Wen der Heilige Geist besiegelt

„Wen der Heilige Geist besiegelt“ …so lautet der Titel des Kurseelsorge-Artikels in Ausgabe Nr. 13 der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 20. Juni 2018.  – Gute Lektüre!

…die oder der ist gefirmt. Dieses Jahr wollen das 94 junge Menschen der Seelsorgeeinheit Bad Wurzach, sich firmen, d.h. besiegeln lassen, durch den Hl. Geist. Am 01. Juli ist es soweit. Deshalb sind die folgenden Gedanken „Dem“ gewidmet, was sich hinter diesem besonderen Fest, der Firmung verbirgt. –

Kurz und knapp formuliert: Die Firmung ist „das Sakrament des Geistempfangs“.

Sakrament heißt: Es gibt eine sichtbare Handlung, die eine unsichtbare Wirklichkeit vergegenwärtigt und an ihr Anteil gibt, nämlich die Wirklichkeit Gottes.

2018 ist Offizial Thomas Weißhaar dieser sichtbar Handelnde. Er legt den Jugendlichen die Hände auf, zeichnet mit Chrisam ein Kreuz auf ihre Stirn, spricht sie mit Namen an, verbunden mit der Zusage: „Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Hl. Geist.“ – „Amen“, auf deutsch „So sei es“ erhält er jeweils zur Antwort.

Die ursprüngliche Bedeutung von Sakrament als „Geheimnis“ oder „Weihe“ trifft das ziemlich gut, was hier geschieht: Gottes Wirken durch und im Geist. Auch Eigenschaften wie „heilig“, „unverletztlich“ und „verborgen“ schwingen mit, bei Sakrament im Allgemeinen und besonders in der Firmung. – Zumindest habe ich jedesmal dieses Empfinden, wenn sich Zelebrant und Jugendliche begegnen.

Entfaltung und Bewährung

Wichtig ist, jede dieser Begegnungen hat einen Angelpunkt. Nämlich eine Gemeinschaft, die sich zu Christus bekennt – dem Gesalbten (mit Salböl/Chrisam). Die Gemeinschaft wiederum will in seinem Geist leben, seinen Ruf hören und ihm nachfolgen. Ihre Mitglieder haben den Auftrag, wie Salböl den Wohlgeruch von Christus zu verbreiten: Das Evangelium.

Den Anfang macht dabei die Taufe, also die Aufnahme in die Gemeinschaft. Seine Fortführung findet all das – katholisch gesehen – in der Firmung. In ihr sollen Menschen darin bestärkt werden, genau so zu werden wie Christus.

Kurz gesagt: In der Taufe wird die christliche Existenz grundgelegt und mit der Firmung soll sie sich entfalten.

Darüberhinaus heißt Firmung auch Bewährung. Denn die Bereitschaft aus Gottes Geist zu leben, ist keine einmalige „Sache“, die einfach so funktioniert. Sie muss sich im Leben bewähren. Bewährungshelfer ist der – oder besser gesagt „die“ – Heilige Geist. Denn das hebräische Rûaḥ ist weiblich und steht oft für den Atem oder Geist Gottes.

Dynamische Gabe

Die spannende Frage ist: Wer ist Sie, also der heilige Geist? – Jedenfalls (scherzhaft) kein Gespenst, was bei „Geist“ durchaus gedacht werden könnte; ein höheres Prinzip (ernsthaft) auch nicht. Vielmehr geht es um den Geist Jahwes (hebräisch für ich-bin-der-ich-bin-da).

Die Rûaḥ ist eine Kraft, die von ihm ausgeht; ohne dass vorher festgelegt ist, was sie bewirkt. Eins jedoch ist die Rûaḥ: Ausgesprochen dynamisch. So sehr, dass sie psychisch wie physisch alles Geschaffene erfasst. Oder, wie es in Genesis 2,7 heißt: „Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem.“

Folglich ist Gottes Rûaḥ die Macht, der sich alles Leben verdankt. Sie ist die Kraft, von der unsere Existenz abhängt. Doch v.a. ist sie ein Geschenk – eine „aus Wohlwollen gespendete Gabe“ (griech. Charisma), von Gott an uns Menschen; aber nicht gedacht als Selbstzweck für ihre Empfänger/innen. Sondern, sagt Paulus: Wer sich zu Christus bekennt, dem/der wird die Gabe „des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt“. (vgl. 1Kor 12,7)

Grundlage fürs Christsein

Es geht also darum, einander weiterzugeben, was jede/r selbst empfangen hat: Die Gaben des Hl. Geistes, so wie sie im Bild der Taube benannt sind. Jesu ganze Existenz stand unter dieser Haltung. Und das Spannende ist, um es mit Römer 8 zu sagen: Jede/r, der sich von ihm leiten lässt, ist ein Kind Gottes. „Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi“. Geistbegabung ist demnach nichts, was nur einmalig an Jesus geschah, sondern vielmehr ein grundlegendes Erbe für alle, die Christ sein wollen.

Die Frage an jede/n von uns lautet deshalb: Will ich das, Christ/in sein, eine Person, die sich zu Christus bekennt? Sein Erbe mitannehmen und mich besiegeln lassen, vom Heiligen Geist? Mich von IHR in Dienst nehmen lassen und dort hingehen, wohin SIE mich treibt? Ein/e Herausgerufene/r werden und sein – wie es das griech.-lat. Ekklesia bedeutet – und damit Teil einer christlichen Gemeinde?

Die Antwort auf diese Fragen will gut überlegt sein. Die Einladung sie zu Bejahen, sowie die darinliegenden Herausforderungen anzunehmen – steht: Ein Leben lang und besonders an der Firmung. Mein Anliegen lautet deshalb: Seien wir füreinander da und lassen wir uns bestärken, an Festen wie diesen und über sie hinaus. Denn, um es mit den Worten eines neuen geistlichen Liedes auszudrücken:

Keinen Tag soll es geben, da du sagen mußt, niemand ist da, der mir die Hände reicht… mit mir Wege geht… mich mit Kraft erfüllt… mir die Hoffnung stärkt… mich mit Geist beseelt… mir das Leben schenkt. – Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der halte uns’ren Verstand wach und uns’re Hoffnung groß und stärke uns’re Liebe.

Raimund Miller, Kurseelsorger