Freitag, Mai 24, 2024
Artikel

Tue und ruhe

Gute Lektüre mit unserem Kurseelsorge-Artikel (in Ausgabe Nr. 09, der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 24. April 2024)!

Gedanken über´s Arbeiten »und« Ausruhen

Bild zeigt einen Stift, mit dem etwas geschrieben wirdLiebe Leserin, lieber Leser,

eine Woche noch, dann ist Maifeiertag, oder Tag der Arbeit. Vielleicht ist es auch beides zugleich: Ein F(r)eier-Tag plus Zeit darüber nachzudenken, wieviel Raum „Arbeit“ in einem Leben einnimmt. – Genau dazu lädt dieser Artikel bereits jetzt ein: Zum Nachdenken – sowie jene grundlegende und notwendige Balance in Blick zu nehmen, die wir zum Leben brauchen. Allerdings nicht die vielzitierte Work-Life-Balance (Arbeit ist ein Teil des Lebens!) sondern das Ausgeglichensein von Arbeit »und« Nicht-Arbeit. – Gute Lektüre!

Mehr als ein Muss

Werden Menschen gefragt, weshalb genau sie diese konkrete Arbeit tun, so lautet die Antwort meist: „Von irgendetwas muss ich ja leben!“ Leben und Arbeiten sind also eng miteinander verbunden. Doch manche Arbeit wird rein deshalb getan, weil das Geld benötigt wird, um leben zu können. Aber Arbeit ist aber mehr als das. Sicher, jede/r ist dankbar wenn sie/er überhaupt eine Arbeit hat. Trotzdem sollte das Ziel eine Arbeit sein, die sinnvoll ist und Freude macht. Zudem erfahren viele Menschen durch das, was sie beruflich tun Anerkennung. Wird dagegen eine Tätigkeit in und von der Gesellschaft geringgeschätzt, so passiert (mit) denen, die sie verrichten, leider häufig dasselbe.

Jedes Tun würdigen

Christlich gesehen gilt jedoch: Jede Arbeit, ganz gleich, ob sie dem Erwerb dient oder nicht, hat Anteil an Gottes Schöpfung. D.h. sie ist von Gott gewürdigt, ebenso der Mensch, der sie verrichtet. Wird jedoch ein Mensch, in dem was er macht, ausgenutzt, dann steht das im Widerspruch zu diesem christlichen Glauben.

Christinnen und Christen sollten sich daher für Arbeitsbedingungen einsetzen, die gerecht sind und die den Menschen in seinem Tun würdigen. Dazu gehört meiner Meinung nach, dass wir Menschen Zeiten brauchen, die nicht von marktwirtschaftlichem Denken diktiert sind. Gemeinschaft und Erholung, aber auch Besinnung und Gottesdienst – all das Bedarf seiner Zeit und seiner eigenen Bestimmung.

Einfach sein dürfen

Für Menschen christlichen Glaubens ist eine solche Zeit der Sonntag. Und die Kirchen setzen sich deshalb, zusammen mit anderen Kräften der Gesellschaft, dafür ein, dass diesem Tag sein eigenes Gepräge bleibt – nämlich zweckfrei Sein zu dürfen. Also die Chance zu haben, nicht etwas tun zu müssen, sondern sich verwirklichen zu dürfen, wenigstens einmal die Woche, z.B. in der Begegnung mit Gott.

Wir Menschen bedürfen einmal in der Woche einer solchen freien Zeit, denn nur so erhält sie einen Rhythmus. Mit dem Jahr, als Zeitmaß betrachtet, verhält es sich ebenso. Wir brauchen darin zeitliche Spiel-Räume (wie z.B. einen Maifeiertag). Freie Zeiten die nicht nach dem Nutzen fragen. Zeiten, die nicht den Zweck haben, sich wieder für die Arbeit herzustellen. Zeiten, die Platz bieten für Unerwartetes, für Erlebnisse und Ereignisse, die nicht zu planen sind (wie ein Maibaum, der sich anderntags ganz unverhofft im Garten findet).

»Und!«

Bild, welches das lateinische "ora et labora" zeigt, als bunt dargestellten, fließenden Übergang
Grafik © R. Miller

Mit diesem gedanklichen Einsatz für die freie Zeit soll jedoch nicht die Arbeit und deren Zeitanspruch abgewertet werden. Vielmehr geht es darum, beide als gegenseitige Ergänzung sehen zu lernen und ins richtige Verhältnis zu bringen. Denn Arbeitszeit braucht freie Zeit und umgekehrt. Benedikt v. Nursia sagte dazu schlicht „bete und arbeite“ (lat. „ora et labora“) – mit der Betonung auf »und«.

Tue »und« ruhe trifft es meiner Meinung nach auch. Dementsprechend wünsche ich uns eben dieses »und«: die Möglichkeit zu arbeiten und die Chance auszuruhen; sowie, dass wir beides in Verbindung sehen (lernen) – weil unser Leben dadurch eine neue Qualität bekommt.

Einen schönen 1. Mai wünscht,

Raimund Miller (Kurseelsorge)