Montag, April 15, 2024
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Weltgebetstag aus Taiwan

Gute Lektüre mit unserem Kurseelsorge-Artikel (in Ausgabe Nr. 05, der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 01. März 2023)!

Weltgebetstag aus Taiwan (03.03.)

Ein Land – zwei Systeme, mit dieser Zusicherung versprach China der ehemaligen Kronkolonie Hongkong, dass ihr demokratisches System unangetastet bleiben würde. Davon ist nach 25 Jahren als Sonderverwaltungszone nicht mehr viel übrig…

Für Taiwan sieht es in absehbarer Zukunft nicht besser aus: International isoliert, steht der asiatische Tiger der riesigen Volksrepublik fast zahnlos gegenüber. – Einige ältere Jahrgänge, diktaturerfahren noch aus den 1980er Jahren, plädieren für Realpolitik und Kooperation mit China. Verfechterinnen der Demokratie proben den Aufstand. Die Jungen kennen nur das Leben in der Demokratie, alles andere ist für sie kaum vorstellbar. Im Jahr 2022 hat sich die politische Weltkarte grundlegend verändert und die Frage „Was sind uns Menschenrechte und Demokratie wert und wie wollen wir sie verteidigen?“ ist drängender als zuvor.

Ich habe von eurem Glauben gehört, heißt es im Bibeltext Epheser 1,15-19 zum Weltgebetstag aus Taiwan. Woran erkennen wir Glaube? Was hat man sich damals wohl über die Christinnen in Ephesus erzählt? Wird unser Glaube heute der Rede wert sein? Fromme Sprüche am Weltgebetstag reichen dafür nicht aus! Deshalb wollen wir mit den Taiwanerinnen für das einstehen, was ihnen und uns wertvoll ist.

Große Vielfalt auf kleinem Raum

Der Inselstaat Taiwan liegt zwischen Japan und den Philippinen vor dem chinesischen Festland und besteht aus einer Hauptinsel … und über 100 weiteren Inseln. Schon die Geografie des Landes ist vielfältig: das westliche Drittel der Hauptinsel besteht aus Hügellandschaft und beherbergt 20 Millionen, der insgesamt 23,6 Millionen Taiwanerinnen. Die restlichen beiden Drittel sind von Bergwäldern und Gebirge bis zu 4000m Höhe überzogen. Aufgrund seiner Lage im Feuerring wird Taiwan jedes Jahr von etwa 1000 spürbaren Erdbeben erschüttert, glücklicherweise nur selten mit schweren Schäden. Die einzigartige Geografie der Insel und die klimatischen Bedingungen haben zu einer beträchtlichen Vielfalt an Pflanzenarten geführt.

Taiwan ist ein multiethnisches Land. Die meisten Menschen sind Nachfahren von Einwanderern aus Festlandchina. Daneben gibt es Nachkommen anderer Einwander*innen und 16 registrierte indigene Gruppen. Über die Jahrhunderte vermischten sich die verschiedenen Gruppen und die meisten verstehen sich heute einfach als Taiwanerinnen. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in vielen unterschiedlichen Sprachen wider sowie in der Religionsausübung.

Mehr als 40 % praktizieren chinesischen Volksglauben… Mit etwa 7 % ist das Christentum auf Taiwan nur schwach vertreten. Unter den Indigenen gehören aber 60 % einer christlichen Kirche an. Die verschiedenen Kulturen und Religionen leben nicht nur relativ konfliktfrei zusammen, mittlerweile wird die hohe Diversität auch als Reichtum geschätzt. So ist das Erlernen der jeweiligen „Muttersprache“ Pflichtfach in der Grundschule. In Sachen Digitalisierung und Wirtschaftskraft könnte Taiwan weltweites Vorbild sein. Taiwan ist zudem ein sehr sicheres Land. Vielleicht sind auch deshalb Nachtmärkte so beliebt. Hier kann man fast alles finden: Dinge des täglichen Bedarfs, Kleidung und v.a. gutes und günstiges Essen.

Stille Tugenden und lautstarker Protest

Taiwans Geschichte ist patriarchal geprägt. Die indigenen Stämme wurden von Soldaten kolonisiert, also Männern, die eine sehr konservative Geschlechtermoral importierten und pflegten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Konfuzianismus gepredigt, die Unwissenheit von Frauen galt als Tugend, sie sollten nach Möglichkeit nicht auffallen.  Die ersten Frauenrechtsaktivistinnen arbeiteten daher innerhalb des Systems und modernisierten das Frauenbild so, dass weibliche Berufstätigkeit zur patriotischen und familiären Pflicht wurde, wofür die Mädchenbildung weiter ausgebaut wurde.

Demonstrationen der neuen Frauenbewegung in den 1980er Jahren … richteten sich ganz gegen das traditionelle Frauenbild – mit lautstarken und bunten Straßenprotesten. Inzwischen hat sich die taiwanische Frauenbewegung in mehrere Gruppen untergliedert. Während Juristinnen dafür kämpfen die Forderungen in Regierungspositionen zu gießen, schließen andere Gruppen Allianzen mit weiteren sozialen Bewegungen… Heutzutage haben Frauen in Taiwan die gleichen Rechte wie Männer in Politik, Wirtschaft und Bildung. In den sozialen Erwartungen jedoch, sind patriarchale Ideale noch stark verankert. Beispielsweise wird weiterhin v.a. von Frauen erwartet, sich um die Familie zu kümmern. Berufstätigkeit und Familie sind schwer unter einen Hut zu bringen, weshalb sich eine zunehmende Zahl von jungen Frauen gegen Kinder entscheidet. Gewalt, Gehaltsunterschiede und Unterrepräsentation in wirtschaftlichen Führungspositionen sind nach wie vor Herausforderungen.

Garten der Hoffnung

Bild: Hui-Wen Hsaio, „Ich habe von eurem Glauben gehört“ © WDPIC

Um sich aus einer gewaltsamen Beziehung zu lösen, bedarf es oft vieler Anläufe. Insbesondere wenn es an wirtschaftlichen Alternativen mangelt, kehren die betroffenen Frauen zu ihren Peinigern zurück. Hier setzt unsere Partnerorganisation Garden of Hope (Garten der Hoffnung) an. Sie stellen Schutzwohnungen für Betroffene sexualisierter Gewalt, Menschenhandel und Zwangsprostitution zur Verfügung, damit sich die Frauen aus gewaltsamen Beziehungen befreien und ihr Leben neu ordnen können. – Eine oftmals lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt, begrenzte Jobmöglichkeiten aufgrund fehlender Kinderbetreuung und niedrigem Bildungsstand sowie geringes Selbstbewusstsein sind die offensichtlichen Folgen jahrelanger Gewalterfahrung. Deshalb unterstützt Garden of Hope den Weg in die wirtschaftliche Unabhängigkeit, in dem sie bei der Arbeitssuche helfen, Qualifizierungsangebote und Rechtsbeistand vermitteln. Damit die Frauen sicher auf eigenen Beinen stehen und nicht zurückkehren müssen in eine unterdrückende Abhängigkeit.


Text: Zusammengestellt von Raimund Miller (WGT-Flyer).


Herzliche Einladung zu Gottesdienst und gemütlichem Beisammensein:

Freitag, 03.03., ab 19:00 Uhr in der Ev. Kirche Bad Wurzach!

VA: Die christlichen Konfessionen iZmd Kurseelsorge Bad Wurzach.

Ort: Evangelische Kirche Bad Wurzach.
(gegenüber der Rehaklinik / barrierefreier Zugang)