Im Zeichen der Asche: Gesegnet
…und lebensvoll in die Fastenzeit
„Was ist Asche? Wie entsteht sie?“ –
Für viele von uns dürften diese zwei Fragen heute fast fremd klingen. Unsere Großeltern, und viele Generationen zuvor, hatten dagegen täglich mit offenem Feuer zu tun. Für sie war Asche ein vertrauter Bestandteil des Alltags. Als Rückstand nach dem Verbrennen von Holz, oder anderen Materialien, war sie ein anschauliches Symbol für Vergänglichkeit und die Zerbrechlichkeit des Lebens.
In vielen Kulturen – z.B. im alten Israel, bei den Ägyptern oder Griechen – streute man sich bei großer Trauer Asche auf den Kopf. Der König von Ninive setzte sich gar in die Asche, angesichts dessen, was seiner Stadt drohte (Jona 3,6). Im Christentum erinnert das Auftragen von Asche auf Haare oder Stirn an Aschermittwoch (18.02.), dass unser Leben endlich ist: „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehren wirst.“

Zeichen der Reinigung
Wer sich der eigenen Sterblichkeit bewusst wird, beginnt oft, das Leben zu reflektieren: Was habe ich bisher erreicht? Wo bin ich gescheitert?
Nicht von ungefähr ist Asche seit jeher ein Symbol für Reue, Umkehr und Läuterung. Ein Mythos aus den altindischen Veden erzählt bspw., dass der Feuergott Agni seinen Körper mit Asche reinigte, um vergangene Fehltritte zu tilgen. Auch die alten Römer badeten am Neujahrstag im März in Asche, um gereinigt ins neue Jahr zu starten. – In vielen Haushalten unserer Vorfahren war Asche zudem ein praktisches Reinigungsmittel. Mit Aschenlauge wurde Geschirr gespült, Wäsche gewaschen und der Fußboden sauber gehalten.
Kreuz und Asche
Zu Beginn der Fastenzeit lassen wir Christinnen und Christen uns ein Kreuz aus Asche auf die Stirn zeichnen – ein Symbol für die Bitte um innere Reinigung. Dabei richten wir unseren Blick auf Jesus Christus, der durch das Kreuz – einst ein Zeichen der Schande – Gottes Liebe sichtbar macht, und es in ein Zeichen des Segens verwandelt hat. Unter dieses Zeichen stellen wir Gläubige unser ganzes Leben.
Neubeginn und Fruchtbarkeit
Denn die Botschaft Jesu lädt uns ein: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15) Weil uns im Vollzug des Glaubens der ‘Vater’ mit seiner Barmherzigkeit entgegenkommt; unsere Reue und unseren guten Willen fraglos annimmt; und uns so die Kraft schenkt, das Leben jeweils neu auszurichten.
Asche symbolisiert daher nicht nur Vergänglichkeit und Buße, sondern auch Neubeginn und Fruchtbarkeit. Früher mischten Bauern Asche in den Dünger, weil sie wussten, dass sie dadurch die Bodenfruchtbarkeit steigern und so Wachstum, Brot und Leben sichern konnten.
Unzerstörbares Leben
Wer das Aschenkreuz empfängt, bittet also darum, dass die Fastenzeit eine Zeit der Umkehr, Läuterung und geistlichen Fruchtbarkeit wird.
Dabei geht es nicht nur um das Nachdenken über den Tod, sondern vor allem um das Leben: dass es reiche Früchte trägt und von der Verheißung Jesu begleitet ist: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ Und: „Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht.“ (Joh 11,25; 15,5)
In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gesegnete und lebensvolle Fastenzeit.
Raimund Miller, Kurseelsorge
Artikel der Kurseelsorge in Ausgabe Nr. 04 von „Bad Wurzach Natürlich. Informativ“ vom 14. Februar 2026
