Dienstag, April 14, 2026
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Vom Drachentöten zum -zähmen: zu St. Georg

… (+ 23.04.) neu gedacht

Bild zeigt Stift, mit dem etwas geschrieben wirdSie haben Köpfe wie Echsen, Klauen wie Raubtiere, Schwingen wie Flugsaurier, können Feuer speien und verbreiten vorwiegend Angst und Schrecken… So gesehen, bevölkern sie seit ewigen Zeiten unsere Welt und sind fast jedem bekannt: Drachen.

Drachen – liebe Leser/innen – sind Mischwesen, zusammengesetzt aus Elementen unterschiedlichster Tiere, mit einer Gemeinsamkeit: sie ähneln Schlangen. Das kommt nicht von ungefähr. Denn „Dracon“ ist griechisch und bedeutet „große Schlange“. Außerdem hängt das Wort eng mit „derkomai“ zusammen: griechisch für „durchdringend anschauen“. Gut möglich, dass Drachen deshalb häufig als Hüter/innen von Schätzen zu finden sind.

Wenn sie nicht gerade Schätze bewachen, findet man sie vorwiegend in Höhlen. Zudem sind sie menschenscheu, sieht man von einer gewissen Vorliebe männlicher Drachen für Jungfrauen ab. – So scheu sie auch sind, Drachen finden sich in nahezu jedem Land. In Deutschland überwiegend entlang des Rheins, aber auch Richtung Tschechien: z.B. beim Further Drachenstich, einem Volksschauspiel, dessen Tradition bis ins 16. Jh. zurückreicht.

Den Drachen töten, mit Lanze und Schwert, auch das gibt es seit Menschengedenken. Anders ausgedrückt: seit es Drachen gibt, machen sich mutige Menschen auf den Weg, sie zu töten. Als Inbegriff dafür steht der Heilige Georg (+ 23. April). – Die ersten Darstellungen von Drachen stammen bereits aus dem 4. JT v. Chr. Dabei hatten sie noch eher das Aussehen von Schlangen und sollten das Böse verkörpern. Nähere Informationen über Drachen, ihre Bedeutung und weshalb sie bekämpft wurden, haben wir jedoch erst mit Beginn der wörtlichen Überlieferungen.

So ist für manche Autoren der Bibel der Drache das Böse in Person. In der Offenbarung des Johannes (Kap.12) z.B. verursachte er im Himmel einen Krieg; welcher damit endete, dass er auf die Erde gestürzt wurde und nun hier Unheil anrichtete. Dies war ihm möglich, weil sein wesentlicher Charakterzug die Falschheit war, mit der es ihm gelang, die Menschen zu verführen und sie von Gott abzulenken. – Auch die alten Griechen lebten in einer Welt voller Drachen, die in der Regel bekämpft werden mussten. Ebenso mussten die Perser ihren Heldenmut im Kampf gegen Drachen beweisen. Einigen Kulturen aus Vorderasien und Ägypten soll es allerdings gelungen sein Drachen zu zähmen, anstatt sie zu vernichten.

Im Mittelalter erlebte dieser Kampf seine Blüte. Die Menschen sehnten sich nach Helden und Heiligen, die sich dem Bösen entgegenstellten. Und Drachen waren der Inbegriff des Bösen. Sogar die Wissenschaft setzte sich mit ihnen auseinander. In den „Bestiarien“ beschrieben die Autoren die Welt, so wie sie meinten, dass Gott sie erschaffen habe. Als existent galt alles, wofür es eine Bezeichnung gab. Realität bemaß sich zuweilen nach anderen Maßstäben als heute.  Zentral war dabei jedoch nicht die Frage, ob Drachen existierten, sondern was sie für die christliche Lehre bedeuteten.

Heute wird davon ausgegangen, dass Drachen v.a. symbolisch zu verstehen sind. Vermutlich standen sie für die Gefahren aus dem Bereich der Natur. Wer also den Drachen besiegen konnte, hatte auch die Macht über die Natur und ihre Gewalten. – Eindrucksvoll begegnet ist mir das vor einem Jahr im Kino. In der Neuauflage von „Drachenzähmen leicht gemacht“. Eindrucksvoll, weil darin beides vorkommt: das Töten und das Zähmen von Drachen.

Bemerkenswert finde ich, wie in diesem Spielfilm beides miteinander verbunden ist: Zuerst haben die Menschen nur das Töten im Sinn, doch die Drachen kommen immer wieder. Es ist ein scheinbar endloser Kampf, bis ein Jugendlicher die Wende bringt, indem er das Undenkbare schafft: nämlich (s)einen Drachen zu zähmen. Dadurch öffnet er den anderen die Augen und ebnet damit den Weg, dem eigentlichen Übel ein Ende zu setzen.

Vielleicht ist es genau das, was wir brauchen: Geschichten mit „Drachen“ und mit Menschen, die ihnen entgegentreten. Egal welchen Alters und welchen Geschlechts. Geschichten, die uns die Augen dafür öffnen, was gut ist und was böse, was richtig und was falsch – und die uns Wege aufzeigen, dass und wie Teufelskreise zu durchbrechen sind.

Raimund Miller, Kurseelsorge

ps: Die besten Segenswünsche und -grüße an alle, die am 23. April Namenstag haben! Und für alle Drachenfans hier noch ein Link, der zur Sage über „die Otternlinde bei Bad Wurzach“ führt.


Artikel der Kurseelsorge in Ausgabe Nr. 08 von „Bad Wurzach Natürlich. Informativ“ vom 11. April 2026