Sonntag, Februar 22, 2026
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Der Heilige Sebastian: Wichtig und wertvoll

…damals wie heute

Bild zeigt Stift, mit dem etwas geschrieben wirdLiebe Leserin, lieber Leser,

gehen wir in die Zeit, als Claude Debussy das „Martyrium des Heiligen Sebastian“ von Gabriele D’Annunzio vertonte… Bei der Uraufführung des Stücks – 1911 in Paris – wurde die Hauptrolle, also Sebastian, von der jüdischen Tänzerin Ida Rubinstein verkörpert (siehe Titelseite von „The Theater“, vom 01. Juni 1911; Bild gemeinfrei auf Wikipedia), die dem ‚Ballets Russes‘ angehörte.

Das empörte den damaligen Pariser Erzbischof derart, dass er Katholiken den Besuch der Oper verbot und dafür sorgte, dass alle Werke von D’Annunzio auf den Index gesetzt wurden. Léon-Adolphe Amette zürnte: Ein Heiliger werde unwürdig dargestellt. Debussys Antwort: »Ist der Glaube, den meine Musik ausdrückt, orthodox oder nicht? Ich weiß es nicht. Es ist mein Glaube, der mit aller Aufrichtigkeit singt.«

Ich glaube, die wenigsten kennen dieses Werk. Mich eingeschlossen. Den populären Heiligen kennen hingegen sehr viele. Denn er ist der Patron zahlreicher Städte, z.B. von San Sebastian in Nordspanien. Ja sogar von Rio in Brasilien, gegründet als „Sao Sebastiao do Rio de Janeiro“! Doch Sebastian ist noch viel mehr. Er ist Patron der Sterbenden, Bogenschützen, Soldaten, Kriegsinvaliden, Büchsenmacher, Eisen- und Zinngießer, Steinmetze, Gärtner, Waldarbeiter, Gerber, Töpfer… Er wird angerufen gegen Pest, Seuchen und Infektionen – und wenn Kinder krank sind.

Nicht wenige Olympionik:innen nennen ihn „ihren“ Heiligen. So bekannte die junge US-Turnerin und Katholikin Simone Biles, dass sie vor großen Wettkämpfen in die Kirche gehe und eine Kerze für Sankt Sebastian anzünde. Aber wer ist dieser Heilige und wie kommt er dazu, als Patron der Athleten zu gelten?

Sebastian ist ein Märtyrer der frühen Christenheit, der um das Jahr 300 n.Chr. lebte. Der Legende nach war er ein Offizier der kaiserlichen Garde, der sich zu seinem christlichen Glauben bekannte und deshalb auf Befehl des Kaisers Diokletian an einen Baum gebunden und von Pfeilen durchbohrt wurde. Als seine Wunden wider Erwarten heilten, soll er vor den Kaiser getreten sein und diesen mutig des Verbrechens der Christenverfolgung beschuldigt haben. Darauf habe ihn der erzürnte Kaiser mit Keulen erschlagen lassen.

Warum aber wird er nun in der modernen Zeit von Sportlern so verehrt? Sebastians Gesicht zeigt auf Darstellungen „oft nicht die Schmerzen, die sein durchbohrter Körper erleiden musste; er wirkt eher unverwundbar. Seine Schönheit und sein Schmerz scheinen voneinander getrennt zu sein.“ (ORF). – Laut Ray McKenna, dem Vorsitzenden der US-Sportlerseelsorge erinnert Sebastian an einen weiteren wichtigen Bestandteil von Sport und Christentum: das Leiden – und v.a. dessen Überwindung. „Sportler können sich auf ihn beziehen und sagen: ‚Wenn er das aushalten kann, dann kann auch ich noch einen Schritt weiter gehen’“.

Bild das ein Portrait des Heiligen Sebastian, in St. Verena Bad Wurzach, zeigt
Portrait, Heiliger Sebastian, in St. Verena Bad Wurzach (von Raimund Miller, 31.12.2025)

Sebastian hat damals körperlich und sicher auch seelisch Pfeile überstanden, wie auf dem Bild links zu sehen, um einem mächtigeren Widersacher entgegenzutreten: einem Kaiser, der Christen hasste.

Das lässt den Heiligen zur zeitlosen Identifiaktionsfigur werden. Für alle, die ebenfalls „Pfeilen“ und deren Absendern ausgesetzt sind: Menschen mit hässlichen Worten und Taten, die zeigen sollen, jemand sei angeblich von der Art her nicht richtig. Gegen solche Angriffe kann Sebastian zur Stütze und Motivation werden. Eine, die deutlich macht: Get up, stand up – stand up for your right! (Bob Marley) Auf mit dir, steh auf! Gib den Kampf nicht auf!

Es ist also wichtig und wertvoll, sich mit einem Heiligen wie Sebastian zu beschäftigen. Am 20. Januar (seinem Gedenktag), oder im Rahmen der Fackelwanderung – am 25.01., 17:00 h – von der Haidgauer Kirche zur Sebastianskapelle, sowie darüber hinaus!

Raimund Miller, Kurseelsorge

Ps: Allen, die seinen Namen tragen, einen herzlichen Glückwunsch zum Namenstag!


Artikel der Kurseelsorge in Ausgabe Nr. 02 von „Bad Wurzach Natürlich. Informativ“ vom 17. Januar 2026