Sommerwege: Mit Alfons von Liguori
…Gott und dem Leben auf der Spur
»komm ein bisschen mit nach Italien, komm ein bisschen mit ans blaue Meer, und wir tun, als ob das Leben eine schöne Reise wär. Komm ein bisschen mit, weil sich das lohnt, denn am Tag scheint dort die Sonne und am Abend scheint der Mond. Aber dann, aber dann zeigt ein richtger Italiener, was er kann… fängt beim Sternenschein die Serenade an.«
Mit diesem Lied – ob Sie nun in der Heimat unterwegs sind, oder sich schon auf dem Weg „ans blaue Meer“ befinden – lade ich Sie dazu ein, sich gedanklich auf eine Reise nach Italien zu begeben. Nach Marianella, einem Stadtteil von Neapel. Weil die Person, um die es hier geht, von dort herstammte; prestige- plus geldmäßig bis Mitte 20 ein bequemes Leben führte; und so einiges konnte. Z.B. komponieren.
Das Stichwort lautet ‘Sternenschein’. Denn mit „Tu scendi dalle stelle“ (Du steigst herab von den Sternen), hat sie das bekannteste italienische Weihnachtslied geschaffen! Aber diese Person konnte auch malen, hatte Sprachen studiert (klassisch und modern) und war umfassend in Geisteswissenschaften ausgebildet. Bereits mit 16 Jahren wurde ‘sie’ zum Doktor beider Rechte (kirchlich und weltlich) promoviert. Die Rede ist von Alfonso Maria de Liguori – gestorben am 01. August 1787.
Doch der Reihe nach. Von vorneweg hieß es für Alfons: du bist der Erstgeborene und sollst das Familieerbe weiterführen. Es zu neuem Ansehen bringen. Deshalb startete er nach seinem Studium eine glanzvolle Karriere als Anwalt in seiner Heimatstadt Neapel. Bis er 1723 in einem wichtigen Prozess eine Niederlage kassierte. Alfons war damals 27 und beschloss: Ich will nicht mehr so tun, „als ob das Leben eine schöne Reise wär“!
Der Grund dafür: Neben dem Beruf bildete er sich im Glauben weiter und pflegte seine Frömmigkeit, was auf die Dauer immer mehr zu einem inneren Konflikt führte. Alfons spürte und erfuhr – je länger, desto stärker – wie hohl sein Lebensstil war; was höhere Schichten sich so alles anmaßten; wie oft Ehrgeiz in Eitelkeit mündete; und wie unecht sowohl manche Richter als auch Advokaten waren.
Dementsprechend hatte sich Alfons dem Leben in einer anderen Gestalt zugewandt. Ungeschminkt und verletzlich. Indem er unheilbar Kranke in einem Siechenheim pflegte (vergleichbar unserem Leprosenhaus). Dabei hörte er den Ruf Priester zu werden. Ein helles Licht habe ihn plötzlich umgeben – so Alfons – und eine Stimme ihn aufgefordert, die Welt zu verlassen und Gott zu dienen.
Das hieß konkret: sein Erstgeburtsrecht abgeben, am 28.08.1723 den Adelsdegen ablegen, aus seiner Schicht der Gesellschaft aussteigen, Theologie studieren, drei Jahre später geweiht werden – um dann ganz für Gott und die Armen dazusein. All das gegen massiven Widerstand, v.a. den seines Vaters. Doch Alfons´ Lebensweg war jetzt ein anderer. Und seine Reise ging zunächst zu den obdachlosen Jugendlichen von Neapel.
Zusammen mit Freunden gründete er dort die sog. Abendkapellen. Zusammenkünfte, bei denen man betete, das Wort Gottes hörte, soziale Aktivitäten plante und Gemeinschaft pflegte. 1729 führte sein Weg aufs Land, zu Menschen, die noch ärmer und noch verlassener waren als jene aus der Stadt. Nicht von ungefähr steigt der Gott an den Alfons glaubt, in seinem Weihnachtslied von den Sternen herab „und kommt in eine Höhle“. Die Unterkunft armer Bauern und Hirten. – Gott wurde aus Liebe arm, heißt es am Ende. Damit ist er der Armut nahe. Und weiter: Das ist der Grund zu lieben – Gott und Menschen. Sagt Alfons.
Eine Krankheit zwang ihn zu Pause und Erholung. Was er in Scala fand, einem kleinen Dorf in der Nähe von Amalfi. In der Begegnung mit den dortigen Menschen traf Alfons dann ein weiterer Ruf: nämlich eine missionarische Gemeinschaft für die benachteiligte Landbevölkerung im gesamten Königreich von Neapel zu gründen. Gemeinsam mit Celeste Crostarosa 1731 den Orden der Redemptoristinnen, ein Jahr später das männliche Gegenstück. Wie gehört, so getan, könnte man im Blick auf Alfons sagen.
Im Außen sollte sich die von ihm ins Leben gerufene Gemeinschaft dabei von Fragen leiten lassen wie: Was ist notwendig, wendet Not? Und: Was erfordert die konkrete Praxis, um wirklich leben zu können? Der innere Antrieb zur Beantwortung sollte Jesus Christus sein. Dessen Leben und Tugenden. Auf Neudeutsch gesagt, zu fragen: What did Jesus do? Oder: Wie würde Christus jetzt handeln? Und es ihm bestmöglich nachzumachen. Weil das Ziel lautet: den Menschen die Liebe des Erlösers (lat. redemptor) nahezubringen.
Das war damals Alfons´ Plan. Und jetzt? Welche Impulse könnte er uns für heute mitgeben? – Mir sind da ein paar eingefallen. Fragen, z.B. für unterwegs ans blaue Meer, oder für daheim herum. Weil Sommer und August für Viele von uns Urlaub plus Erholung bedeuten – und Zeit zum Nachdenken bieten. Über ‘Dinge’ wie:
- Was macht mein Leben schön?
- Auf welchem Weg befinde ich mich, und wohin soll meine ‘Reise’ gehen?
- Welche Gaben habe ich (vielleicht noch gar nicht entdeckt)? Mache ich etwas aus und mit ihnen?
- Wer oder was schenkt meinem Leben Echtheit?
- Von wem und zu was lasse ich mich (be)rufen?
- Höre ich (auf) Gottes Worte?
- Wo und mit wem (er)lebe ich Gemeinschaft?
- Wie gehe ich mit Armut und Reichtum um?
- Wer oder was bewegt mich – ist durch mich in Bewegung?
- Wie und wo wende ich Not?
- Wann mache ich Jesus nach?
- Ist Liebe der Grund für mein Denken und Handeln?
Einen erfüllenden Sommer und sinnstiftende Antworten und wünscht: Raimund Miller
Artikel der Kurseelsorge in Ausgabe Nr. 16 von „Bad Wurzach Natürlich. Informativ“ vom 01. August 2026
