Leben aus der Quelle

Leben aus der Quelle …so lautet der Titel des Kurseelsorge-Artikels in Ausgabe Nr. 02 der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 17. Januar 2018.  – Gute Lektüre!

Laut Jahreslosung 2018 spricht Jesus Christus „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Offenbarung 21,6) Also, zur Gesundheit! Es wird ja dauernd geraten, ausreichend zu trinken –  leider, seufzt mancher, nicht ein Gläschen Wein extra, ein paar Bierchen mehr!  O ja, der Mensch hat Durst. Durst nach noch ganz anderem als Flüssigem oder Süffigem.

Durst vom ersten Atemzug an… sobald die Nabelschnur durchtrennt ist, durch die einem bis dahin das Nötige zufloss. Ab da verlangt  Durst und Hunger zugleich, gestillt zu werden. An der Mutterbrust, wenn immer möglich, sonst im Arm gehalten mit Fläschchen. Denn grade so wichtig wie der optimale Nährwert ist, dass es schmeckt:  Nach Wärme und Zuwendung, nach vertrautem Duft und Stimme, nach Herzschlag und Geborgensein. Das Menschenkind erlebt sich beim Stillen an der Quelle wunderbaren Wohlseins. Und das vergisst er nie mehr. Das elementare Bedürfnis nach Flüssigkeit samt dem tiefen Verlangen nach rundum Wohlgefühl bleibt emotional verknüpft mit Durst und Trinken.

„…und schenkst mir voll ein“ – Auch deshalb heißt Gastfreundschaft, dass man zu trinken gibt,  umsonst! Bis heute im Orient zu erleben. Und darum ist der gute Hirte Psalm 23 s.o. auch ein guter Wirt. In allen Kulturen wird zu festlichem Anlass etwas besonders Köstliches miteinander getrunken: Man ist verbunden in gehobener Stimmung.

Traurige Realität ist aber auch die Kehrseite: viele greifen zur Flasche, um Kummer zu ersäufen, Probleme zu ertränken – der verzweifelte und so vergebliche Versuch, den ganz anderen Durst zu stillen, wonach man eigentlich verlangt: bejaht und gebraucht zu werden, anerkannt und geborgen, das Leben als sinnvoll zu erfahren.

Die Menschen der Bibel wussten, was Durst ist, schlicht nach H2O. Dürrejahre waren eine Katastrophe. Ob eine Quelle Wasser gab oder versiegte, bedeutete Leben oder Tod. Doch ist noch von einer ganz anderen Art Durst die Rede: einer starken Sehnsucht, die den Menschen umtreibt: nach Gott. In Ps 42 der Hirsch, der im ausgetrockneten Flussbett verzweifelt nach Wasser schreit, steht für das Herzensverlangen, von Gott berührt, angesprochen zu werden: „Es dürstet meine Seele, mein ganzer Mensch verlangt nach DIR aus dürrem Land, wo kein Wasser ist“ Ps 63,4.

„Von der Quelle lebendigen Wassers… diese Einladung wird überall da, wo Trinkwasser rar ist, mit anderen Ohren gehört als bei uns, die wir reichlich zu trinken haben. Menschen von dort sagen uns „Ihr habt so viel und seid trotzdem nicht froh.“ Ja, wer keinen Durst verspürt, wer den Mangel nicht kennt, ist deshalb nicht unbedingt glücklich. Für alle die suchen und fragen, die ihre Sehnsucht nicht mit Ersatzbefriedigung betäuben, die trotz Zweifeln nicht aufhören nach Gott zu rufen, ist die Jahreslosung reiner Trost.

Was für ein Durst! – Was für ein Durst?

Trink, es gibt doch genug.

Trink, was das Herz begehrt, kühl & prickelnd & süffig, heiß & anregend & lecker,
genug, was genussvoll den Durst stillt – eine Zeit lang.

Stillt auch, was dein Herz begehrt?

Wasser und Wein – Fest und Alltag, jedes zu seiner Zeit.
Der aber sagt Wasser, nicht Wein – hey schade!
Warum nur so nüchtern?
Fürs Leben, das dein Herz begehrt, jenseits von Stimmung und Rausch
fließt dir zu das klare, das wahre Labsal aus der Quelle
Der Wirt, der gute, schenkt dir voll ein – umsonst.

Umsonst ist nichts, heißt es, umsonst ist nichts wert. So scheint es oft wirklich.
Umsonst aber kann es nur geben, was für kein Geld der Welt zu haben ist.
Umsonst nur bekommst du geschenkt, voll, gratis, nach Art des Wirts – aus Lust und Liebe.

Was ganz Kostbares, richtig teuer, den edelsten Tropfen,
einfach himmlisch, aus der Quelle lebendigen Wassers.

Verkoste ihn genussvoll, heute – morgen – immer, verkoste, was dein Herz begehrt,
göttlich geliebt, ersehnt, geheiligt – Du.

Pfn Verena Engels