Freitag, 09. November : Erinnern & Antworten

(von Inge Auerbacher) Für eine größere Darstellung bitte aufs Bild klicken

Ökumenischer Gottesdienst
in Erinnerung an die Novemberpogrome 1938.

um 19:30 Uhr

im Raum der Stille (D039)

der Rehaklinik Bad Wurzach

Herzliche Einladung!

Leitung: PR Raimund Miller, Musik: Pauline Hecht.
Zum Hintergrund dieser Feier

»Mit dem Angriff auf die Juden im deutschen Reich, ihre Synagogen, ihre heiligen Schriften, ihr physisches, wirtschaftliches und soziales Leben in der Nacht vom 9. auf den 10. Novem­ber 1938 begann das NS-Regime offen mit der von ihm geplanten Auslöschung des jüdischen Volkes.

Die Kirchen in ihrer breiten Mehrheit ließen diese Verbrechen an den Juden in mutlosem Schweigen geschehen. Zu tief verwurzelt waren im christlichen Abendland die Ablehnung und Ausgrenzung der Juden. Jahrhunderte latenter oder offener Feindschaft machten gefühllos gegenüber dem staatlich propagierten Rassismus und der organisierten Vernichtung. Aufgrund dieses kollektiven Versagens gab es nur in wenigen Ausnahmen ein solidarisches Eintreten für die Verfolgten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs in den Kirchen zunächst nur zögernd, dann aber immer deutlicher die Erkenntnis der Mitschuld am Geschick der Brüder und Schwestern Jesu. Den bleibenden Bezug der Kirche Jesu Christi zu Israel und dem Judentum wach zu halten, gehört zu den fundamentalen Lebensäußerungen der Kirche. Einer Geschichtsvergessenheit zu wehren und ein lebendiges Gedenken zu fördern, ist bleibendes gemeinsames Anliegen unserer Kirchen.

Der 9. November hat in der deutschen Erinnerungskultur für Kirchen und Gesellschaft eine besondere Stellung. Dieser Tag birgt in sich viele Facetten und markiert neben der Reichs­pogromnacht noch weitere Ereignisse in der Geschichte, wie z. B. den Mauerfall 1989. Gerade in der Vielschichtigkeit des Erinnerns am 9. November liegt der besondere Charakter dieses Tages: Deutsche Geschichte in ihren Höhen und Tiefen ist immer auch verknüpft mit dem Ergehen des jüdischen Volkes.

Mit großer Anerkennung nehmen wir wahr, dass regionale Initiativen und Gruppen sich dem Anliegen eines lebendigen Gedenkens verpflichtet wissen und sich in diesem Sinne dem Wachhalten der Erinnerung an die Novemberpogrome widmen. Seit Jahrzehnten fördert die ACK in Baden-Württemberg diese Erinnerungskultur durch die Bereitstellung von Gestal­tungs­hilfen zu diesem Anlass.

Erinnerung bedarf fester Orte und Bezugspunkte in der Zeit. Auf dem Weg zu einer Kultur des Erinnerns braucht es deutliche, gemeinsame und stetige Zeichen – wie das Gedenken an die Pogrome im November des Jahres 1938. Wenn wir der Erinnerung und der Umkehr Raum geben, können wir in Verantwortung vor Gott eine Zukunft gestalten, in der Offenheit, Ver­ständigung, Solidarität und Mitmenschlichkeit wachsen. Dies sollte, wo immer möglich, in ökumenischer Verbundenheit und in Zusammenarbeit mit den Kommunen geschehen.«

Weihbischof Dr. Peter Birkhofer, Vorsitzender der ACK in Baden-Württemberg, im Vorwort zur Handreichung für die Gestaltung der 80-jährigen Wiederkehr des 9. Novembers 1938.