Montag, März 4, 2024
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Januar

Gute Lektüre mit unserem Kurseelsorge-Artikel (in Ausgabe Nr. 01, der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 03. Januar 2024)!

Januar

Bild einer Janus-MünzeDer Name dieses Monats, liebe Leserinnen und Leser, stammt von Janus; dem römischen Gott mit den zwei Gesichtern (s. Bild, gemeinfrei aus Wikipedia). Ursprünglich ein Sonnen- und Lichtgott, wurde aus ihm der Gott allen Anfangs und Endes, aller Ein- und Ausgänge, Türen und Tore.

Hindurchgehen

Wenig wunderlich, denn Janus gehört zur selben Wortfamilie wie ‘ianua’ – lateinisch für Tür – und ‘ianus’, auf deutsch: ein offener, gewölbter Durchgang. Das Fest dieses Gottes wurde gemäß julianischem Kalender am 09. Januar gefeiert; also nur wenige Tage nach dem alten, christlichen Weihnachtsfest, dem heutigen Dreikönig.

Mag es nun Zufall sein, oder Absicht, dass das christliche Fest in die Nähe des römischen gelegt wurde – das, was beiden gemeinsam ist, berührt mich: Zum einen ein Gott, der Ursprung von allem und das Ende ist. Alpha und Omega wie Menschen christlichen Glaubens sagen; zum anderen das Bild der Tür. „Ich bin die Tür“, sagt Jesus über sich, als Einladung an alle Menschen ihm zu glauben – nämlich, dass man durch ihn hindurch vom Alten ins Neue kommt.

Ein- und Ausblicken

In diesem Bild der Tür wird deutlich: in Christus und Janus steckt etwas, das zurückschaut, in das Vergangene – und etwas, das vorausblickt, in das Künftige. Entsprechend galt den Menschen damals Janus als ‘der’ Gott, der einen Neuanfang möglich machte; und gilt Christus für Christinnen und Christen als ‘der’ Wegbereiter und -begleiter in ein neues Leben.

So gesehen ist der Bogen zum Januar (und, dass er jedes Jahr wieder ein Neuanfang sein kann) leicht geschlagen. Nicht umsonst gibt es die guten Wünsche für das neue Jahr. Denn sie sind einerseits die Möglichkeit, Vergangenes noch einmal in Erinnerung zu rufen, sowie andererseits Zukünftiges in Blick zu nehmen und sich Ziele zu setzen.

Manche sehen im Januar dagegen die Möglichkeit ‘alles’ besser zu machen als im alten Jahr. Oder auch die Chance, ‘alles’ beim Alten zu belassen. Hier bleibt nur zu fragen, ob im alten Jahr wirklich alles so war, dass es nun besser gemacht werden müsste. Und: Was wäre, wenn wirklich alles beim Alten bliebe?

Aufrichten

Für andere Menschen ist der Jahreswechsel dagegen eine Art Entlastung, eine Art ‘jüngstes Gericht’. Der Punkt, an dem Altes auf den Tisch kommt, an dem es abgearbeitet werden darf und anschließend in der Schublade verschwinden, damit etwas Neues beginnen kann. Mit anderen Worten: Schlechte Zeiten darf man ruhig einmal abhaken, damit man so wieder neu anfangen kann. Gute Zeiten sollten dagegen in guter Erinnerung behalten werden, denn aus ihnen lässt sich Kraft ziehen: Für das nächste Jahr, für die nächste Etappe. Für all das, dessen Ausgang am Anfang noch ungewiss ist.

Genau so sehe ich auch das in der Bibel angekündigte Jüngste Gericht: Als einen Prozess der Reinigung, der ein Neu-Sein möglich macht; der urteilt, aber nicht verurteilt; und der auf’richtet’, nicht erniedrigt. Vorsitzender Richter ist dabei der biblische Gott, der am Ende unsere Freiheit will. Er ist darin dem römischen Gott Janus gar nicht so unähnlich. Er blickt in die Vergangenheit, aber er macht v.a. einen Neuanfang möglich: jeden Tag aus dem irdischen Leben heraus bis in die Ewigkeit.

Trösten

Für mich ist das eine sehr tröstliche Vorstellung: Keine Angst haben zu müssen vor dem strengen Richter, vor einem vernichtenden Gott, sondern sich freuen auf den Gott, der einem von allem Alten, Belastenden befreit und ein neues, befreites Leben ermöglicht. – So wünsche ich uns im wahrsten Sinn des Wortes „Januar“: Bei und mit Gott, jeden Tag aufs Neue.

Raimund Miller, Kurseelsorge