Der heilige Nikolaus

Der heilige Nikolaus (+ 06.12.) …so lautet der Titel des Kurseelsorge-Artikels in Ausgabe Nr. 25 der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 06. Dezember 2017.  – Gute Lektüre!

Die meisten Kinder freuen sich auf Nikolaus. Andere haben eher Angst – allerdings mehr vor Knecht Ruprecht, als vor dem Heiligen selbst. Denn während sein Begleiter zum Fürchten ausschaut, mit seinen Ketten und der Rute, ist Nikolaus überwiegend fürs Loben zuständig… und wenn er nicht gerade in ein Haus kommt, versteckt er immerhin Geschenke in den Schuhen. Oder Nikolaus selbst bekommt von Familien Teller mit „Bredla“ bereitgestellt. – Solche Bräuche sind uns bestens bekannt. Aber wie ist die Geschichte des Heiligen entstanden? Und was wird am 06. Dezember gefeiert?

Relativ unabhängig

Nikolaus wirkte in der ersten Hälfte des 4. Jh. n.Chr. als Bischof von „Myra“. Heute heißt diese antike Küstenstadt „Demre“ und liegt im Süden der Türkei, nahe Antalya. Myra „gehörte“ seinerzeit den Römern, bzw. war Teil des lykischen Staatenbundes. Die Lykier hatten eine eigene Kultur, Sprache und Schrift; und waren trotz der Römer relativ unabhängig – so auch der Heilige Nikolaus.

Was man sagen kann

Historisch gesehen gibt es nur wenig Gesichertes über sein Leben. – Vermutet wird, dass der heilige Nikolaus in der Zeit von 270 bis 286 n.Chr. geboren wurde. Mit 19 empfing er die Priesterweihe von seinem Onkel – der übrigens auch Nikolaus hieß und Bischof von Myra war! „Unser“ Nikolaus wurde jedoch erst einmal zum Abt des Klosters Sion (bei Myra) ernannt. – Festhalten lässt sich außerdem, dass seine Eltern ihm großen Besitz vererbt hatten. Nikolaus hätte bequem leben können, verwendete aber alles, um Menschen in Not zu helfen.

Während der Christenverfolgung im Jahr 303 n.Chr. unter Kaiser Diokletian wurde Nikolaus eingesperrt und gefoltert. – Als sein Onkel gestorben war, pilgerte er ins Heilige Land. Nach seiner Rückkehr wurde er selbst der neue Bischof von Myra. – Ab 313 n.Chr. gab es offiziell keine Verfolgung von Christen mehr. Und bereits zwölf Jahre später fand das Konzil von Nizäa statt, an dem auch Nikolaus teilnahm. Der wichtigste Streitpunkt dort war die Frage nach der Dreifaltigkeit Gottes; also, ob Christus weiterhin auch göttlicher Natur sei? –

Nikolaus´ Antwort lautete Ja. Doch die theologische Debatte eskalierte und der Überlieferung nach ohrfeigte er Arius, weil dieser die Frage mit Nein beantwortete. –  Diese schwierige Seite des Heiligen ist schon Jahre vor dem Konzil zu beobachten, im Zusammenhang mit dem 06. Dezember. Denn unser Nikolaustag wurde ursprünglich als Dianas bzw. Artemis´ Geburtstag begangen. In Lykien verehrte man die Göttin als Patronin der Seefahrer, ihr Tempel in Myra war der größte und prunkvollste. – Für Nikolaus durfte das nicht sein, weshalb er ihn zerstörte.

Was heißt heilig

„Ein schöner Heiliger“ möchte man am liebsten sagen. Fragt sich nur, was eigentlich einen Menschen wie Nikolaus zum Heiligen macht? – Die Antwort des Jesuiten Adrian Kunert hierauf bringt es auf den Punkt:

Heilige sind Menschen, durch die das Licht scheint. In diesem Satz ist das Wesentliche ausgesagt. (D.h.) Erstens: Heilige leuchten nicht aus sich selbst. Zweitens: Heilige sind darum auch klare Menschen. Drittens: Heilige haben sehr unterschiedliche Facetten, selbst die dunklen Stellen tragen zum Gesamtbild bei. Viertens: Schön erscheinen sie aber erst, wenn ihr Leben sichtbar wird.

Von Sieger Köder gestaltetes Fenster in St. Nikolaus, Bensberg. Für die Beschreibung klicken Sie auf das Bild und gehen im PDF auf S.9.

Schöne Geschichten

Was den Heiligen Nikolaus betrifft, hier  zwei Geschichten von vielen, die Teile seines Lebens sichtbar machen und seine Person als Ganzes schön:

Ein verarmter Mann hatte Schulden und konnte diese nicht begleichen. Er sah keine andere Lösung, als deshalb seine drei Töchter zu prostituieren. Nikolaus, der gerade durch sein Erbe ein größeres Vermögen bekommen hatte, erfuhr davon. In drei aufeinander folgenden Nächten warf er je einen großen Goldklumpen durch das Zimmerfenster der jungen Frauen (im Bild links). In der dritten Nacht gelang es dem Vater, Nikolaus zu entdecken, ihn nach seinem Namen zu fragen und ihm für diese Rettung zu danken.

Als es in Myra eine Hungersnot gab, da erbat Nikolaus von jedem der für den Kaiser bestimmten Schiffe Korn. Und er versicherte, weil er bete werde nichts bei der Ablieferung fehlen. Schließlich gab ihm der Kapitän zwölf Säcke Korn für die Hungernden (Bildmitte). Als der Handelsherr des Kapitäns die Säcke später nachzählte und das Getreide wog, erkannte er, dass nicht ein einziges Körnchen fehlt.

 

Lassen wir also am Nikolaustag die Geschichte dieses Menschen sichtbar werden, den Heiligen mit all seinen Facetten. Erzählen wir die schönen Geschichten, die es über ihn gibt und übertragen sie in unser Leben. Beschenken wir einander mit guten Gaben – besonders all jene, die in Not geraten sind. Und feiern wir seinen Namen. In diesem Sinn: Herzliche Grüße – und die besten Wünsche an alle, die heute Namenstag haben!

Raimund Miller, Kurseelsorger

 

PS: Das Bild oben wurde von mir aus drei Einzelteilen unbekannter Herkunft zusammengesetzt. Es ist auch als ganzes zu finden, doch stimmt dann jeweils die Qualität nicht.)