Samstag, Mai 25, 2024
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und mach das Leben frei

Gute Lektüre mit unserem Kurseelsorge-Artikel (in Ausgabe Nr. 8, der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 14. April 2021)!

und mach das Leben frei!

Schön war’s zu Ostern! Sonnenschein lockte hinaus ins Freie, strahlte mit den Blumen um die Wette. Doch dann hat der Winter das Heft wieder an sich gerissen: Eis und Schnee, brrr! Schon klar, es ist April. Und die Wetterkapriolen passen zur allgemeinen Pandemielage, zum ständigen Hin und her, Auf und ab bei Infektionsraten, Inzidenzen und Lockdown-Beschlüssen – ach, man hat es so satt! Krass der Gegensatz zu dem, was jetzt dran ist:

Frühjahr – da geht doch alles auf! Ostern – da öffnet sich’s zum Leben!

Überall sprießt frisches Grün hervor, Blüten drängen ans Licht. Doch wir sind immer noch festgehalten unter der Geißel Corona und unterm Lockdown. Was der alles anrichtet! Schon jetzt große Schäden für viele. Ja, wer hätte sich bis März 2020 vorstellen können, dass menschliche Nähe, sozusagen „Präsenz-Kontakte“, einmal so zum Problem werden?! Unser Zusammenleben dermaßen eingeschränkt, behindert, blockiert würde?! Und inzwischen müssen wir erkennen:‘

Noch lang nicht vorbei, das mit Covid!

Weinbergschnecke mit Epiphragma, Bild von Hannes Grobe, cc aus Wikipedia

Ok, es gibt auch selbstgewählte Verschlossenheit: maybe aus Arroganz, meist jedoch zum Selbstschutz. Wenn aber erzwungen, macht sie uns schwer zu schaffen. Ist jemand in sein Schneckenhaus eingeschlossen,  kommst du von außen nicht an ihn ran. Und er leidet ebenfalls, weil er nicht aus sich herauskann. – Oder man ist sich selbst verschlossen, hat keinen Zugang zu eigenen tiefen Gefühlen. Die innere Energie, die Quellen von Lebensmut und Lebensfreude sind quasi unter Verschluss. Wie dringst du wieder zu ihnen durch?‘

Hier im Bild die Schnecke „unter Verschluss“: Wenn es Winter wird, verkriecht sie sich im Boden und verschließt ihr Haus mit einem Deckel aus Kalk. So schützt sie sich vor dem Tod durch Frost. Als Kind fand ich mal ein solches Schneckenhaus. „Und da ist wirklich die Schnecke drin?!“ Neugierig hab ich am Deckel gekratzt und gedrückt, wollte an das Tier heran. „Lass! Sie kommt von selbst heraus, wenn‘s Zeit für sie ist.“ Hieß also für mich Lernen:

Lassen und Gewaltsam aufmachen ist keine Lösung

Warten, die Geduld, ganz wichtig sind. Und dass zwischen Gewalt und Kraft ein wesentlicher Unterschied besteht! – Tatsächlich braucht es nur Frühling zu werden warm und licht, damit die Schnecke wieder hervorkriecht. Doch wie genau geht der Deckel auf? Das wüsste ich gern! Jedenfalls haben‘s schon die Leute im Mittelalter wundersam gefunden. Deshalb ist auf Bildern mit der Passion und Kreuzigung manchmal eine Weinbergschnecke dargestellt als Andeutung für das Grab und die Auferstehung Jesu.

Weinbergschnecke. Bild cc aus Pixabay

Wobei es bei ihm ein Mords Stein war, der die Grabhöhle verschloss. Insofern eigentlich sinnlos, dass am dritten Tag die Frauen sich in der Frühe auf den Weg dorthin machten. Sie wollten ja direkt zu Jesus, seinen Leib einbalsamieren. Also in allernächsten Kontakt mit ihm kommen. Erst auf dem Weg fiel ihnen der schwere Stein ein: Der machte das doch unmöglich! Merkwürdig, dass sie trotzdem weitergingen, ohne Aussicht auf Lösung des Problems.

Und dann war da was aufgegangen…

Es zog sie offenbar so stark hin zu Jesus, der sie in ein neues Leben hineingezogen, sie voll bejaht und gewürdigt hatte. Jesus zu begegnen war gleichzeitig irritierend und faszinierend. Konfrontation und Trost. Freiheit und Mut teilte er mit, Freude, Wärme, Leben mit Sinn: Sie mussten da einfach hin! Irgendwie würde sich ein Weg auftun.

Noch lange nicht vorbei, das mit Ostern!

Schlüsselblume im Frühling. Bild cc aus Pixabay

Möglicherweise, im Dunkeln, bei Nacht. Unauffällig ohne Lärm, abseits der Öffentlichkeit. Es kann zwischen uns Menschen, ja, in uns geschehen, was man seither Auferstehung nennt. Damals ist Jesus seinen Leuten mitten im Leben neu begegnet. Wie es allerdings genau zuging, mit dem Stein und überhaupt, bleibt Geheimnis. Aber verheißungsvoll…

Warum nicht die Botschaft und den Frühling dazu als Beleg nehmen, dass es etwas wie „Himmelsschlüssel“ gibt? Dass sich immer wieder was öffnet, das hermetisch verschlossen schien. Meist verborgen, leise, unspektakulär. Oft ganz ohne unser Zutun: Ein Ausweg. Eine neue Möglichkeit. Ein Brückenschlag zur Verständigung…

Frohe österliche Freudenzeit!
Ihre Verena Engels-Reiniger