Klima der Angst – Klima der Hoffnung

Gute Lektüre mit unserem Kurseelsorge-Artikel (in Ausgabe Nr. 20, der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 25. September 2019)!

Klima der Angst – Klima der Hoffnung

Liebe Leserin, lieber Leser,

zur Zeit ist viel vom Klima die Rede. Vom Klima, das sich erwärmt und unsere Lebensbedingungen verändert:  bedrohliche Szenarien…  Vom politischen Klima z. B. zwischen Europa und den USA. Vom Klima des Nationalismus innerhalb Europas. Vom Klima zwischen neuen und alten Bundesländern. Und was für ein Klima herrscht in der Kirche vor?

Prognosen machen Klima

Laut jüngster Freiburger Studie soll sie in 30 Jahren nur noch halb so viele Mitglieder haben. Das klingt, als ob bald der letzte geht und das Licht ausmacht… Klima – Politik – Kirche: gewaltige Herausforderungen! Ob wir auf sie hoffnungsvoll und aktiv reagieren können, hängt stark vom Klima in unserem Herzen ab. Und das lässt sich beeinflussen. Z.B. mit einem Blick hinaus in die Natur, wo auf den abgeernteten Feldern bereits die neue Saat ausgebracht ist. Davon handelt ein berühmtes Gleichnis von Jesus:

Warum schmeißt er’s überall hin?

Bild: Martin Manigatterer
In: Pfarrbriefservice.de

„Ein Sämann ging aus zu säen. Und indem er säte, fiel etliches an den Weg. Da pickten‘s die Vögel auf. Etliches fiel auf felsigen Grund, wo es nur wenig Erde hatte. Es ging rasch auf, verdorrte aber unter der Sonne, weil es nicht tief wurzeln konnte. Etliches fiel unter die Dornen; die wuchsen mit auf und erstickten‘s. Etliches aber fiel auf gutes Land: da trug es reiche Frucht.“ (aus Matthäus 13)

 Er muss ‘s Land nehmen, wie’s ist

Inspiriert durch einen Text von Man-fred Fischer (ehem. Direktor der Evang. Akademie Bad Boll) lässt sich sich diese Geschichte fortschreiben:

Ein Sämann ging aus zu säen Menschenliebe und Gerechtigkeit. Es ist Jesus. Und indem er säte, fiel etliches auf meine Gleichgültigkeit, auf eingefleischte Gewohnheiten. Etliches fiel auf meine vielen Wenn und Aber, anderes traf nur meine Empörung über so viel Ungerechtigkeit in dieser Welt. –  Er säte weiter…

…trotzdem, jetzt grad erst recht!

Etliches fiel auf meine Interessen, anderes auf Ehrgeiz und auf Eitelkeit, einiges auf meine Wehleidigkeit und was ich so tu um mich abzuschotten. Er säte weiter… Etliches fiel durch meine Vorurteile und felsenfesten Überzeugungen hindurch in mich hinein. Fiel so tief, dass es guten Boden fand jenseits meiner Dornen und Steine. Es keimte und meldete sich zum Leben; ging auf in Berührtsein und Erschütterung, in die Bereitschaft umzudenken und umzukehren; wuchs im Licht der Gottesliebe und ihrer verändernden Kraft.

Es wird gesät voller Hoffnung…

Menschen zu begeistern, in Bewegung zu bringen: Längst hat Jesus von seinem Saatgut reichlich ausgeteilt. Hat zahllose Leute hinter sich und an der Seite, die mit ihm säen, gießen und düngen, hegen und pflegen, was da wächst. Das Ganze geht meist wenig spektakulär vor sich. Auch fällt beim Säen etliches durch die Hand: ungeschickte Bewegungen, ungeschickte Worte, ungeschickte Aktionen…

…es geht allerhand daneben.

Etliches fällt auf harten Boden, auf eingefahrene Wege. Fällt in die Urlaubszeit, in Baupläne, Berufswechsel, Grillfeste – es geht einfach unter. Etliches fällt auf Fels und Beton, auf Abwehr und Verbitterung, auf versteinerte Seelen, erstarrte Gefühle – es prallt einfach ab. Etliches fällt in Angst und Verzweiflung von Menschen –

„I want You to panic like me!“
Greta Thunberg, Fridays for Future, fällt in Enttäuschung und Schmerz, in Trauer, in die Sehnsucht nach Liebe, nach Gerechtigkeit – und beginnt zu leben, zu pulsieren mit einer neuen, ganz wunderbaren Kraft. Verstellte Horizonte öffnen sich –

…es trägt Frucht.

Ich seh den Sämann weitersäen, und viele mit ihm. Zwischen Dornen und Disteln, Fels und Asphalt finden sie fruchtbares Land. Finden in mir und in anderen genug, das sich lohnt: etwas wie lebendige Erde, Potential zum Wachsen, Blühen, zum Gedeihen. Wo die Saat aufgeht, entsteht ein Klima der Hoffnung. Und es lässt sich – wider alles Bedrohliche – Glauben finden, Vertrauen wagen.

(Für diese Mut-Gedanken DANKE an Pfarrer Achim Bellmann, Murrhardt.)

Allen Segen für die gute Saat in Ihrem Leben wünscht Ihnen

Verena Engels-Reiniger