrie mit lauter Stimme:
‘O Gott, du König des Himmels und der Erde! Wenn dieser hier wirklich ein Mörder ist und ich ihn hinrichten soll, so gib, dass mein stählernes Schwert in der Sonne blitzt! Ist er aber kein Mörder, so mach, dass mein Schwert aus Holz ist!‘
Alle starrten gebannt darauf, wie er sein Schwert zog – und siehe da, es war aus Holz! Da brachen die Leute in Jubel aus, und von der Freitreppe seines Palasts schritt der König herab geradewegs auf den Schuster zu. Er gab sich ihm zu erkennen, umarmte ihn und sprach: ‘Von heute an sollst du mein Ratgeber sein!‘ “ –

Das ist eine Geschichte, nicht wahr? – Wie geht‘s Dir wohl damit, liebe Leserin, lieber Leser?
Bei mir regte sich zuerst Begeisterung über den Schuster und Wut auf den König, der einen Untertan so „testet“. Aber alles in allem überwiegt der Eindruck, durch einen solchen Sieg des „kleinen Mannes“ getröstet & gestärkt zu werden. Toll, wie dieser seinem Gast höchst elegant zu verstehen gibt, dass eigentlich jemand ganz anderes die Krone aufhat! Und dass es einen wunderbar gelassen, gewitzt, sozusagen cool machen kann, unbedingtes Vertrauen zu diesem großen Dritten und höchste Ehrfurcht vor ihm zu haben. „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen!“ (Psalm 18,30) Etwas von dieser Zuversicht wünsche ich Dir.

Verena Engels-Reiniger