Wer hat´s „erfunden“? – Der Heiligen Verena auf der Spur

Gute Lektüre mit unserem Kurseelsorge-Artikel (in Ausgabe Nr. 19, der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 11. September 2019)!

Wer hat´s „erfunden“? – Der Heiligen Verena auf der Spur

 Liebe Leser.innen,

um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Die Heilige Verena wurde natürlich nicht erfunden! Deshalb auch die Anführungszeichen in der Überschrift. Aber als ich ihr auf die Spur kam, musste ich unweigerlich an den Werbespruch eines bekannten Schweizer Kräuterbonbonherstellers denken. Denn in der Schweiz ist Verena die am meisten verehrte Heilige.

Die Menschen (nicht nur) dort haben zu ihr gefunden, oder besser: Sie wurden gefunden – von ihr. Wie sehr, lässt sich z.B. am Schweizer Telefonbuch ablesen. Über vierzehntausend Mal erscheint dort der Name Verena. Und so manche davon zog es am 01. September, ihrem Gedenktag, bestimmt nach Bad Zurzach zum Gottesdienst ins gleichnamige Münster.

Wir in Bad Wurzach, begehen ihr Fest immer am Folgesonntag. Heuer dem 08.09. An dieser Stelle übrigens allen Namensschwestern Verenas nachträglich noch alles Gute zum Namenstag (für die PLZ 88410 sind das fünfzig Frauen, die Veras und Veronikas nicht mitgezählt)!

Dass wir hier diese Heilige feiern, hat seinen Grund in Rot an der Rot, bzw. Sankt Gallen und damit der Schweiz. Entsprechend der Frage, wer´s erfunden hat, lautet die Antwort: Verena fand Zurzach. Dort wurde sie nach ihrem Tod in 344 begraben. Etwa ab dem 9. Jh. wurde vom Kloster St. Gallen aus ihre Verehrung gefördert. All diese Orte waren Teil des damaligen Bistums Konstanz. „Wahrscheinlich hat (so) die Verehrung … über das nahe Prämonstratenserkloster in Rot an der Rot, das auf eine Stiftung aus der Schweiz um 1130 zurückgeht, auch in Wurzach Eingang gefunden.“ – Und aus den Marienkirchen in Wurzach wie in Rot entwickelten sich jeweils welche zu Ehren der Heiligen Verena.

Erklären lässt sich das eigentlich nur mit ihrer Popularität, d.h. weil sie bei sehr Vielen sehr beliebt war. So beliebt, dass die Zurzacher im Jahr 1000 über ihrem Grab (in einem römischen Gräberfeld) begannen das Münster zu bauen; „in dem bis heute eine Armreliquie der Heiligen aufbewahrt wird. Die Grabplatte ihres Sarkophags … zeigt eine junge Frau mit offenem Haar und Schleier. Sie hält in der rechten Hand einen Wasserkrug und in der linken einen Doppelkamm“ (s. Bild, Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon). Diese beiden Attribute wiederum verweisen auf das, was sie meiner Meinung nach hat so beliebt werden lassen – ihre Werke der Gottes- und Nächstenliebe: Denn oft suchte Verena „die Aussätzigen vor den Toren der Stadt auf, um sie zu waschen. Der Kamm diente dabei … nicht nur zum Kämmen der Haare, sondern auch zur Reinigung der Haut.“

Womit wir wieder bei der Frage wären, wer´s erfunden hat? Tut mir leid, liebe Schweizer.innen, Sie nicht. Es waren die Ägypter. In Ägypten kam Verena zur Welt. In Theben, um 260 n.Chr., als Tochter reicher Eltern. Als junge Frau ließ sie sich dort taufen „und schloss sich der Thebäischen Legion an.“ D.h. sie verließ ihre Heimat und zog mit den Soldaten Richtung Norden. Kommandant der Legion sei Verenas Cousin Mauritius gewesen, und auch ihr Verlobter, Viktor, der später umkommen sollte, war einer der Legionäre.“

Neben der Liebe war aber die Suche nach besseren Lebensverhältnissen der Grund für Verena aufzubrechen. Der Schweizer Bischof Felix Gmür bezeichnet die Heilige deshalb (in einer seiner Predigten) als «eine Migrantin im heutigen Sinne und sehr zeitgemäße Frau».“ Entsprechend migrierte sie nach Mailand und weiter nach Saint Maurice im Schweizer Kanton Wallis. Dort „wurde die Legion stationiert und vom Kaiser aufgefordert, den römischen Göttern ein Opfer darzubringen. Da die gesamte Thebäische Legion jedoch aus Christen bestand, weigerten sich die Soldaten und wurden, da der Kaiser dies als mangelnde Loyalität auslegte, allesamt hingerichtet.“

Daraufhin beschloss Verena als Asketin zu leben und zog nach Solothurn, wo sie in einer Höhle, in der dann nach ihr benannten Schlucht, lebte. Da ihr Heilkräfte zugeschrieben wurden, erhielt sie bald Besuch von unzähligen Kranken; sehr zum Missfallen von Hirtacus, dem römischen Statthalter, der sie deshalb verhaften ließ. Erst als er selbst schwer erkrankte und Verena ihn heilte, erhielt sie ihre Freiheit zurück. „Wieder in ihrer Höhle, gründete sie eine Gemeinschaft religiöser Frauen, die sich Armen und Kranken annahm. Später fand die meist mit blonden Haaren dargestellte Heilige eine neue Wirkungsstätte auf einer Insel in der Nähe von Koblenz. Auch in Zurzach, wo sie (zum Schluss blieb), kümmerte sie sich um diejenigen, um die sich sonst niemand kümmerte.“

Auf diesen Aspekt gilt es besonders hinzuweisen und (wie Bischof Gmür) festzuhalten: Die Ägypterin Verena erweist sich als Diakonin, als Seelsorgerin im heutigen Sinn, im Dienst an den Mitmenschen. – Es lohnt also heute auf sie zu schauen, sich der Patronin anzuvertrauen, wie es im Verena-Lied heißt. Denn sie trug Christi Liebe übers Meer, die Frau aus Theben, ein Zeugnis uns zu geben. Nämlich: Im Brotteilen mit den Hungrigen, in der Zuwendung zu den Armen, im Helfen bei Krankheit und Not – sodass kein Mensch geht, zumindest nicht ohne ein gutes Wort. – In diesem Sinn, „Verena, lass in uns die Kraft des Glaubens neu entzünden, dass Gott durch uns das Gute schafft (und) wir seine Liebe künden.“

PR Raimund Miller