Alles wird gut

Gute Lektüre mit unserem Kurseelsorge-Artikel (in Ausgabe Nr. 07, der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 30. März 2022)!

Alles wird gut

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Klick oder Code zum Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“

als ich die Überschrift des hier abgedruckten Artikels las, dachte ich im ersten Moment einfach nur: „Schön wärs!“ Es wäre schön, wenn alles gut werden würde. Mit Corona und nach dem Krieg, der hoffentlich bald zu Ende ist. Mein zweiter Gedanke war schlicht und ergreifend: „Hoffnung!“ Dass alles gut wird, ist meine Hoffnung. Und was ich will, ist, Ihnen diese hoffnungsvollen Gedanken von Stephan Krebs an die Hand geben:


Seit fast 50 Jahren sind sie verheiratet: Gisela und Gerd. Sie lieben einander und haben sich aneinander gewöhnt. An die Unter­ schiede und an die Lebensweisheiten. Eine davon lautet: „Alles wird gut.“

Das sagt Gerd immer, wenn es dicke kommt. Gisela nickt und lächelt dazu milde. Dabei spürt sie die Zuversicht, die diesem Satz auf geheimnisvolle Weise innewohnt. Über die Zweifel, die ebenfalls dabei sind, geht sie hinweg. So fragt sie bei Gerd nie nach, was er damit meint, sondern denkt sich ihr Teil.

Als die beiden eine Traumreise absagen müssen, weil sich Gisela das Bein gebrochen hat, da sagt Gerd: „Alles wird gut.“ Gi­ sela nickt und lächelt dazu und denkt: „Ja, alles wird gut. Mein Bein wird wieder gesund und wir holen die Reise später nach.“

Wenn sie vor dem Fernseher sitzen und die Nachrichten gucken, innerlich aufgewühlt vom Elend der Welt, von Hunger und Hass, von Gier und Gewalt, dann murmelt Gerd manchmal in sich hinein: „Alles wird gut!“

Gisela hört es wie eine Beschwörungsformel zur Besserung der Welt. Sie nickt dazu und denkt: „Ja, die Menschheit wird das schon hinkriegen.“

Als ein Sturm ihren Garten zerstört und Gisela fassungslos davorsteht, sagt Gerd: „Alles wird gut.“ Gisela nickt dazu und denkt: „Ja, wir räumen den Garten auf und machen ihn neu. Wir schaffen das.“

Hoffnung
Gott wird alles gut machen. Daran halte ich fest. Das ist mein Glaube.

Nun hält Gerd die schlimme Diagnose in den Händen, von der er sich wahrscheinlich nicht mehr erholen wird. Während sie darüber Tränen vergießt, sagt er: „Alles wird gut.“

Wie so oft will sie dazu nicken und lächeln. Doch gelingt ihr das heute nicht. Stattdessen fragt sie ihn: „Was heißt hier: ,Alles wird gut‘? Du kennst die Diagnose doch! Was willst du denn machen?“

Gerd schaut sie an und sagt: „Nichts. Ich werde nichts machen. Ich kann ja gar nichts tun. Aber trotzdem: Alles wird gut, nicht weil ich, wir oder irgendjemand sonst es gut machen wird, sondern weil es gut wird. Weil Gott alles gut machen wird. Daran halte ich fest. Das ist mein Glaube. Das ist uns versprochen.“

Gerd schweigt und Gisela auch. Ihr wird plötzlich bewusst, dass sie in all den Jahren nie nachgefragt hat, was Gerd mit seinem Sätzchen eigentlich meint. Sie hat es für eine wohltuende Durchhalteparole gehalten. Nun erkennt sie, dass darin viel mehr steckt, als sie bislang darin gehört hat.

Dann spricht Gerd weiter: „Der Mensch kann vieles. Aber alles gut machen – das kann er ganz sicher nicht. Schau dir die Welt an. Wie sich die Menschheit immer wieder verheddert. Schau dich um in unserem Freundeskreis. Wie sich alle abstrampeln für ein möglichst gutes Leben – und schaffen es einfach nicht.“

Gerd zitiert leise einen Liedvers: „Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren; es streit‘ für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott, das Feld muss er behalten.“

Gisela staunt, was Gerd da aus der Tiefe seiner selbst hervorholt. Dass er ein religiöser Mensch ist, weiß sie wohl. Aber nicht, wie tief der Glaube in ihm wurzelt. Überzeugt ist Gisela davon aber nicht. Sie denkt an die schlimme Diagnose und entgegnet ihm: „Was hilft das alles, wenn du womöglich bald stirbst?“

Gerd antwortet: „Das werden wir sehen. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es keine andere Hoffnung gibt als diese. Und für diese gibt es einen Grund. Das Lied nennt ihn: Jesus Christus, der macht, dass alles gut wird. Das glaube ich, weil ich sonst an nichts glauben kann. Halte es für dumm oder naiv. Oder glaube es mit mir. Es tut gut, das zu glauben und zu spüren: Alles wird gut. “

Gisela schweigt. Sie überlegt. langsam wandert ihre Hand zu seiner. Seine kommt ihr entgegen. Sie finden und sie halten sich. Leise und prüfend murmelt Gisela: „Alles wird gut.“ Er nickt und lächelt dazu, denn manchmal ist das die einzige Hoffnung, die bleibt.


(Aus dem Buch: Das wird schon wieder © www.neuesbuch.de 2021. Danke an Verlag und Autor für die Abdruckgenehmigung! – Das Bild ist gemeinfrei aus Pixabay.)

Wenn Sie – wie Gerd – auch an nichts Anderes glauben können, dann lade ich Sie herzlich ein, mitzubeten: Am Sonntag, den 03. April, diesmal schon um 17:00 Uhr, auf dem Klosterplatz!

Ihr Raimund Miller

PS: Das Lied, von dem im Artikel die Rede ist, heißt „Eine feste Burg ist unser Gott“.