Wenn Engel brücken bauen – dann wird Gott wahrnehmbar
„Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein“, sagt der Lyriker Rudolf Otto Wiemer über Engel. Doch wie sollten sie denn von ihrer Art her sein und wie aussehen, damit sie als Engel erkennbar sind? Dem – liebe Leserin, lieber Leser – will ich hier nachgehen, zumal am 29. September das Fest der Erzengel gefeiert, und drei Tage später der Heiligen Schutzengel (02.10.) gedacht wird.
(Pannen-)Hilfe
Für die einen sind Engel möglicherweise in gelbfarbenen Autos unterwegs und helfen bei Pannen. Für andere waren sie zu schnell, um sie mit den Sinnen erfassen zu können, und dennoch da. Wie in folgender Situation: Mann oder Frau steht mit dem Auto an einer Kreuzung, schaut rechts und links, denkt „alles frei“, fährt an, und steigt plötzlich mit dem Fuß auf die Bremse… Denn wie aus dem Nichts rauscht mit einem Mal ein Fahrrad vorbei. „Uff – Schutzengel gehabt – alle beide – Gott sei Dank!“
Sinnlich wahrnehmbare Botinnen
Doch was genau sind Engel? – „Unser Wort ‘Engel’“, so heißt es auf www.die-bibel.de, kommt von griechisch angelos, welches – „ebenso wie das entsprechende hebräische Wort – Bote/Gesandter bedeutet.“ Engel sind also Botinnen und Boten Gottes.
Sie kommen mit einem Auftrag, hinter dem sie ganz zurücktreten. In einigen Texten ist von Engeln sogar so die Rede, dass man den Eindruck hat, hier zeige sich Gott selbst“, und zwar deutlich wahrnehmbar, wie z.B. in Gen 22,11: „Da rief ihn der Engel des Herrn vom Himmel und sprach: Abraham! Abraham! Er antwortete: Hier bin ich.“ Engel sind demgemäß mit den Sinnen wahrnehmbar. Müssen sie auch, wie sollten sie sonst Boten sein.
Behütend und tröstend
Aber Engel machen noch mehr. Sie umgeben Gott, preisen dessen Herrlichkeit (Jes 6,1-3) und handeln nach seinem Willen (Lk 1,28f). Darüber hinaus haben sie – bereits die Bibel sieht das so – eine Schutzfunktion. Sie machen Gottes Schutz persönlich. Das ist schließlich seine Botschaft: Dass Mensch sich behütet und getröstet weiß – wie Josef, der mit Maria und Jesus nach Ägypten flieht, weil ein Engel ihm, um es mit diesem Bild zu sagen, nahekommt:

Brückenbauerinnen
Zur Schutzfunktion kommt noch ein weiteres hinzu, das Engel ausmacht: Sie bauen Brücken, vom Himmel zur Erde. Auf diese Weise überwinden sie die Ferne zu Gott, die seitens der Menschen entsteht, immer dann, wenn sie ihn sowie einander nicht (mehr) verstehen (wollen). In der Bibel sind diese Brücken zwar nicht stofflich und fest, dennoch tragen sie einiges, so im Fall von Bileams Esel (vgl. Num 22,19f). V.a. bringen sie, was im Stocken war, wieder in Fluss – die Engel.
Verständlich
Zur Zeit der Bibel nutzten sie dazu bestimmt hebräisch und griechisch als Verständigungsmittel, und heute? Heute, um mit einem Augenzwinkern Anna aus dem Buch „Finn. Hallo Mister Gott…“ zu zitieren: „Da sprechen Engel selbstverständlich englisch… und es war anzunehmen, daß ihr oberster Herr das auch tat. Mister Gott also.“ Aber nun mal ganz im Ernst: Welche Sprache sprechen Engel? Englisch sicher auch. Allerdings nehme ich an, sie können jede Sprache bzw. eine, die jede/r versteht! Welchen Namen sie trägt, weiß ich nicht. Aber leicht muss sie sein, kinderleicht.
Entsprechend wünsche ich uns, dass wir es gerade in dieser Zeit schaffen, 1.) gut hin- und zuzuhören, sowie zu verstehen versuchen, was uns widerfährt; 2.) dass wir die Brücken beschreiten, die (von Gott) für uns geschlagen wurden und gleichzeitig für andere welche errichten; 3.) dass wir selbst zu Botinnen von Gottes guter Nachricht werden und füreinander Sorge tragen.
Das Schöne ist, wir können das – sobald wir die sind, als Welche Gott uns zu sein gedacht hat. Das ist leichter gesagt als getan – aber möglich. Gott(-es Engeln) sei Dank!
Raimund Miller, Kurseelsorge
Artikel der Kurseelsorge in Ausgabe Nr. 20 von „Bad Wurzach Natürlich. Informativ“ vom 26. September 2026
