Montag, Mai 25, 2026
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Wenn der Himmel auf alle übergeht

… Christi Himmelfahrt (14. Mai)

Bild zeigt Stift, mit dem etwas geschrieben wirdLiebe Leserin, lieber Leser,

ich liebe den Himmel – wie er sich über mir und allen/allem anderen auf dieser Erde wölbt. Er ist grenzenlos und überall zu sehen. Er ist unendlich weit, ohne Maß – und ganz oben malen Flugzeuge weiße Bahnen. Mir gefällt sein Blau im Frühling. Und er beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue, wenn er mit den Flügeln der Morgenröte daherkommt (Psalm 139,9), oder am Abend in sanftem Rot. Nachts kann ich nur staunen, wenn sich im Dunkel die Sterne an ihm zeigen. Und ich frage mich, was wir alle wären, ohne diesen Himmel?

Jedenfalls wundert es mich nicht, dass Gott im Himmel „sitzt“. Wo sonst sollte er sein, wenn nicht dort? Unserem Zugriff entzogen und dennoch da. Wohl wissend, dass es immer Menschen gibt und geben wird, denen es lieber wäre, über ihnen wäre nichts. Gemäß dem Gagarin in den Mund gelegten Satz: „Ich bin in den Weltraum geflogen, aber Gott habe ich dort nicht gesehen.“ – Reicher macht so zu denken keinen. Und ich frage mich, ob insgeheim nicht doch klar ist, dass es mehr gibt, als das, was das menschliche Auge zu sehen vermag: Einen Himmel jenseits unserer Vorstellung.

Dieses Deckengemälde in St. Ulrich und Margareta (Dietmanns), zeigt das Geschehen aus Apostelgeschichte (1,9). Jesus wurde vor den Augen der Jünger „emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.“ (Bild: R. Miller)

In diesen ist Jesus aufgefahren. So haben es bereits andere Menschen mit den Augen ihres Glaubens gesehen und so sehe ich es in meinem Glauben. Nur, dass ich den Himmel in anderen, meinen Worten auszudrücken versuche. Als unendlich, rein, umfassend, oder transzendent. Als Ort der Sehnsucht, leicht und schwerelos. Als Thron Gottes, unverhüllt klar und schön. Wenn ich so über den sichtbaren Himmel nachdenke, merke ich, wie er sich wandelt ins Unsichtbare, ins Jenseits. Dadurch ändert sich auch mein Bild von Jesus. Denn was fassbar war an ihm und angreifbar, hat er hinter sich gelassen. Leid und Tod existieren nicht mehr, Zeit und Vergänglichkeit ebensowenig.

Himmelfahrt wird dadurch für mich zu einem Gleichnis für Überwindung, das Hinüberschreiten in eine andere Art zu Sein. Mehr noch: Himmelfahrt verheißt in der Gegenwart Zukunft. Eine, in der alles Vergangene seinen Platz hat, aber nicht als Vergangenheit, sondern als etwas Neues! Und auf diese neue Weise ist Christus Allem nah, macht er den Himmel erreichbar, gehört er zu uns – und wir zu ihm. Dementsprechend ist Himmelfahrt ein Zeichen für Erreichbarkeit und grenzenlose Treue; weil Gott sich nicht „i.R.“ also „im Ruhestand“ befindet, sondern „in Reichweite“.

Doch wie Himmelfahrt in passender Weise begehen? – Vielleicht so wie im hier Video (von Ulm Basilika), indem ich hinausgehe aus meinen „Mauern“. Unter den Himmel, wo es frei ist, z.B. in Wald oder Feld hinein; um in meiner Reichweite, im übertragenen Sinn, Gräben und Grenzen zu überwinden. Vielleicht, indem ich feiern gehe, Gottesdienst mit anderen, an anderem Ort, oder sogar in Ökumene. Gut möglich, dass sich dabei eine ungeahnte Durchlässigkeit erfahren lässt; und dass dann der Himmel aufgeht – „über allen“ und „auf alle über“ – wie es im gleichnamigen Lied (ab Minute 3) heißt.

Raimund Miller, Kurseelsorge


Artikel der Kurseelsorge in Ausgabe Nr. 10 von „Bad Wurzach Natürlich. Informativ“ vom 09. Mai 2026