Die „Farbe“ Weiß

Gute Lektüre mit unserem Kurseelsorge-Artikel (in Ausgabe Nr. 15, der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 21. Juli 2021)!

Die „Farbe“ Weiß – Eine Grundlage fürs Leben.

Christliches Glaubensleben in all seinen Facetten ist bunt, aber eine Farbe hat es gemeinsam: Weiß. Im ‚weißen′ Sonntag kommt dies zum Ausdruck. – Warum aber ist der ‚weiße′ Sonntag weiß? Dem wird im Folgenden nachgegangen; insbesondere mit dem Blick auf die Erstkommunionen und die Konfirmation am 24./25. Juli in (der Seelsorgeeinheit) Bad Wurzach. Denn diese Feste haben denselben Nenner: Den Glauben an Jesus Christus und aus ihm zu leben.

„Unser Leben ist ein weißes Blatt Papier, … komm lass uns etwas schreiben, was uns wichtig ist.“ Aus dem Lied „Alles wird sich ändern“ von der Gruppe „Echt“

Ein weißes Gewand

Der älteste Name für das Fest der Erstkommunion ist ‚weißer Sonntag‘ (lat.: dominica in albis). Viele denken dabei an die weißen Kleider der Kinder, aber das ist nicht der Ursprung. Weiße Kleider, Alben (albus = weiß), erhielten in den ersten Jahrhunderten neugetaufte Christinnen, bzw. jene, deren Taufe anstand: Menschen, die zum Glauben an Christus gekommen waren und diesem Glauben im Taufbekenntnis, unserem heutigen Credo, Ausdruck verliehen, verleihen wollten.

Interessant dabei: Anfänglich wurde der 1. Fastensonntag ‚weißer Sonntag‘ genannt. Denn an diesem Tag zogen in Rom die Taufanwärterinnen erstmals in weißen Kleidern in die Kirche. – Nach dem Konzil von Trient wurde die Bezeichnung ‚weißer Sonntag‘ dann ausschließlich auf den 1. Sonntag nach Ostern bezogen. – Und wir in Bad Wurzach feiern ihn, in Anbetracht der noch immer vorherrschenden Lage, diesmal sozusagen Ende Juli.

Neue Schöpfung

Aus Beschreibungen des 3. und 4. Jahrhunderts wissen wir, dass überwiegend Erwachsene die Taufe empfingen und zwar nackt. Die Nacktheit wurde verstanden als Zeichen, dass die Neugetauften wieder so wurden wie Adam und Eva im Paradies: ohne Sünde, freie Menschen, neugeboren durch Tod und Auferstehung Christi, neue Schöpfung in ihm. Die alten Kleider legten sie deshalb vor der Taufe ab, wie ihre alte Existenz.

Und weil Weiß die Farbe der Reinheit war, wurden sie nach der Taufe mit einem weißen Leinengewand bekleidet – der Albe. Sie ist seitdem das christliche Grundgewand. – In ihren weißen Gewändern zogen die Neugetauften schließlich vom Taufbecken (dem Baptisterium) in den Kirchenraum und nahmen zum ersten Mal an der Eucharistie teil.

Ursprünglich

Bzw. die Feier ihrer Taufe war gleichzeitig die Feier ihrer Firmung (denn sie wurden nach der Taufe mit Chrisam gesalbt) sowie die Feier ihrer Erstkommunion.

In der Orthodoxie ist das heute noch so: Erst Taufe, dann Firmung, dann erste Kommunion. Wird die Erstkommunion bei Katholiken am Weißen Sonntag gefeiert und tragen die Kinder dabei Alben, so kommt dieser ursprüngliche Zusammenhang (zumindest) von Taufe und Eucharistie auch heute zur Geltung. – Und weil ursprünglich die Neugetauften erst am Sonntag nach Ostern ihre weißen Kleider wieder ablegten, erhielt der weiße Sonntag seinen Namen.

Reihenfolge

Apropos ‚ursprünglich‘: Katholisch gesehen, waren die Kinder bei der Firmung (!) „jahrhundertelang sieben bis zwölf Jahre alt und erhielten erst danach die Erstkommunion – was sich zu Beginn des 20. Jhdt. änderte – als Papst Pius X. die Frühkommunion förderte und sich die Reihenfolge drehte“ (katholisch.de). Deshalb haben wir heute also: Taufe (1), Kommunion (3), Firmung (2). Anstatt: Eins und Zwei, dann die Drei.

Nun könnte Einer vielleicht denken, »ist doch egal«. Aber wenn die Firmung die Taufe vollenden soll, ist es nicht egal. Das ist die eine Seite. – Die andere: Firmung soll zur Teilnahme an der Eucharistie befähigen. Spannend ist das „auch aus ökumenischer Sicht, denn … auch die Kirchen der Reformation haben die Reihenfolge Taufe-Firmung-Erstkommunion beibehalten“ (katholisch.de). Mit dem Unterschied, dass in der ev. Kirche die Konfirmation kein Sakrament ist, aber dort weitgehend erforderlich, um zum Abendmahl zugelassen zu sein.

Und jetzt?

D.h. allerdings nicht, dass die jungen Menschen, welche sich gerade auf ihre Kommunion vorbereiten, nicht befähigt wären, sie auch zu empfangen. Im Gegenteil: Unterschätzen wir die Kinder nicht. Dasselbe gilt für alle Taufeltern, Tauf- bzw. Firmbewerberinnen, sowie Konfirmandinnen! – Einer Rolle rückwärts bedarf es also nicht zwingend. Der Bedarf ist vielmehr ein Glaube als Begleitung durchs Leben; und eben diesen Glauben an bestimmten ′Punkten‘ feiernd zum Ausdruck zu bringen. Z.B. an und in Geburt, Kindheit, Jugend, Partnerschaft, Alter, Sterben, Tod.

Naheliegend

Zugegeben: Ich fände es sinnvoll, Geburt, Kindheit und Jugend als solche aus dem Glauben heraus zu feiern – und dann erst Taufe-Firmung-Kommunion als ein Fest; weil ich davon überzeugt bin, dass Initiation derart eine andere Wirkung entfalten würde.

Naheliegender ist jedoch, mit den Jugendlichen und Kindern, aber v.a. – wie die Kinder – selbst den weißen Sonntag bzw. die Konfirmation zu begehen. D.h. die Taufe zu bekennen, das Gesalbtsein zu erinnern und bewusst die Eucharistie / das Abendmahl zu empfangen. Vielleicht nicht weiß gekleidet, aber ausgestattet mit Stift und weißem Papier, um etwas Neues zu schreiben. Denn: „Unser Leben ist ein weißes Blatt Papier, … komm lass uns etwas schreiben, was uns wichtig ist.“

Mit diesen Worten (der Gruppe Echt, aus „Alles wird sich ändern“) wünsche ich uns eine frohe Sommerzeit, sowie von ihr beflügelte Gedanken auf dem Lebenspapier; und wenn es soweit ist, allen Erstkommunionkindern und Konfirmandinnen, samt Familien, ein schönes wie gesegnetes Glaubensfest!

PR Raimund Miller