Montag, April 15, 2024
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Sympathisch – von Herzen

Gute Lektüre mit unserem Kurseelsorge-Artikel (in Ausgabe Nr. 04, der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 14. Februar 2024)!

Sympathisch – von Herzen

Bild zeigt einen Stift, mit dem etwas geschrieben wirdDer Valentinstag am 14.2. fällt dieses Jahr ausgerechnet auf Aschermittwoch: Passt das zusammen, Selbstbesinnung und Liebe? – Vorschlag: Lass dein Herz sprechen. Hör auf dein Herz, wenn du nachdenkst über Gott und die Welt. Über Dich selbst und mehr oder weniger liebe Mitmenschen…

Denn im Grunde, in seiner Tiefe, hat das Herz ein feines Gespür. Es kann einen auch schwierige Zeitgenossen wertschätzen lassen. Mit Empathie, der Kunst sich einzufühlen: Wie sie erleben, womit sie sich schwertun, was sie ersehnen. Verwandt mit Empathie ist Sympathie, wörtlich: Mitfühlen, was andere betrifft an Freud und Leid.

Nun ist es ja so eine Sache mit dem Mitleid: Von schwerem Schicksal betroffen, ernstlich krank oder sonst in einer schwierigen Lage, braucht man nicht das Bedauern der anderen. Seufzer „O wie schlimm!“ oder Klagen über die böse Welt helfen keinem weiter. Was jedoch guttut, ist echte Anteilnahme. Zu merken, dass jemand sich berühren lässt vom eigenen Leid. Einen ernstnimmt mit dem, was zu schaffen macht. Und einen trotzdem nicht nur darüber definiert.

Man will einfach als Mensch wahrgenommen werden, der an etwas leidet, zu kämpfen hat und Verständnis braucht. Stellenweise auch ganz praktische Hilfe. Wenn aber die Frage „Wie geht’s dir?“ nur Floskel ist, wenn schnell drüber hinweggegangen wird, was man mitteilen möchte, dann frustriert das. Zu merken, es interessiert nicht wirklich, andere sind nicht bereit oder fähig zu echter Empathie, tut weh. Und zeigt einen echten Mangel in der menschlichen Gesellschaft. Viele schotten sich ab: Sie hätten schließlich genug mit sich selbst zu tun.

Tja, es stimmt im doppelten Sinne: Wirkliches Mitfühlen braucht das Herz. So einfach oder so schwierig ist das, je nachdem. Sich auf andere einzulassen braucht Kraft und Zeit. Dazu  im Folgenden Gedanken von D. Bonhoeffer, einem evangelischen Theologen und Pfarrer, der im Widerstand gegen die Nazidiktatur ermordet wurde. Er ist der Sache  auf den Grund gegangen und hat zugleich auf die entscheidende Kraftquelle hinge-wiesen. Hat gezeigt, von welchem Rang echte SymPathie ist. Das klingt auch in seinem berühmten  Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ an. Hier nun ganz nüchtern, realistisch zur Weite des Herzens

Bild, das bunte Herzen zeigt, welche zur Mitte hin immer kleiner werden
kostenlos aus Pixabay

„Man muss damit rechnen, dass die meisten Menschen nur durch Erfahrung am eigenen Leib klug werden. Daher rührt 1. die erstaunliche Unfähigkeit der meisten zu vorbeugendem Handeln jeder Art. Man meint, um die Gefahr selbst immer noch herumzukommen, bis es dann zu spät ist. 2. erklärt sich daraus die Stumpfheit gegenüber dem Leiden anderer. – Immerhin, bei manchen entsteht mit wachsender Angst vor drohendem Unheil auch Mitgefühl. Doch viele sorgen sich nur um sich selbst.

Nun lässt sich manches zur Rechtfertigung dieser Haltung sagen, z.B. ethisch: Man wolle dem Schicksal nicht in die Räder greifen. Innere Berufung & Kraft zum Handeln schöpfe man erst aus dem eingetretenen Ernstfall. – Allgemein: Man sei nicht für alles Unrecht und Leiden in der Welt verantwortlich. Man wolle sich auch nicht zum Weltenrichter aufwerfen. Schließlich psychologisch: Der Mangel an, das Vermeiden von Empathie und sensiblem Mitfühlen werde ausgeglichen durch solide Gelassenheit, Belastbarkeit und Arbeitskraft.

Christlich gesehen können freilich alle diese Rechtfertigungen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es hier entscheidend an der Weite des Herzens mangelt. Schauen wir auf Jesus, wie er sich Menschen zuwandte: Angerührt von ihrer Not, ließ er sie an sich heran, richtete ihre Würde wieder auf und heilte sie so. Denen, die man ausgrenzte, verachtete und verurteilte, stellte er sich an die Seite. Die Heilige Schrift sagt, dass Jesus alles Leiden aller Menschen an seinem Leib als eigenes Leiden erfuhr: ein unbegreiflich hoher Gedanke! Und dass er es freiwillig auf sich nahm. Er selbst entzog sich so lange dem Leiden, bis seine Stunde gekommen war. Dann aber ging er ihm in Freiheit entgegen, nahm es an und überwand es.

Nun sind wir gewiss nicht Christus und nicht berufen, durch unser Tun und Leiden die Welt zu erlösen. Wir sollen uns nicht Unmögliches aufbürden und uns quälen, dass wir‘s nicht tragen können. Wir sind nicht Herrscher, sondern Werkzeuge in der Hand des Herrn der Geschichte. Das Leiden anderer können wir nur in begrenztem Maß mitleiden.

Aber wenn wir Christen sein wollen, bedeutet das, dass wir an der Weite des Herzens Christi teil bekommen sollen: Durch verantwortliches Tun, das das Gebotene in Freiheit ergreift und sich der Herausforderung stellt. Und durch echtes Mitleiden, das nicht aus Angst, sondern aus der erlösenden Liebe Jesu Christi zu allen Leidenden quillt. – Tatenloses Abwarten und stumpfes Zuschauen sind keine christlichen Haltungen. Nicht erst Erfahrungen am eigenen Leib rufen Christen zum Mitleiden und Tun. Sondern die Leiden an Leib und Leben der Mitmenschen: Brüder und Schwestern, um derentwillen Jesus litt.“ – Soweit D. Bonhoeffer.

Das Herz auf dem rechten Fleck zu haben, wünsch ich mir – Ihnen – uns.

Verena Engels-Reiniger