Hilft beten?

Hilft beten? …so lautet der Titel des Kurseelsorge-Artikels in Ausgabe Nr. 09 der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 25. April 2018.  – Gute Lektüre!

Früher war diese Frage (ob beten hilft?) eigentlich gar keine Frage. Dass Menschen in Beziehung zu ihrem Gott stehen, war eine Selbstverständlichkeit. Und dass man mit diesem Gott redete, war völlig normal. Viele moderne Menschen gehen etwas skeptischer an die Sache ran und fragen zuerst einmal: Hilft das überhaupt, das Beten?

Ein amerikanischer Arzt sagt: JA! Und er will es sogar wissenschaftlich beweisen können. – Wer ist dieser Gebetsforscher?

Er heißt Professor Dr. Mitchell Krucoff, 52 Jahre alt, Herzspezialist Duke-Universität in Durham (USA). Krucoff ist gläubig; er sagt von sich selbst, er bete vor jeder Operation, direkt am OP-Tisch, und wenn es nur ein, zwei Sätze sind. Aber der Doktor betet nicht allein, er lässt auch beten. Für seine wissenschaftlichen Studien beauftragte er Menschen in aller Welt, für bestimmte seiner Patienten Fürbitte zu halten. Dazu schickte er den Betenden die Namen und Krankheits-Infos der Herzkranken.

Gebete rund um den Globus

Doch nicht nur Christinnen und Christen hat Mitchell Krucoff angeschrieben. Für sein Experiment wurde in katholischen Klöstern und buddhistischen Tempeln gebetet. Gläubige Juden schrieben die Daten der Kranken auf kleine Zettel und stecken sie in die Klagemauer, Moslems riefen Allah um Hilfe an.

Wie bei medizinischen Studien üblich, bekam allerdings nur ein Teil der Patienten das „Medikament“ Gebet verabreicht. Für andere wurde nicht gebetet – wegen der Vergleichbarkeit. Insgesamt nahmen 750 Herzkranke an dem Versuch teil. Damit das Ganze auch streng wissenschaftlich zuging, wussten weder die Patienten noch die Ärzte, für wen gebetet wurde. Nicht einmal Krucoff selbst war eingeweiht.

Deutlich messbares Ergebnis

Nun hört sich das alles nach ziemlichem Unsinn an. Als wenn man die Wirkung von Gebeten einfach messen könnte! Das Ergebnis des Experimentes ist trotzdem verblüffend: Fast alle Menschen (93%), für die gebetet wurde, hatten einen besseren Heilungsverlauf als die Gruppe, die ohne Gebete auskommen musste. Der positive Effekt sei auch noch sechs Monate nach der Behandlung deutlich messbar, sagt Dr. Mitchell Krucoff.

Er ist übrigens nicht der Erste, der behauptet, man könne die Wirkung von Gebeten messen. Vor einiger Zeit kam eine Studie der Universität Columbia zu einem ähnlichen Ergebnis. Und immer wieder berichten Ärzte von unerklärlichen Spontanheilungen bei medizinisch hoffnungslosen Fällen. Eine mögliche Ursache: Gebete können helfen, das Immunsystem des Körpers zu stabilisieren.

Dein Glaube hat dir geholfen

All das wird harte Gebets-Skeptiker natürlich nicht umstimmen können. Und tatsächlich muss man auch sehr vorsichtig umgehen mit solchen „wissenschaftlichen“ Erkenntnissen. Selbst wenn man damit statistisch etwas nachweisen kann, so hat man noch nicht verstanden, was da eigentlich passiert. Und vor allem: Gebete zu Gott „funktionieren“ nicht wie ein Kaugummi-Automat – oben das Gebet rein, unten kommt der erfüllte Wunsch raus.

Warum die Gebete scheinbar trotzdem wirken, kann auch Experte Mitchell Krucoff nicht sagen – obwohl er sich schon 15 Jahre wissenschaftlich damit beschäftigt. Er vermutet irgendwelche positiven Energien, die das Beten auslöst. Von Wundern will er allerdings nicht sprechen – schließlich ist es für ihn völlig normal, dass Gebete helfen. Was sagte nochmal Jesus, nachdem er einen Blinden geheilt hatte: „Geh hin, dein Glaube hat dir geholfen.“

Auf diesen Artikel aus „konfiweb“ bin ich vor vielen Jahren gestoßen. Er kam mir Mitte April wieder in den Sinn, im Rahmen der Vorbereitung auf die Firmung. Denn wie jedes Jahr steht dort, mit dem Glaubensbekenntnis, ein Gebet im Zentrum; und damit auch die Frage, was Beten bedeutet? Allgemein – und ganz konkret für junge Menschen.

Für mich bedeutet es, in einen Dialog zu treten. D.h., so mit Gott zu reden, wie ich es mit einem Mitmenschen mache; ‘nur’ dass Gott anders zu Gehör kommt. Vielleicht trifft das Wort ‘Begegnung’ ganz gut was ich damit meine. Also: Sich nahe zu kommen; lernen, einander zu entdecken und zu verstehen. Gott mich und ich Gott. – Machbar ist das nicht. Dialog oder Begegnung so gesehen, ereignet sich. Ich kann mich lediglich dafür öffnen.

Raimund Miller, Kurseelsorger

PS: Danke an Euch, ‘meine’ Jugendlichen – für Eure Offenheit und Euer Gebet (siehe oben)