Samstag, Mai 25, 2024
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Der Fünfzigste

Gute Lektüre mit unserem Kurseelsorge-Artikel (in Ausgabe Nr. 11, der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 24. Mai 2023)!

Der Fünfzigste!

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Der Fünfzigste“ – so heißt kurz und knapp eines der wichtigsten Feste der Christenheit.

Glauben Sie nicht? Dürfen Sie aber ganz beruhigt, denn Sie kennen es alle. Was ich meine, ist „Pfingsten“. Das kommt vom griechischen „pentekoste (hämera)“ und heißt ganz einfach: Der Fünfzigste (Tag)! Also von Ostern aus gerechnet.

So kurz und seltsam der Name dieses Festes ist, so sehr fristet Pfingsten ein Mauerblümchendasein unter allen kirchlichen Festen: Dabei gäbe es kein einziges von ihnen, ohne den Fünfzigsten!

Denn ohne Begabung mit der Heiligen Geistkraft wären die Jünger*innen rückwärtsgewandte Menschen geblieben, hätten Gedenkfeiern auf Jesus abgehalten, aber keine Gemeinden gegründet.

Doch könnten Sie (und ich) denn überhaupt die Frage beantworten: Was ist ‘der’ Heilige Geist? –  Nein? Ich denke, wir sind da in guter Gesellschaft. Auch Lukas beantwortet in seiner Pfingstgeschichte diese Frage nicht. Er sagt höchstens: „Heiliger Geist ist wie Feuer, wie Sturm.“ Ihn interessiert mehr, wie der Heilige Geist wirkt.

Und wie wirkt ‘er’? Er verändert Menschen. Aus stummen Jünger*innen, die sich von Jesus verlassen fühlen, werden Begeisterte, die öffentlich das Wort ergreifen. Die Erntefestgemeinde, die in Jerusalem wie gewohnt den Abschluss der Weizenernte feiern will, wird aufgestört. 50 Tage nach Pessach.

Ein anderer Wind weht da plötzlich, kein Gottesdienst mehr hinter verschlossenen Türen! Gottes Geist hat etwas gegen geschlossene Gesellschaften, reißt Fenster und Türen auf und drängt zur Mitteilung. Und diese Geistkraft zielt auf Verständlichkeit. Das Reden der Jünger*innen können alle verstehen: „Sie loben die großen Taten Gottes!“, staunt die Zuhörerschaft.

So wirkt der Heilige Geist. „Wirkt“? Sollte ich nicht schreiben: „Wirkte“? Nein! Auch wenn oft genug versucht wurde, die wilde Taube des Geistes zu einem flügellahmen Vogel zu machen, der Heilige Geist wirkt weiter. Vielleicht nicht mit vielen Worten oder sogar:

Doch er wirkt in allen Menschen, welche sich seiner Kraft öffnen und bereit sind, sie durch ihr Leben hinein in die Welt zu tragen. Das tolle daran ist: man(n oder frau) muss ihn, oder besser ‘sie’ nur darum bitten. Z.B. mit Worten wie diesen:

(1) Komm herab, o Heilger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt. (2) Komm, der alle Armen liebt, komm, der gute Gaben gibt, komm, der jedes Herz erhellt. (3) Höchster Tröster in der Zeit, Gast, der Herz und Sinn erfreut, köstlich Labsal in der Not. (4) In der Unrast schenkst du Ruh, hauchst in Hitze Kühlung zu, spendest Trost in Leid und Tod. (5) Komm, o du glückselig Licht, fülle Herz und Angesicht, dring bis auf der Seele Grund. (6) Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund. (7) Was befleckt ist, wasche rein, Dürrem gieße Leben ein, heile du, wo Krankheit quält. (8) Wärme du, was kalt und hart, löse, was in sich erstarrt, lenke, was den Weg verfehlt. (9) Gib dem Volk, das dir vertraut, das auf deine Hilfe baut, deine Gaben zum Geleit. (10) Lass es in der Zeit bestehn, deines Heils Vollendung sehn und der Freuden Ewigkeit. Amen.«

Gesungen klingt das übrigens ganz wunderbar. Die Noten dazu finden Sie im Gotteslob unter der 815. Und wenn Sie mögen, dann singen wir zusammen. Einfach auf den Pfeil im Balken klicken und schon geht es los.

Frohe Pfingsten wünscht,

Raimund Miller, Kurseelsorger