Von Matthäus zu uns – die heiligen drei Könige

Von Matthäus zu uns – die heiligen drei Könige …so lautet der Titel des Kurseelsorge-Artikels in Ausgabe Nr. 01 der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 03. Januar 2018.  – Gute Lektüre!

In diesen ersten Tagen des neuen Jahres ist es wieder soweit: Königlicher Besuch kündigt sich an. Entsprechend ziehen, von Vielen sehnsüchtig erwartet, meistens vier Majestäten von Haus zu Haus. Drei tragen eine Krone, die vierte einen Stern. Aber das Wichtigste ist, sie bringen Gottes Segen zu den Menschen – die Sternsinger!

Was Matthäus (nicht) sagt
Die Tradition des Sternsingens ist sehr alt und die Weihnachtszeit ohne sie eigentlich undenkbar. Den Ursprung der Sternsinger finden wir bei Matthäus, der sein Evangelium nach dem Jahr 70, wahrscheinlich in Syrien verfasst hat. Zu Beginn des zweiten Kapitels schreibt er:

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem.

Das Spannende daran ist, was Matthäus hier nicht sagt: Nämlich zu wievielt die Sterndeuter sind und woher genau sie eigentlich waren. Denn wer z.B. auf die Karte des Makedonischen Reichs blickt, sieht bis nach Indien.

Außerdem interessant: Matthäus spricht nicht von Königen, sondern Altgriechisch von Magiern.

 

 

Ihre Anzahl wurde von Origines (* 185 in Alexandria; † um 254), festgelegt; vermutlich, weil bei Matthäus (2,11) zu lesen ist:

(Die Sterndeuter) gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.

Also drei Gaben heißt drei Überbringer.

Rang und Namen

Schon Tertullian (160–220) macht aus den drei Überbringern Könige, wenn er sagt „die Könige von Tarschisch, Saba und Scheba bringen Geschenke“ und dabei Psalm 72,10 zitiert. – Im 6. Jh. kommen dann ihre Namen dazu. Ein Mosaik (in San Apollinare Nuovo, Ravenna/Italien) aus dieser Zeit listet sie auf: Balthasar, persisch für „Lichtkönig“; Melchior, „Gottesschutz“; und Caspar, „Schatzmeister“.

Verehrt und beliebt
Die Gebeine der drei tauchten im Lauf der Zeit in Mailand auf. Nachdem die Stadt 1162 unter Kaiser Barbarossa erobert wurde, gelangten sie schließlich nach Köln. »Hier wurde 1180–1225…  für die Reliquien der kostbare „Dreikönigsschrein“ angefertigt… Dieser wiederum wurde Anlass zum Bau der Kölner gotischen Kathedrale, für die 1248 der Grundstein gelegt wurde« schreibt Manfred Becker-Huberti – und weiter: »Über dem „goldenen Haus“ der Dreikönige wurde ein „Abbild des Himmels“ gebaut.«

Die drei Könige waren nicht nur hoch verehrt, um ihren Tag, den 06. Januar, entwickelten sich zudem viele Bräuche: Z.B. standen die drei Könige für die damals bekannten Kontinente – Asien, Europa und Afrika. Daher kommt es, dass einer mit schwarzer Hautfarbe dargestellt wird; zuerst Kaspar, dann Melchior.

Alter Brauch, neuer Sinn
Von vielen Bräuchen ist das Sternsingen der Kinder übriggeblieben. So wurde im Italien des Hochmittelalters Dreikönig als Geschenktag begangen, an dem die Schüler zu den Häusern reicher Leute zogen. Dieser Brauch breitete sich im 15./16. Jh. bis Norddeutschland aus. Das Ziel der Kinder war es, durch Almosen ihr Schul- und Kostgeld zusammenzukriegen. Aus diesem Grund sangen sie, was das Zeug hielt. Manche sahen sich dadurch belästigt und kauften sich an Dreikönig los.

Seit langer Zeit ist also das Sammeln von Spenden Teil des Brauchs. Hier knüpfte das Kindermissionswerk 1959 bei seiner Initiative zur Aktion Dreikönigssingen an: Der alte Brauch sollte einen neuen Sinn bekommen – und aus einem kleinen Anfang wuchs die weltweit größte Aktion von Kindern für Kinder. 2017 waren allein in Deutschland ca. 300.000 Sternsinger/innen unterwegs und „ersangen“ etwa 45,5 Millionen Euro. Zielland war Kenia. 2018 ist es Indien: Um Kinderarbeit zu beenden und Schulbildung zu ermöglichen. – Hilfe wird damit zum Segen.

20* C+M+B+ 18
Entsprechend möchte ich mit den Worten der heiligen drei Könige enden:

Gottes Sohn ist uns geboren, freudig rufen wir es aus. Frieden wünschen wir den Menschen, Gottes Segen jedem Haus. / Hütten, Zelte, Keller, Straßen, Kinder nennen dies ihr Heim. Ihre Welt soll heller werden, dazu laden wir euch ein. / Eure Gaben, die wir sammeln, helfen Kindern Zukunft geben. Und was wir zusammentragen, bringe Freude in ihr Leben.

In diesem Sinn: Möge Christus (C+) Ihre Häuser (M+) segnen (B+) und Gottes Stern Sie gut durchs neue Jahr geleiten!

Raimund Miller, Kurseelsorger

 

ps: Bilder, gemeinfrei aus Wikipedia