Freitag, Juni 14, 2024
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Der Heilige Nikolaus (+ 06.12.)

Gute Lektüre mit unserem Kurseelsorge-Artikel (in Ausgabe Nr. 25, der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 06. Dezember 2023)!

Der Heilige Nikolaus (+ 06.12.)

Die meisten Kinder freuen sich auf Nikolaus. Andere haben Angst – allerdings mehr vor Knecht Ruprecht. Denn während dieser zum Fürchten ausschaut, mit seinen Ketten und der Rute, ist Nikolaus überwiegend fürs Loben zuständig… und wenn er nicht gerade in ein Haus kommt, versteckt er immerhin Geschenke in den Schuhen. Bräuche wie dieser sind uns bekannt. Aber wie ist die Geschichte des Heiligen entstanden? Und was wird am 06. Dezember gefeiert?

Relativ unabhängig

Nikolaus wirkte in der ersten Hälfte des 4. Jh. n.Chr. als Bischof von „Myra“. Heute heißt diese antike Küstenstadt „Demre“ und liegt im Süden der Türkei, nahe Antalya. Myra „gehörte“ seinerzeit den Römern, bzw. war Teil des lykischen Staatenbundes. Die Lykier hatten eine eigene Kultur, Sprache und Schrift; und waren trotz der Römer relativ unabhängig – so auch der Heilige Nikolaus.

Was man sagen kann

Historisch gesehen gibt es nur wenig Gesichertes über sein Leben. – Vermutet wird, dass der heilige Nikolaus in der Zeit von 270 bis 286 n.Chr. geboren wurde. Mit 19 empfing er die Priesterweihe von seinem Onkel – der übrigens auch Nikolaus hieß und Bischof von Myra war! „Unser“ Nikolaus wurde jedoch erst einmal zum Abt des Klosters Sion (bei Myra) ernannt. – Festhalten lässt sich außerdem, dass seine Eltern ihm großen Besitz vererbt hatten. Nikolaus hätte bequem leben können, verwendete aber alles, um Menschen in Not zu helfen.

Während der Christenverfolgung im Jahr 303 n.Chr. unter Kaiser Diokletian wurde Nikolaus eingesperrt und gefoltert. – Als sein Onkel gestorben war, pilgerte er ins Heilige Land. Nach seiner Rückkehr wurde er selbst der neue Bischof von Myra.

Ab 313 n.Chr. gab es offiziell keine Verfolgung von Christen mehr. Und bereits zwölf Jahre später fand das Konzil von Nizäa statt, an dem auch Nikolaus teilnahm. Der wichtigste Streitpunkt dort war die Frage nach der Dreifaltigkeit Gottes; also, ob Christus weiterhin auch göttlicher Natur sei? – Nikolaus´ Antwort lautete „Ja“. Doch die theologische Debatte eskalierte und der Überlieferung nach ohrfeigte er Arius, weil dieser die Frage mit „Nein“ beantwortete.

Diese schwierige Seite des bei uns beliebten Heiligen ist schon Jahre vor dem Konzil zu beobachten. Nämlich im Zusammenhang mit dem 06.12.: Denn unser Nikolaustag wurde ursprünglich als Dianas oder Artemis´ Geburtstag begangen. D.h., in Lykien verehrte man diese Göttin als Patronin der Seefahrer. Ihr Tempel in Myra war der größte und prunkvollste. – Für Nikolaus durfte das nicht sein, weshalb er ihn zerstörte.

Was heißt heilig

„Ein schöner Heiliger“ möchte man am liebsten sagen. Fragt sich nur, was eigentlich einen Menschen wie Nikolaus zum Heiligen macht? – Die Antwort des Jesuiten Adrian Kunert hierauf bringt es auf den Punkt: „Heilige sind Menschen, durch die das Licht scheint. In diesem Satz ist das Wesentliche ausgesagt. (D.h.) Erstens: Heilige leuchten nicht aus sich selbst. Zweitens: Heilige sind darum auch klare Menschen. Drittens: Heilige haben sehr unterschiedliche Facetten, selbst die dunklen Stellen tragen zum Gesamtbild bei. Viertens: Schön erscheinen sie aber erst, wenn ihr Leben sichtbar wird.“

Schöne Geschichte

Was Nikolaus betrifft, hier eine Geschichte von vielen, die Teile seines Lebens sichtbar macht und seine Person als Ganzes schön:

(Bild: R. Miller, 11/2023, Ausschnitt Deckengemälde, aus St. Nikolaus in Haidgau)

Als es in Myra eine Hungersnot gab, erbat Nikolaus von jedem der für den Kaiser bestimmten Schiffe Korn. Und er versicherte, weil er bete, werde nichts bei der Ablieferung fehlen. Da gab ihm der Kapitän 12 Säcke Korn für die Hungernden. Als der Handelsherr des Kapitäns die Säcke später nachzählte und das Getreide wog, erkannte er, dass nicht ein einziges Körnchen fehlt.

Lassen wir also am Nikolaustag die Geschichte dieses Menschen sichtbar werden, den Heiligen mit all seinen Facetten. Erzählen wir die schönen Geschichten, die es über ihn gibt und übertragen sie in unser Leben. Beschenken wir einander mit guten Gaben – besonders all jene, die in Not sind. Und feiern wir seinen Namen. In diesem Sinn: Herzliche Grüße – und die besten Wünsche an alle, die heute Namenstag haben!

Raimund Miller, Kurseelsorge