Herbst – so bunt…

Gute Lektüre mit unserem Kurseelsorge-Artikel (in Ausgabe Nr. 22, der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 24. Oktober 2018)!

Herbst – so bunt kann das Leben auch im Alter sein

Herbst: Für manche die schönste Jahreszeit.                               (Bild aus: www.kirche-und-religionsunterricht.de)

Am Herbst spalten sich vielfach die Gemüter. Die einen mögen ihn nicht, weil sie darin den Vorboten des Winters sehen. Die anderen lieben ihn wegen seiner schönen Farben und halten ihn für die schönste Jahreszeit. Immerhin gibt uns der Herbst immer wieder Anlass über unser Leben nachzudenken. Vergänglich wie seine Pracht ist auch dies. Wir wollen es ungerne wahrhaben, aber daran führt kein Weg vorbei.

Es gibt den Spruch: „Alt werden will jeder, aber nicht alt sein“. Und da können wir wahrscheinlich fast alle von Herzen mitsprechen. Alt werden hat etwas mit „Verantwortung“ abgeben zu tun. Und das fällt vielen von uns schwer. Wir alle wollen gebraucht werden und keine Aufgabe mehr zu haben, kränkt uns. Aufs Altenteil gehen die wenigsten gerne und ich stelle es mir auch schwer vor, wenn man z.B. in der Landwirtschaft auf dem Hof sitzt, auf dem man seither das Sagen hatte, und zusehen muss, wie es die Jungen machen – zum Teil ganz anders als man es selbst für richtig hält.

Unter uns Pfarrerinnen und Pfarrer gibt es deshalb ein ungeschriebenes Gesetz: im Ruhestand bleibt man nicht in dem Ort, in dem man zuvor jahrelang als Pfarrer/in gewirkt hat. Ich persönlich finde, das ist wichtig, vor allem für die, die uns nachfolgen. Sie sollen freie Hand haben und ohne den strengen Blick der Vorgängerin ihre Rolle als Pfarrer oder Pfarrerin ausfüllen können. Gut ist das auch für die, die geht: mitzuerleben, wie der so lieb gewordene Arbeitszweig einschläft oder wie die Nachfolgerin die Sachen ganz anders anpackt, kann durchaus schmerzhaft sein oder Ärger hervorrufen. Solche Konflikte (und seien es nur innere) bin ich entschlossen zu vermeiden.

Ich bin mir aber auch im Klaren, dass ein Wegzug aus der Gemeinde (in einigen Jahren steht er an), mein Leben komplett verändern wird: ich gehe an einen neuen Ort und lasse nicht nur gewachsene Beziehungen zurück, sondern auch meinen Status als Pfarrerin und meine Aufgabe. Ich stelle mir vor, dass das gar nicht so leicht ist.

Deshalb überlege ich mir heute schon: wie ich dann mein Leben füllen will, damit mein Lebensherbst nicht einsam, trist und traurig wird?

Ich werde mir in neuer Umgebung neue Aufgaben und Herausforderungen suchen müssen, aber ich habe auch schon eine Reihe von Ideen, was ich dann tun (und lassen), wo ich Sinnvolles oder einfach nur Schönes machen will. Ich bin entschlossen, den Herbst meines Lebens in seiner ganzen Buntheit zu genießen.

Vielleicht ist das leichter, wenn man wegziehen kann, als wenn man bleiben muss – auf dem Ausgeding zum Beispiel. Aber auch da hat jeder die Möglichkeit, das Alte abzuschließen und sich Neuem zuzuwenden – und den Jungen nichts ins Handwerk zu pfuschen.

Der Herbst – manche mögen ihn nicht, weil sie darin den Vorboten des kargen Winters – des kargen Alters sehen. Aber jede und jeder von uns, hat die Möglichkeit, den eigenen Lebensherbst zu gestalten, davon bin ich fest überzeugt.

Lassen Sie sich also anregen von seiner farbenprächtigen Vergänglichkeit – und vergessen Sie auch nicht, Ihr Haus zu bestellen und winterfest zu machen. Auch das ist unsere Herbstaufgabe – was die Natur und was das Leben angeht.

Herzlich grüßt Sie,

Barbara Vollmer