Freitag, April 10, 2026
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„Laetare“ oder die Frage: Warum

… ist der 4. Fastensonntag rosa?

Bild zeigt Stift, mit dem etwas geschrieben wird„Lila,“ schwärmt Alfred Schleicher, Farbdesigner aus Karlsruhe, „das ist die Farbe, über die man am meisten sagen kann!“

Denn wird Rot (Körperlichkeit und Aktivität) mit einem Blau gemischt, welches schwer und kalt ist, dann ergeben sich vielschichtige Variationen – welche ganz unterschiedliche Empfindungen hervorrufen können. So wirkt lila bspw. auf Viele als Farbe des Geistigen. Das liegt, laut Schleicher, am Purpur, an dessen Anteil in der Mischung; und daran, dass in unserer natürlichen Umgebung kaum etwas lila ist. Entsprechend stellt diese Farbe einen starken Kontrast zu allem Körperlichen dar.

Für den Farbdesigner ist es daher logisch, Lila als Symbol von Buße und geistlicher Vorbereitung in der Fastenzeit zu wählen. Denn: „Wir werden bei dieser Farbe sehr aufmerksam auf uns und das, was über uns hinausweist.“ Liturginnen und Liturgen gibt er allerdings die Empfehlung mit, in Fastenzeiten nicht zu häufig lila zu tragen. Denn diese Farbe könne schnell traurig wirken.

Evangelisch wie katholisch ist lila jedoch nie aus der Mode gekommen. Jedes Jahr ist es in der Fasten- und Passionszeit (sowie im Advent) die Kirchenfarbe der Saison. Was daher rührt, dass Papst Innocenz III. im 13. Jh. einen Farbenkanon einführte. Seitdem gilt: Buße plus Umkehr gleich lila. – Und rosa?

In der christlichen Kunst ist rosa nicht eigenständig. Der Farbton wird hier ähnlich wie Rot verwendet und steht symbolisch für: (Nächsten-)Liebe, Leben, Blut/Opfer, Königtum, … Rot ist wiederum die Farbe Jesu Christi, der von manchen Kunstschaffenden auch in rosa Gewändern dargestellt wurde. In Ambrogio Lorenzettis „Maestà“ als Kind, in Fra Angelicos „Marienkrönung“ als Erwachsener (s. Bild, gemeinfrei auf Wikipedia).

Bild, das Jesus in einem rosafarbenen Gewand zeigt, wie er Maria krönt
Jesus – in rosafarbenem Gewand – krönt Maria. Ausschnitt aus Fra Angelicos „Incoronazione della Vergine“

Auch Maria wurde immer wieder in rosafarbenem Gewand gemalt (von Raffael z.B. die „Madonna Alba“). Es könnten symbolische Gründe gewesen sein, rosa anzuwenden. Im Sinn der Kombination von Rot und Weiß. Denn Letzteres steht für Reinheit, Unschuld oder (göttliches) Licht.

Inzwischen ist jedoch belegt: Keine andere Farbe wirkt stärker auf unsere Psyche als die rosane. Wer hyperaktiv ist, wird durch sie ausgeglichener und ruhiger. Zudem verstärkt Rosa positive Gefühle, besänftigt Aggression und Gewalt. (Adler Farbenmeister). –

So strichen Psychologinnen und Psychologen, in Studien der 1980er-Jahre, Gefängniszellen damit und stellten fest, dass aggressive Häftlinge ruhiger wurden. Busunternehmen bauten rosafarbene Sitze ein und merkten, dass der Vandalismus zurückging. Mitarbeiter von Wohltätigkeitsorganisationen sammelten drei Mal so viele Spenden, wenn sie rosa Hemden trugen (Dulux).

Warum? Weil dieser Farbton mit Weiblichkeit, Mitgefühl und Empfindsamkeit verbunden ist. – Dankbarkeit, Unschuld, Bewunderung und Anmut schwingen ebenso mit. Gerade in unserer Zeit, wäre es folglich gut, bewusst immer wieder eine „rosa“ Brille zu tragen. Das Negative ist damit nicht weg. Aber unser Leben stünde so unter einem anderen Licht. Dem Licht der Freude Gottes.

Beruhigend finde ich: Es ist schon da. Das österliche Weiß strahlt – gewissermaßen – bereits durch das Lila der Fastenzeit hindurch. Was dabei herauskommt, ist „Rosa“: ein fröhlicher, wie tröstlicher Farbton. Deshalb will ich abschließend zitieren, was uns von Gott aufgegeben plus zugesagt ist, und im Namen des 4. Fastensonntages „Laetare“ steckt. Nämlich auf deutsch „sich zu freuen“:

Freut euch mit [der Stadt] Jerusalem! Und alle in ihr: Jauchzt, die ihr sie liebt! … Denn – so spricht der Herr: Siehe, wie einen Strom leite ich den Frieden zu ihr (Jesaia 66).

Raimund Miller, Kurseelsorge


Artikel der Kurseelsorge in Ausgabe Nr. 06 von „Bad Wurzach Natürlich. Informativ“ vom 14. März 2026