Osteraugen

…so lautet der Titel des Kurseelsorge-Artikels in Ausgabe Nr. 08 der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 12. April 2017.  – Gute Lektüre!

Denn Gott vertreibt die Dunkelheit und bringt ein neues Licht,  das sich, wenn es dein Leben trifft,  in tausend Farben bricht.
(Markus Erhardt)

Jeder Tag bekommt „einen tieferen Sinn, kann ich im Alltagsgrau seine, (d.h. Gottes) Farben entdecken.“

Kindergesang ist ansteckend. Mit Begeisterung singen unsere Grundschulkinder obigen Text aus dem Lied  „Entdecke das Geheimnis“.  Ein österliches Lied, das von vielerlei Not erzählt, aber auch wie das Licht Gottes die Dunkelheit vertreibt, wie wir mitten im Leben Gottes Nähe spüren können. Dann rufen sie mit voller Kehle: „Genieße den Moment, beginne neu zu sehn!“ Im Gespräch mit Ihnen merke ich, wie ihr Glauben von solchem Liedgut geprägt ist. Wieviel Glaubenskraft  geht von guten Liedern aus!

Was wir von Gründonnerstag bis Ostern feiern wissen Gott sei Dank viele: Einsetzung des Abendmahles, das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz, seine unbegreifliche Auferweckung und dass er all das uns zuliebe getan hat.  Aber wie weit ist der Weg vom Verstand ins Herz, dass ich dies als Geschenk für mein Leben annehmen kann, dass ich meine Seele an diesem Geheimnis festmache? Dies ist ja das Ziel der Fastenzeit und des Osterfestes.

In „fasten“ und „festen“ höre ich dieses heraus: Ich mache mein Leben fest an Gott. Wie wichtig dies ist, erlebe ich heute, da ich dies schreibe besonders: Wohin können wir mit unserer Not gehen, wenn ein Kind, eine Jugendliche, ein junger Familienvater umkommt? Wenn es um Leben und Tod geht? Dann bin ich Gott dankbar, wenn meine Glaubensgemeinschaft mich durch ihren gelebten Glauben stärkt. Vom Sterben Nahestehender berührt, frage ich mich: Geht uns das Reden über den Tod Jesu nicht oft zu leicht von den Lippen, ohne innere Erschütterung und die Rede von der Auferstehung entsprechend ohne tiefere Freude?

Ich wünsche Ihnen zu Ostern, dass Sie in einer Stille liebend auf den Gekreuzigten und Auferstandenen schauen können. Lassen Sie sich dann auch von ihm anschauen. Das tut bis in die Seele hinein gut. Und das nicht nur an Ostern, sondern jeden Sonntag von neuem. Jeder Sonntag ist ein kleines Osterfest. Peter Rosegger sagt, „gib der Seele einen Sonntag und dem Sonntag eine Seele.“

Das Licht der Auferstehung leuchtet unser ganzes Leben aus. Bunt, in tausend Farben siehst Du Dein Leben, heißt es im Lied. Jeden Tag lade ich ihn ein, mich in den verschiedenartigen Begegnungen zu führen. So weiß ich mich von seiner Hand gehalten, bekommt der Tag einen tieferen Sinn, kann ich im Alltagsgrau seine Farben entdecken.

Wir können den Glauben nicht machen, aber wir können ihn uns schenken lassen – von Gott selbst. Eine große Hilfe ist dabei eine bekennende Gemeinschaft. Wo Menschen Interesse aneinander haben, das Leben miteinander teilen, gemeinsam singen und feiern, bekommt der Glaube neue Nahrung.

Von Herzen wünsche ich Ihnen, dass das österliche Licht Ihr Leben trifft.

Pfarrer Paul Notz