Was für eine schlimme Zeit!

„Was für eine schlimme Zeit, nur noch Rücksichtslosigkeit!“ …so lautet der Titel des Kurseelsorge-Artikels in Ausgabe Nr. 12 der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 06. Juni 2018.  – Gute Lektüre!

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Sie kennen den Klageruf. Stimmen möglicherweise selbst darin ein. Ja, Unzähligen geht’s so, wie der knitze Vers singt (ein hübscher Kanon) – „Die Menschen sind schlecht! Jeder denkt bloß an sich, nur ich, nur ich, nur ich denk an mich.“

Ach ja – CONTRA !

Mir ist da eine Story zugeflogen, so kurz wie bemerkenswert, die möcht ich Ihnen erzählen. Geschehen in Ulm bei den Kliniken am Oberen Eselsberg, wo zur Zeit der künftigen Stadtbahn die Trasse gelegt wird. Der Verkehr ist durch die Großbaustelle stark behindert, vor allem in Stoßzeiten: Autos und Busse dicht an dicht auf der verengten Fahrspur, großer Lärm und Hektik. Als Fußgänger muss man sehr flink und geschickt sein, um sich durch zu schlängeln. Schwierig bis riskant für gesundheitlich angeschlagene Leute! Gerade solche sind viel dort unterwegs. Nicht alle können mit eigenem PKW zur Rehabilitationsklinik oder zum Bundeswehr-Krankenhaus gelangen.

Fußgänger spute dich!

So auch jene alte Frau, die eben aus dem Bus gestiegen ist, beschwerlich mit dem Rollator. Aber ohne den würde der kranke Rücken zusammenknicken. Auf das so praktische Gerät gestützt geht sie zum Zebrastreifen, schaut, wartet… Endlich kommt die Autokolonne zum Stehen, zuvorderst ein Taxi. Sie bemüht sich, die Fahrbahn, holperig wegen dem abgefrästen Straßenbelag, so rasch wie möglich zu überqueren – eine weitere Herausforderung:

Diese überhohen Bordsteinkanten!

Nun hat sie die eine bewältigt und hofft, es auf der anderen Seite auch irgendwie wieder rauf auf den Gehsteig zu schaffen… Knapp davor – fühlt sie sich auf einmal von einem kräftigen Arm umfasst, während eine Hand den Rolli ergreift: So gleichzeitig gestützt und leicht erhoben wird sie aufs sichere Trottoir bugsiert. Sich umwendend sieht sie gerade noch den Fahrer des Taxis in sein Auto springen und weiterfahren…

Total verblüfft. Staunen. Glücksgefühl

Dass es sowas gibt! Geistesgegenwärtig hat der die Lage erfasst. Die Chance genutzt und blitzschnell geholfen. Außerdem zum Verwundern:  Keine*r der am Zebrastreifen wartenden Autolenker*innen hat gehupt!

Taxifahrer voll auf Zack

Bei der Frau große Dankbarkeit. Könnt sie’s ihm nur sagen oder mit etwas Nettem vergelten! – Das Hochgefühl trägt sie noch weiter. Beim MTT in der Muckibude läuft’s diesmal prächtig…

Es handelt sich bei der Frau, wie manche wohl schon vermutet haben, um meine Mutter: 88 Jahre alt, verwitwet, mit ziemlich kaputter Wirbelsäule, ist dennoch ihr mentales und seelisches Rückgrat ungebrochen. Tapfer und mutig führt sie, mit so mancher unschätzbar wertvollen mitmenschlichen Hilfe auch aus der Nachbarschaft, ihren Haushalt noch allein.

Klar könnte sie für solche Touren zum RKU stets eine Taxe nehmen. Sollte sie nach Ansicht ihrer Kinder auch dringend… Aber da ist es doch so viel wichtiger, die Enkel und so manch unterstützungswürdige Werk, auch für Notleidende, finanziell zu fördern.

Viel lieber schenken!

Bescheiden in der eigenen Lebensführung, wird Geld für ein Taxi nur aufgewendet, wenn’s gar nicht anders geht. Trotzdem hat Mutter im Lauf der Jahre so manchen Ulmer Taxichauffeur kennengelernt. Desto bemerkenswerter, dass einer, der an dem Tag gerade kein Geschäft mit ihr machte, ihr trotzdem so im Wortsinn wunderbar geholfen hat! War’s vielleicht einer, der sie schon mal chauffiert hatte? War’s ein Pfadfinder? Nach dem Motto

„Täglich eine gute Tat“

Wie auch immer: Er hat prachtvoll widerlegt, dass es heutzutage nur noch egoistisch… – na, das bekannte Lamento gerade auch älterer Leute: Halten wir dagegen! Ganz alltagspraktisch. Es bieten sich ständig Chancen, ein bisschen Verblüffung zu stiften. Ein Risiko aus dem Weg zu räumen. Etwas Glücksgefühl zu verbreiten.

So lassen sich Win-Win-Situationen schaffen

Und Zuversicht, dass die Mitmenschen, gelegentlich auch man selber, zu allerhand Gutem imstande sind.

Einen wachen Blick für die nächste gute Gelegenheit wünscht sich und Ihnen

Verena Engels