Richtig Glück gehabt
wie gehen Sie das neue Jahr an? „Mit positiver Erwartung, realistisch dosiert“, hat mir jemand gesagt. Aha?? „Ja, trotz allem, was belastet, im Politischen wie im Persönlichen, und einem teils schwere Sorgen macht: Trotz alldem mit Zuversicht ins neue Jahr!“ Er hat recht, finde ich.
Andere, die sich für Realisten halten, werden sagen ‘Wie naiv!‘ Sie sind überzeugt, dass es weltweit gerade nur Grund zu Pessimismus gibt. Weshalb man die „große Politik“ abschreiben, sich ins Private zurückziehen und dafür sorgen solle, dass es wenigstens dort möglichst gut läuft. Hört man sich aber weiter um, so ziehen viele ein ähnliches Fazit wie oben und bekräftigen:
Resignation ist keine Option!
Und Sie? – Keine Frage, wir haben weltweit zutiefst beängstigende Verhältnisse. Man könnte darüber verzweifeln, wieviel Verkehrtes und Schlimmes zugelassen ist. Demgegenüber fühlt man sich ohnmächtig und meint, als einzelne/r könne man nichts ausrichten. Ziemlich demoralisierend. Baut nicht auf. Beim Diskutieren mit verschiedenen Leuten haben sich mir fünf starke Argumente gegen Resignation und Rückzug herauskristallisiert. Wenn Sie möchten, kommen wir darüber miteinander ins Gespräch.
Freilich, wenn man persönlich Bilanz zieht aus dem zurückliegenden Jahr, dann zeigt sich bei uns allen wie immer mehr und weniger Gelungenes. Einiges geschafft, manches versäumt, etc.
Das Ergebnis fällt bei ehrlicher Betrachtung recht gemischt aus… Aber wieviel von der Realität kann der eigene beschränkte Blickwinkel wirklich erschließen?
Nur dies: Aus vielem, das man angepackt hat, wär nix geworden ohne die Mitwirkung von anderer Seite. Und aus einigem wär Ungutes entstanden, hätten da nicht andere eingegriffen.
Etliche Male wurde Schlimmes verhindert, Riskantes glücklich, ja, wunderbar gefügt.
Da sprechen manche von „guten Mächten“, andere vom „höherem Wesen“, wieder andere von „positiver Energie“… Wie auch immer: Offenbar hat noch Jemand ganz Anderes die Hände im Spiel. So wie in der folgenden Geschichte, sehr inspirierend (Quelle unbekannt, gefunden von Menschen bei „Ökumene vor Ort“ Haisterkirch: Ihnen an dieser Stelle ein herzliches Danke!
„Sie hätte einfach nur dableiben und ihre Schokolade essen sollen! Durfte immerhin zum ersten Mal bei einem Konzert dabei sein! Ihre Eltern hatten sie, die 9-jährige Janka, zum Klavierabend mitgenommen, damit sie, wenn sie den weltberühmten Pianisten Ignacy Jan Paderewski (Polen/Ukraine/ USA 1860-1941) erlebte, richtig Lust zum Klavierüben kriegen würde.
Man war zeitig ins Konzerthaus bekommen, zu den Plätzen gegangen und dabei einer Menge Bekannten und Freunden begegnet: Grüßen und Winken dahin und dorthin, die noblen Garderoben bewundern, plaudern…
Für das Kind gab‘s ja genug Interessantes zu sehen und außerdem reichlich zum Naschen.
Als das dritte Läuten den Beginn des Konzerts ankündigte, begaben sich auch Jankas Eltern erwartungsfroh zu ihren Plätzen. Doch o Schreck, die Tochter war verschwunden! Besorgtes Fragen nach allen Seiten – – ja, ein Herr hinter ihnen hatte das Mädchen weggehen sehen. Musste wohl mal wohin. – Tatsächlich hatte Janka die Gelegenheit genutzt und war losgezogen, um das Konzerthaus zu erkunden. Durch viele Gänge und über Treppen war sie schließlich an eine Tür gelangt mit einem Schild darauf „BETRETEN VERBOTEN“. Tja …
Mittlerweile wurden im Konzertsaal die Lichter verdunkelt, und der Vorhang öffnete sich. Das Publikum begann zu klatschen, die Scheinwerfer ließen den beeindruckenden Steinway-Flügel erglänzen – und, o Schreck für Jankas Eltern, o Wunder für das übrige Publikum:
Ein Kind von etwa 9 Jahren saß da und klimperte ganz unschuldig ’Twinkle, Twinkle, Little Star‘,
zu deutsch: „Funkle, funkle, kleiner Stern“ vor sich hin.
In dem Moment betrat der große Meister Paderewski die Bühne. Das Mädchen hielt inne. Sogleich erfasste er die Lage und – in den ersten Reihen sah man‘s mit Staunen – ein Schmunzeln breitete sich über sein Gesicht aus. Rasch ging er zum Flügel und flüsterte Janka ins Ohr:
„Hör nicht auf! Spiel einfach weiter!“
Er stellte sich hinter sie, streckte seine linke Hand aus und fing an, eine Bassbegleitung zum Lied
zu spielen. Da Janka unbeirrt mit der Melodie fortfuhr, streckte Paderewski alsbald auch seine rechte Hand aus und spielte ein virtuoses lustiges Obligato dazu…
Gemeinsam verwandelten der große Künstler und das kleine Mädchen die außergewöhnliche, angespannte Situation in ein wunderbares Erlebnis. Das Publikum war fasziniert.“
Soweit die Geschichte. Hier ein Gebet dazu:
Jesus, Du Meister des Lebens, zu Beginn des neuen Jahres wenden wir uns vertrauensvoll an Dich. Wir legen unseren Dank und unsere Sorgen, alle unsere Erlebnisse, das Gelungene und das Verkorkste, in Deine Hände: Wandle Du es in Segen. Lass alle guten Erfahrungen als kleine Sterne weiterfunkeln.
Gut zu wissen, dass Du auch in 2026 treu hinter uns stehst und wir erwarten dürfen, dass Du, göttlicher Künstler, unser „Geklimper“ auf der Tastatur des Lebens in Wohlklang verwandeln kannst, gelegentlich sogar in ein Konzert. Mach uns beherzt und gelassen, immer von neuem das Lied des Lebens anzustimmen, und lass überall Deine Hände und Deine Stimme mit im Spiel sein. Amen. – So möge 2026 mitsamt allen Herausforderungen ein gutes Jahr werden!
Ihre Verena Engels-Reiniger
Artikel der Kurseelsorge in Ausgabe Nr. 01 von „Bad Wurzach Natürlich. Informativ“ vom 03. Januar 2026

