Montag, April 15, 2024
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Fußbad und Herzenswärme

Gute Lektüre mit unserem Kurseelsorge-Artikel (in Ausgabe Nr. 24, der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 23. November 2022)!

Fußbad und Herzenswärme

„Die Kälte kommt – machen Sie sich bereit!“ Jeden September erinnert mein Autohaus mit dieser Ansage an die nötigen Winterreifen. „Die Kälte kommt…“ klingt dieses Jahr wie eine Warnung, für Geringverdienende beängstigend wegen enorm steigender Heizkosten, und für Wohnungslose bedrohlich. Ja, es sind Viele, die das Dunkel und die Kälte des Winters fürchten müssen! Und alle stecken wir in dem Dilemma:
Wie sich davor schützen, ohne dem Klimawandel weiter massiv einzuheizen?!

In der Ukraine gilt für öffentliche Gebäude die Vorgabe, bis max. 16 C zu heizen… Bei uns zuhause, wieviel Grad braucht es da, damit einem nicht klamm ist? Reichen 19 plus allerlei Wolliges am Leib, zum Feierabend ‘ne kuschelige Sofadecke und heißer Tee? Und dass man, wo immer möglich, sich zwischenrein Bewegung verschafft mit Rausgehn, Radeln, Sport, gar Tanzen! – oder was sonst den Kreislauf auf Trab bringt. Das tut auch der Psyche gut, und natürlich – zusammenrücken. Menschliche Nähe & Wärme suchen – und anbieten…

Beugt Erkältung vor und spart gegenüber heiß Duschen ’ne Menge!

Gegen körperliches Frieren sei hier noch an was Altmodisches erinnert, ein echt heißer Tipp, wenn man ausgekühlt ist: Das ansteigende Fußbad mit Salz. Beugt Erkältung vor und spart gegenüber heiß Duschen ’ne Menge! Also: Man füllt eine genügend hohe Schüssel zuerst mit nur so viel Wasser, dass die Füße gerade bedeckt sind, gibt ’ne Handvoll Salz rein und gießt während dem Bad einige Male Heißwasser zu (gaaanz vorsichtig! Und: Thermoskanne bereitstellen)
Und dann: Genießen! Spüren, wie die Wärme wohlig in den ganzen Körper aufsteigt. Dabei lässt sich sinnieren, was ein irisches Segenslied rät:
„Hab, wenn es kalt ist, warme Gedanken…“
Denn leider gibt’s einiges, das soz. zwischenmenschlich frieren macht: Kalte Blicke. Kälte in der Stimme. Die kalte Schulter zeigen. Jemanden kaltstellen. Einen Menschen eiskalt fertig machen. Eingefrorene Beziehungen. Eiszeit zwischen verfeindeten Gruppen/ Staaten, etc. …
In der Tat, ebenso zu fürchten wie körperliche Unterkühlung ist seelische und soziale Kälte!

Was hilft dagegen? Ein Stück weit die Geschichte von Frederick (Leo Lionni 1972), der seine „geistige Ernte“ aus wunderbaren Sommermomenten im bitterkalten Winter mit seinen Mäusegefährten teilt, so dass ihnen von innen heraus warm wird. Nun, wenn schon Mäuse sich auf so was verstehen, um wieviel mehr wir Menschen! In Kopf und Seele sind wahre Schätze schöner, kostbarer Erinnerungen eingelagert, und es ist herzerwärmend, wenn man sich die dankbar bewusst macht! – Aber gegen zwischenmenschliches Frieren + soziale Kälte braucht es ganz klar noch andere Maßnahmen! Jesus nennt knapp und treffend Ursache und Wirkung (Matth 24,12):
„Weil die Ungerechtigkeit überhandnimmt, … wird die Liebe in vielen erkalten.“

Darin liegt die eigentliche Gefahr. Eindrücklich ist dazu W. Hauffs berühmtes Märchen
„Das kalte Herz“ mit seiner verblüffenden Pointe: Die „Herztransplantation“ wurde vom Holländermichel nur halb vollzogenen! Denn der Kohlenmunk fühlt schließlich doch etwas – die erschreckende Leere in seinem Inneren. Dass es bei allem Erfolg und Reichtum einfach kein Leben ist ohne ein fühlendes Herz. Selbst wenn dieses einen auch leiden macht…

Nur gut, dass die Not von Kindern, die Vereinsamung von Menschen, der Pflegenotstand, das Flüchtlingselend – ach, all das Unrecht in der Welt, viele Leute doch nicht kalt lässt!
Sie haben sich, wie Sankt Martin, ihr fühlendes Herz bewahrt. Prangern mutig ungerechte Zustände an. Ersinnen Ideen, anderen etwas Herzerwärmendes zu schenken. Ergreifen immer wieder die Initiative zum Helfen und Handeln gegen seelische und soziale Kälte. Eine der unzähligen Möglichkeiten wäre z.B., dass man den staatlichen Heizkostenzuschuss, wenn man ihn selbst nicht unbedingt braucht, Bedürftigen spendet.

(beide Bilder sind gemeinfrei aus Pixabay)

Klar, es sind relativ kleine Dinge, die Du als einzelne/r tun kannst. Aber sie wirken wie das Fußbad (s.o.) „pars pro toto“, der Teil für das Ganze! Das gilt das ganze Jahr über, und natürlich jetzt bald zu Weihnachten. Weil Weihnachten für alle das Fest der warmherzig-barmherzigen Liebe Gottes ist. Und egal wie sentimental, da erklingt im Lied „Leise rieselt der Schnee“ (von Eduard Ebel 1895 in Graudenz) was viele ersehnen:

„In den Herzen wird’s warm, still schweigt Kummer und Harm, Sorge des Lebens verhallt, freue dich, ‘s Christkind kommt bald.“

Schön, daran mitzuwirken, dass das für andere und einen selbst in Erfüllung geht.
Verena Engels-Reiniger