Mehr als Blumen – Der Heilige Valentin

…so lautet der Titel des Kurseelsorge-Artikels in Ausgabe Nr. 04 der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 15. Februar 2017.  – Gute Lektüre!

Erst verlegt, dann gestrichen

Für den christlichen Glauben ist der Valentinstag lange nicht mehr so von Bedeutung wie Weihnachten oder Ostern. Die Gründe dafür reichen weit zurück: Papst Liberius verlegte im Jahr 354 Weihnachten vom 06. Januar auf den 25. Dezember. Damit verschob sich auch das Fest der „Darstellung des Herrn“, das am 14. Februar gefeiert wurde und machte Platz für den Heiligen Valentin; bis er 1970 aus dem römischen Kalender entfernt wurde.  Dennoch ist dieser Tag von Bedeutung. Aber wieso?

The same procedure as every year

Jedes Jahr dieselbe Prozedur: Kaum steht der Valentinstag Tag an, so treibt es Männlein wie Weiblein den Schweiß auf die Stirn: „Was schenke ich nur meiner/meinem Liebsten?“ Die Wirtschaft freut´s, denn eben diese Gedanken und verzweifelten Fragen verhelfen ihr alljährlich zu einem weiteren Hoch in der Bilanz. Denn es geht längstens nicht mehr „nur“, wie gewohnt, um Blumen. Vielmehr werden diese um kleinere, oder auch größere Geschenke nicht-floraler Art erweitert; bisweilen weit über ein edles Parfum oder roman-tisches Dinner hinaus. Dem Handel sei´s gegönnt. Die Bedeutung des Valentinstages aus kommerzieller Sicht wäre geklärt und damit auch, weshalb er hin und wieder spaßeshalber der Tag der Blumenhändler genannt wird. Aber was verbirgt sich ursprünglich dahinter?

Zwei Männer und Gartenblumen

Dazu gibt es mehrere Theorien, die sich bis heute durchgesetzt haben. Was den Namen betrifft, so geht die eine auf den Bischof und Märtyrer Valentin von Terni (Umbrien/ Italien) zurück. Die andere auf einen gleichnamigen römischen Priester, der am 14. Februar 269 hingerichtet worden sein soll. Der Grund: Valentin war bereits wegen seines christlichen Glaubens des Hochverrats angeklagt. Deshalb befand er sich in der Obhut eines Vertrauten des Kaisers. Als er dann dessen blinde Tochter heilte und sich darauf gleich das ganze Haus taufen ließ (Jacopo Bassano: Valentin tauft Lucilla, um 1575, im Museo Civico, in Bassano del Grappa) hatte das den Tod Valentins zur Folge. Die traditionellen Blumengeschenke am 14. Februar dagegen lassen sich durch die Sage erklären, dass der Heilige den frisch verheirateten Paaren Blumen aus seinem Garten geschenkt haben soll.

Minne und Vielliebchen

Eine weitere Theorie, die geschichtlich nicht ganz so weit zurückreicht, sieht den Ursprung des Valentinstages im Frankreich des 12./13. Jahrhunderts, bzw. in der von dort ausgehenden Minne. Diese wurde sozusagen ab jener Zeit für den niederen Adel wie das Bürgertum institutionalisiert. Mit anderen Worten: dieser, aus dem Hochadel stammende Trend, um die Angebetete zu werben und ihr ritterlich zu Diensten zu sein, wurde allen zugänglich gemacht, als Brauchtum für einen Tag – den 14. Februar. Im Deutschland des Spätmittelalters erhielt dieses Datum deshalb auch die Bezeichnung Vielliebchen-Tag; was den Sinn dieses Tages  besser trifft als Valentinstag, zumal die Verbindung zum Bischof von Terni historisch ohnehin nur schwer herzustellen ist.

Das „Mehr“ des Valentinstages

So schwer die Rückbindung dieses Tages an den Namensgeber ist, so wertvoll ist es der Liebe zwischen Menschen einen Tag zu widmen. Und dennoch fehlt Vielen „etwas“, das darüber hinausgeht. Die Kirchen versuchen daher seit ein paar Jahren, diesem ersehnten „Mehr“ Rechnung zu tragen und der Sehnsucht vieler Paare nach Gottes Schutz und Segen entgegen zu kommen:

Auf die Fürsprache des Heiligen Valentin halte Gott die Hand über Eure Partnerschaft, die Ihr an diesem Tag feiern dürft.

Raimund Miller, Kurseelsorger

ps: Danke an Joachim Schäfer vom Ökumenischen Heiligenlexikon für die Abdruckgenehmigung des Bildes!