Freitag, Juni 14, 2024
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Rosa – die Farbe der Freude

Gute Lektüre mit unserem Kurseelsorge-Artikel (in Ausgabe Nr. 25, der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 07. Dezember 2022)!

Rosa – die Farbe der Freude

(Grafiken, © Erzbistum Köln / Heidebrecht)

„Lila,“ schwärmt Alfred Schleicher, Farbdesigner aus Karlsruhe, „das ist die Farbe, über die man am meisten sagen kann!“ Denn wird Rot (Körperlichkeit und Aktivität) mit einem Blau gemischt, welches schwer und kalt ist, dann ergeben sich vielschichtige Variationen – welche ganz unterschiedliche Empfindungen hervorrufen können. So wirkt Lila bspw. auf Viele als Farbe des Geistigen. Das liegt, laut Schleicher, am Purpur, an dessen Anteil in der Mischung; und daran, dass in unserer natürlichen Umgebung kaum etwas Lila ist. Entsprechend stellt diese Farbe einen starken Kontrast zu allem Körperlichen dar.

Für den Farbdesigner ist es daher geradezu logisch, Lila als Symbol von Buße und geistlicher Vorbereitung in Advents- und Fastenzeit zu wählen. Denn: „Wir werden bei dieser Farbe sehr aufmerksam auf uns und das, was über uns hinausweist.“ Liturg*innen gibt er allerdings die Empfehlung mit, in Fastenzeiten (wie auch der Advent eine ist) nicht zu häufig Lila zu tragen. Denn diese Farbe kann schnell traurig wirken. Dazu passt – wie so oft – Jesu Aufforderung, zu werden wie die Kinder, weil Kinder instinktiv erfassen, was Lila transportiert. Entsprechend selten gehört sie zu ihren Lieblingsfarben.

Evangelisch wie katholisch ist Lila dagegen nie aus der Mode gekommen. Jedes Jahr ist es in der Advents- und der Passionszeit die Kirchenfarbe der Saison. Was daher rührt, dass Papst Innocenz III. im 13. Jh. einen Farbenkanon einführte. Seitdem gilt: Buße plus Umkehr gleich Lila. – Und Rosa?

In der christlichen Kunst ist Rosa nicht wirklich eigenständig. Der Farbton wird hier ähnlich wie Rot verwendet und steht symbolisch für: (Nächsten-)Liebe, Leben, Blut/Opfer, Königtum, … Rot ist wiederum die Farbe Jesu Christi, der von manchen Kunstschaffenden auch in rosa Gewändern dargestellt wurde.

In Ambrogio Lorenzettis „Maestà“ als Kind, in Fra Angelicos „Marienkrönung“ als Erwachsener. – Auch Maria wurde immer wieder in rosafarbenem Gewand gemalt (s. Raffaels „Madonna Alba“). – Es könnten symbolische Gründe gewesen sein, Rosa anzuwenden. Im Sinn der Kombination von Rot und Weiß. Denn Letzteres steht für Reinheit, Unschuld oder (göttliches) Licht.

Inzwischen ist jedoch belegt: Keine andere Farbe wirkt stärker auf unsere Psyche, als die rosane. Wer hyperaktiv ist, wird durch sie ausgeglichener und ruhiger. Zudem verstärkt Rosa positive Gefühle, besänftigt Aggression und Gewalt. (Adler Farbenmeister). –

So strichen Psychologen, in Studien der 1980er-Jahre, Gefängniszellen damit und stellten fest, dass aggressive Häftlinge ruhiger wurden. Busunternehmen bauten rosafarbene Sitze ein und merkten, dass der Vandalismus zurückging. Mitarbeiter von Wohltätigkeitsorganisationen sammelten drei Mal so viele Spenden, wenn sie rosa Hemden trugen (Dulux). Warum? Weil dieser Farbton mit Weiblichkeit, Mitgefühl und Empfindsamkeit verbunden ist. – Dankbarkeit, Unschuld, Bewunderung und Anmut schwingen ebenso mit.

Gerade in unserer Zeit, wäre es folglich gut, bewusst immer wieder eine „rosa Brille“ zu tragen. Das Negative ist damit nicht weg. Aber unser Leben stünde so unter einem anderen Licht. Dem Licht der Freude Gottes. Beruhigend finde ich: Es ist hier. Deshalb mit Paulus (Phil 4,4-5) und (nicht nur) zum 3. Advent: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Eure Güte werde allen Menschen bekannt. (Denn) der Herr ist nahe.“

Raimund Miller