Gibt es ein Leben nach der Geburt?
Was für eine Frage! werden Sie wohl denken, liebe Leserin, lieber Leser – und (hoffentlich) ein Stück weiterlesen, weil der Autor der Story so geschickt die Neugier weckt. Könnte einen dazu verlocken, sich auf seine überraschende Perspektive einzulassen. Und wer schon längst mal wissen wollte, ob Zwillinge sich bereits im Mutterleib unterhalten und was sie da womöglich miteinander besprechen, genieße den folgenden Dialog:
„Im Bauch einer schwangeren Frau befinden sich Zwillinge. Zwei Menschlein sind da im Werden, und zwar sehr unterschiedliche.
Vor allem machen sie sich ihre ganz eigenen Gedanken: E r eher skeptische, s i e ist voll positiver Erwartung. – Jetzt gegen Ende der Schwangerschaft haben beide natürlich einen wachsenden Bewegungsdrang, doch der Platz ist begrenzt… – Hören wir ihnen mal zu:
„Ey, dauernd schubst Du mich! – Du mich doch auch! – Ist ja auch so eng hier! Woher kommt denn das?! – Na, weil wir wachsen, Du Schlauberger! – Ach so. Ja stimmt, ich bin schon ziemlich groß! – Genau wie ich: Wir sind bald fertig! – Fertig? Wozu fertig? – Na, fertig dazu, geboren zu werden! Wird langsam Zeit, dass wir hier rauskommen! – Mhm, echt wahr! Aber was kommt dann? – Dann sind wir richtig auf der Welt. Richtig im Leben.
L e b e n ?! Du glaubst an ein Leben nach der Geburt?! – Klar, auf jeden Fall! Hier drinnen, das ist erst der Anfang. Hier entwickeln wir uns für das Leben draußen! – Leben draußen? Verrückte Idee! Mit der Geburt ist Schluss! Und überhaupt: Was soll das denn bitteschön für ein Leben sein danach?! – Das weiß ich auch nicht so genau. Aber es wird bestimmt viel heller sein als hier. Und wir werden herumlaufen mit unseren Füßen, und mit dem Mund essen, und durch die Nase atmen… – Phh, du hast vielleicht Vorstellungen! Wie kommst du denn da drauf?! – Na guck uns doch an! Mit unseren Händen und Füßen und Augen können wir tausendmal mehr, als hier drin möglich ist! Das ist für das Leben nach der Geburt!

Nette Idee, aber unlogisch! Wozu mit dem Mund essen? Wir haben doch die Nabelschnur, die uns mit allem versorgt. Und wie willst du herumlaufen? Dafür ist die Nabelschnur viel zu kurz! – Ach, für solche Probleme gibt’s ne Lösung! Merkst Du nicht, dass wir einfach hervorragend konstruiert sind? Damit können wir draußen unwahrscheinlich viel machen! –
Kann ich nicht glauben! Das sind alles nur Wunschvorstellungen von dir! Hier drin, diese Höhle – das ist unsere Welt. Mit der Geburt ist alles aus! – Woher willst du denn das so sicher wissen?! – Weil noch nie jemand zurückgekommen ist von „draußen nach der Geburt“! – Hm, stimmt… Aber das beweist noch gar nichts!! – Ach was! Ich glaube nur an das, was ich sehen und anfassen kann! – Schade! Es spricht viel für ein Leben nach der Geburt! Wird natürlich ganz anders sein als hier… – Aha, dann erzähl doch mal! –
Na, w i s s e n tu ich auch nichts Genaues. Aber man kann Rückschlüsse ziehen von hier drinnen auf nachher draußen! Zum Beispiel bin ich sicher, dass wir dann unsere Mutter sehen werden, und sie wird für uns sorgen. – Mutter?! Was für eine Mutter? Wo ist die denn bitte?! – Na hier, überall um uns herum! Wir leben in ihr und durch sie. Ohne sie wären wir gar nicht da! – Ach Quatsch! Von einer Mutter hab ich noch nie was bemerkt! Also gibt es sie nicht! – Doch! Manchmal, wenn wir hier drin ganz still sind, kannst du sie sprechen hören. Oder fühlen, wenn sie unsere Welt von außen streichelt. Spürst Du das denn nicht? – Mhm, da ist was dran. Das kann man wirklich oft spüren. Und eine Stimme hören. Aber das sagt noch nichts Sicheres! – Tja, dann wirst Du eben ‘ne Überraschung erleben… –
Ok, vielleicht… Aber – ähm, also nur mal angenommen, es gibt wirklich ein Leben nach der Geburt: Werde ich da Probleme kriegen, weil ich jetzt nicht recht dran glauben kann? – Nee, ich denke nicht. Vielleicht einen Klaps auf den Popo… Aber ich glaube eher, wir werden uns total neu fühlen! Wir werden tief Luft holen, und dann beginnt das wahre Leben!“ (nach Henry Nouwen, unter www.zeitzuleben.de/2712-gibt-es-ein-leben-nach-der-geburt/)
Originelle Geschichte, nicht wahr, liebe Leserin, lieber Leser? Henry Nouwen ist überhaupt höchst lesenswert. Eine erfrischend neue Sicht eröffnet er auf die Frage aller Fragen, die wohl jeder Mensch (sich) irgendwann stellt: ‘Gibt es ein Leben nach dem Tod?‘ – Durch die kirchliche Verkündigung kam das Christentum in früheren Zeiten oft allzu „todeslastig“ rüber. Dabei entspringt es dem lebensvollsten, das man sich vorstellen kann: dem Osterglauben. Und so sehr es sich bei der Auferstehung Jesu um ein letztlich unergründ-liches Mysterium handelt, so klar ist doch, dass vom Osterglauben vor nun beinahe 2000 Jahren eine gewaltige Bewegung ausging, weltweit.
Dass bis heute unzählige Menschen dadurch spirituell „auferweckt“ werden. Und Mut schöpfen, Zuversicht nähren, Kräfte des Guten in Umlauf bringen, die durch keine Macht der Welt mehr auszulöschen sind. Drum ein Stoßseufzer aus tiefstem Herzen, gerade in so schwieriger Zeit wie der unseren: Gottlob gibt es das: Liebe die stärker ist als der Tod. Die Erfahrung, sich wie neu geboren zu fühlen. Neu belebt von einer Hoffnung, die sich nie ganz unterkriegen lässt.
Zum Glück gibt es eine Menge Leute, die etwas davon ausstrahlen. Und Sie gehören wahrscheinlich dazu – wer weiß, ob man sich mal begegnet?
Eine schöne Österliche FreuZeit bis Christi Himmelfahrt wünscht
Verena Engels-Reiniger
Artikel der Kurseelsorge in Ausgabe Nr. 09 von „Bad Wurzach Natürlich. Informativ“ vom 25. April 2026
