St. Laurentius (+10.08.258)

…so lautet der Titel des Kurseelsorge-Artikels in Ausgabe Nr. 17 der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 16. August 2017.  – Gute Lektüre!

In vielen Kirchen – wie in St.Verena Bad Wurzach (siehe Bild) oder St. Gallus Unterschwarzach – gibt es Nebenaltäre, die u.a. dem Hl. Laurentius gewidmet sind. Deshalb soll hier ein wesentlicher Augenblick seines Lebens und Wirkens betrachtet werden: Er wurde vermutlich in Osca, einer Kleinstadt in Aragona, am Fuße der Pyrenäen (heute Huesca), geboren. Seine wohlhabenden Eltern gaben ihm gute Lehrer zur Seite. Bereits in seinen jungen Jahren wurde er nach Saragossa gesandt, um dort seine humanistischen und theologischen Studien zu vervollständigen. Hier lernte er den späteren Papst Sixtus II kennen. Dieser stammte ursprünglich aus Griechenland, führte hier aber sein Amt als Lehrer aus, denn Saragossa war damals eines der berühmtesten Studienzentren; und Laurentius war dort sein Schüler. – Zur weiteren Ausbildung nach Rom geschickt, wurde er später zum Priester geweiht und diente als Erzdiakon von Rom. Laurentius starb als Märtyrer am 10.08.258, ebendort.

Ich erinnere mich noch ein Gespräch mit meiner Oma: „Was hat denn der Mann da auf dem Altar für eine komische Leiter in der Hand?“ „Schau hin, das ist doch keine Leiter, das ist ein Rost – denk an deine letzte Bratwurst! Die wurde auch auf einem Rost gegrillt.“ „Ja! Aber will der auch Bratwürste braten?“ „Rede doch kein dummes Zeug!“ Und dann erzählte sie: Laurentius war einer der 7 römischen Diakone und verantwortlich für die Finanzen und die Sozialarbeit. Er starb wohl durch Enthauptung, aber die folgende Legende beinhaltet wohl etwas von seinem Schalk, der seiner Arbeit sicherlich nicht schädlich war und ihn zum Vorbild machte.

Der römische Kaiser wollte die Schätze der Kirche für seine Kriegskasse plündern und stellte dem Papst ein Ultimatum, dass dieser nicht erfüllte. Die Folge war, dass Kaiser Valerian Sixtus gefangen nahm und marterte. Auf dem Weg durfte er noch ein paar Worte mit seinem Diakon wechseln. Dieser fragte: „Wo gehst du hin ohne deinen Sohn, Vater? Wohin eilest du, heiliger Priester, ohne deinen Diakon? …“. Erzdiakon Laurentius wollte dem Heiligen Vater Sixtus II in den Tod begleiten. Der Papst tröstete Laurentius: „Ich lasse dich nicht zurück, mein Sohn, noch verlasse ich dich. Als alter Mann gehe ich einen einfachen Weg. Du bist jung – dir steht ein großer Streit bevor!“

Was sollte Laurentius also tun – die Schätze der Kirche dem Kaiser überantworten? Sicherlich hätte er sein Leben gerettet. Aber er besann sich auf seinen Dienst für die armen Menschen und teilte alle Schätze der Kirche unter die Armen aus, damit sie nicht in die Hände des römischen Kaisers fielen. Kaum getan, wurde er schon ergriffen. Der Statthalter forderte ihn auf, die Schätze auszuliefern. Laurentius versprach es, nur sollte ihm eine kurze Frist dazu gegönnt werden. Es wurden ihm drei Tage Zeit gegeben. Während dieser Zeit brachte der Heilige all die Armen, Kranken, Witwen, Waisen, Blinden, Lahmen, Leidenden jener Zeit zusammen, stellte sie den römischen Statthalter und sprach: „Hier sind die wahren Schätze unserer Kirche!”

Der Vertreter Kaiser Valerians sah sich um Gold und Silber betrogen, tobte und ließ Laurentius daraufhin auf ein Gitter gebunden über offenem Feuer rösten (deshalb wird er mit dem Rost als Attribut dargestellt, siehe Bild). Der Heilige spricht nach einer Weile größter Qualen zu seinem Henker: „Lasse mich umwenden, auf dieser Seite bin ich gar gebraten!” Der Überlieferung nach war sein Henker davon so überwältigt, dass er den Dienst quittierte und sich zum Christentum bekannte.

Aufgrund seines Dienstes an den Armen, seiner Marterung und seinem Schalk wurde Laurentius zum Beschützer vor Brandwunden, Fieber, Feuer, Rückenschmerzen und zum Schutzpatron aller mit Feuer befasster Berufe. Früher wurde am Laurentiustag vielerorts Brot geweiht und an die Armen verteilt. Auch wird auch als Schutzpatron der Reben angesehen, sollen diese doch in der Sonnenglut des August braten wie Laurentius auf dem Rost und so einen guten Öchslegrad erzielen.

Seine Treue, seine Gewitztheit im Dienst am Nächsten, seine Bereitschaft bis zum Tod seinen Glauben der Welt zu zeigen, lassen ihn zum Vorbild werden. Nicht nur für uns Diakone, sondern im Geiste des Dienstes am Nächsten für jeden anderen Menschen auch.

Berndt Rosenthal
Diakon, Seelsorgeeinheit Bad Wurzach

 

Quellen: Legende der Heiligen für katholische Schulen und katholische Familien von Karl Borromäus Bestlin, Stadtpfarrer von Weil (1857), neu überarbeitet und digitalisiert von www.heiligenlegenden.de (2008); und www.vatican.va.