Mariä Himmelfahrt (15.08.)

…so lautet der Titel des Kurseelsorge-Artikels in Ausgabe Nr. 17 der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 15. August 2018.  – Gute Lektüre!

‘Zwei-in-eins’
Genaugenommen ist das Fest Mariä Himmelfahrt ‘zwei-in-eins’:
Gedachte man ursprünglich auf der einen Seite des Todes von Maria und feierte auf der anderen ihre Aufnahme in den Himmel, so wurde beides im 6. Jh. zu einem Feiertag vereint. Über 1300 Jahre später wurde dieses ‘Zwei-in-Eins’ dann von Pius XII. mittels Dogma, in Form eines Lehrsatzes bekräftigt. Seit 1950 gilt es demnach für alle katholischen Christen zu glauben, dass Maria nach ihrem Tod in den Himmel aufgenommen worden ist – mit Leib und Seele.

Eins für alle
Auf diese Weise passieren zwei Dinge: Einmal wird der Blick auf Marias Leben gerichtet – ihr Gottvertrauen, ihr auf-Gott-hin-leben, und damit auf ihren Vorbildcharakter für uns alle.

Vor allem aber drückt dieses Dogma aus, dass Gott über den Tod hinaus treu ist. D.h., Maria, wie auch wir selbst, sind nach unserem Tod in und bei Gott ‘im Himmel aufgenommen’, als ‘ganze’ Menschen – mit Leib und Seele, um an beidem Heilung zu erfahren.

Patrozinium und Kräuterweihe im Freiburger Münster. (Foto: Thomas Kunz)

Segen ‘zum Mitnehmen’
Diese Sehnsucht von uns Menschen nach Ganzheit und Heilung spiegelt sich außerdem in einem Brauch wider, der ebenfalls mit diesem Fest verbunden ist:

Die Kräutersegnung. Seit dem 8./9. Jh. ist dieses Ritual zu Mariä Himmelfahrt in deutschsprachigen Gebieten bezeugt und an vielen Orten heute noch lebendig. Das bedeutet, dass hierzu Heilkräuter zu Sträußen gebunden werden, um sie in der Kirche segnen zu lassen und dann zu hause aufzubewahren. Entsprechend firmiert der Feiertag auch unter Namen wie ‘Maria Kräuterweihe’, ‘Würzweihe’ oder ‘Buschfrauentag’.

Aus alt wird neu
Maria–Fest–Kräuter–Segen, diese Verbindung hat wiederum ganz unterschiedliche Ursprünge.

Manche Legenden erzählen bspw., dass in Marias Grab nur noch ihre Leichentücher und duftende Blumen bzw. Kräuter zu finden waren. Anderswo heißt es, die Hl. Gertrud von Helfta habe in einer Vision gesehen, wie die sterbende Mutter Gottes sich in einem Garten voller wohlriechender Blumen befand.

Dieser Garten wurde in der Folge mit Marias Leib verglichen. Die Blumen wurden herangezogen um die marianischen Tugenden zu veranschaulichen. Hierbei griff man auf alte Sinnbilder zurück, besonders auf jene des Hoheliedes aus dem AT und deutete sie auf Maria hin.

Bild gemeinfrei, aus Wikipedia

Un/dankend angenommen?
Auch in Kunst und Literatur haben diese Bilder Eingang gefunden, wie im hier abgedruckten Ausschnitt von Sandro Botticellis „Verkündigung“ zu sehen.

Was die Volksfrömmigkeit angeht, so verhielt es sich gleich: Maria wurde zur ‘Königin der Blumen’, ‘Beschützerin der Feldfrüchte’…

Diese Bilder waren zentrale Bestandteile germanischen und keltischen Glaubens. Sie waren mit deren Kulten und Ritualen verbunden, und der Kenntnis, welche diese übers Sammeln und Anwenden von Heilkräutern hatten. Über die Jahrhunderte wurde dieses Wissen v.a. durch Frauen weitergegeben. Entsprechend lässt sich schließen, dass die Verbindung des Marienfestes mit der Kräuterweihe auch dazu gedient haben dürfte, germanische und keltische Anteile auszulöschen bzw. in die christliche Frömmigkeit einzuarbeiten.

Gott sei Dank!
Heute kann dagegen Dankbarkeit und Freude im Vordergrund stehen, wie auch Anerkennung. Letztere und ebenso Dank, gebührt allen Kulturen, von denen unser Wissen herrührt. Doch besonders soll das Segnen von Blumen und Kräutern an diesem Fest die Dankbarkeit über die Heilkräfte zum Ausdruck bringen, die Gott in die Natur hineingelegt hat, uns zur Freude und Gesundheit:

 

Allherrschender Gott, Du Arzt für Seele
und Leib, Du hast eine Fülle von Pflanzen
als heilwirkende Medizin geschaffen.

Erfülle die Kräuter und Blumen, die Du
geschaffen hast, mit Deinem heilsamen Segen.

Jedem Menschen, der sie braucht,
seien sie Arznei für den Leib und Kraft für die Seele,
auf dass er/sie Dir Dank abstatte…

So segne alle Kräuter und Blumen,
und schenke uns auf Marias Fürsprache
Heilung und Gemeinschaft mit Dir:

Dem Vater, dem Sohn und dem Hl. Geist,
Amen.

(nach einem Gebet aus dem 10. Jh.)

 

Raimund Miller, Kurseelsorger