Willkommen Frühling, Wonnemonat Mai!

…so lautet der Titel des Kurseelsorge-Artikels in Ausgabe Nr. 10 der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 10. Mai 2017.  – Gute Lektüre!

„…auf frischer Tat ertappt!“
Willkommen, Frühling, Wonnemonat Mai! Kälte und Dunkel sind endlich vorbei – Wirklich? Wo der April zuletzt solch heftigen Frost und Schnee brachte?! Regel-rechte Rückzugsgefechte hat der Winter da geliefert. Aber jetzt setzt sich endgültig der Frühling durch. Drum auf ins Freie, die Sonne lockt! Sind grad keine Wolken da, scheint sie schon mit großer Kraft. Also Leute, kommt! Genießt die wohlige Wärme, das Licht früh am Morgen bis weit in den Abend: Atmet freier, spürt frische Kräfte – Frühling lädt ein zum Fröhlich sein.

„…und die Seele blüht auf“
Alles ist neu belebt voller Schönheit, als feiere die Natur… Ja, sie feiert ein Fest, über Wochen, vollkommen im Einklang mit dem Kirchenjahr: Wir leben in Österlicher Freudenzeit. Auch Martin Luther hat es so gesehen: Das Frühjahr ist Gleichnis für die Auferstehung von den Toten. Wie bei Jesus, der starb und von neuem lebendig wurde, vollzieht sich in der Natur eine wunderbare Verwandlung.
„Natürlich“ lässt sich wissenschaftlich erklären, was da vor sich geht und warum. Aber dass es geschieht, ist doch zum sich wundern, nicht wahr?

„Wunderbar“ wörtlich: wunder – bar“
Monatelang wirkte die Landschaft trist, wie erstorben, die Zweige an Bäumen und Büschen wie tot. Kaum vorstellbar, dass aus dem scheinbar Leblosen jemals wieder frisches Grün sprossen würde! Zart und kraftvoll zugleich keimt und blüht es so vielfältig, duftig und bunt – einfach wunderschön. Und tatsächlich wunder – bar.
Es lohnt sich ein genauer Blick, wie das neue Leben aufwächst und sich den Raum der Natur erobert: ganz ohne Gewalt! – Sobald das Keimen und Blühen beginnt, möchten manche ja am liebsten erst „aufräumen“ im Garten: weg mit dem welken Laub, den verdorrten Pflanzen! Weil das so unordentlich und schäbig wirkt…

„… weg mit dem Alten! – ?!“
Doch halt! So wie die welkenden Blätter im Herbst längst ihren Saft in den Baum und Boden zurückfließen ließen, so sind sie auch jetzt noch wertvoller Kompost: Das Junge gedeiht buchstäblich aufgrund des Alten. Schau in Wald und Feld: dort wird nicht aufgeräumt! Trotzdem lässt sich kein Spross daran hindern, durchs kalte dunkle Erdreich samt Laubschicht durchzustoßen. So manches vorjährige Blatt wird einfach mit hoch gehoben zum Licht… Auch das könnte man als Gleichnis nehmen. – Jedenfalls passt, was für den staunenden Blick auf ein kleines Kind gilt, auch hier: „Sieh den Frühling an – da hast du Gott auf frischer Tat ertappt!“

Freude, Frische, freies Atmen wünscht Ihnen,

Verena Engels,
Pfarrerin in der Kurseelsorge