Hätt mich ja sehr gewundert!

„Hätt mich ja sehr gewundert!“ …so lautet der Titel des Kurseelsorge-Artikels in Ausgabe Nr. 10 der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 09. Mai 2018.  – Gute Lektüre!

 

„Hätt mich ja sehr gewundert!“ – Liebe Leserin, lieber Leser,
so kommentiert mein Partner, wenn ich das Nudelwasser überkochen lasse (in 90 % der Fälle) Kein Wunder, wenn man – na, Sie wissen selbst, wie das (schief) gehen kann beim  Kochen. Und sonstwo. „Kein Wunder“ sagt man sogar mit gewisser Befriedigung. Obwohl es oft die gewohnte Unzulänglichkeit gewisser Mitmenschen bestätigt. Man also Recht hatte, gar nichts Besseres zu erwarten. Immerhin blieb die eigene Einschätzung des realistisch Erwartbaren zuverlässig. Trotzdem ist zu beobachten:

Wunder haben wieder Konjunktur

…in der Postmoderne. Schon umgangssprachlich: Hieß es früher „Prima! Klasse! Sehr gut! Schön! Ausgezeichnet!“, wenn’s (endlich) klappte. Wenn etwas (ggf. nach einiger Mühe) gut gelungen war – hör ich heute „Wunderbar!“ Alles, was mit den eigenen Wünschen, Plänen und Vorstellungen übereinstimmt, findet man wunderbar. Oder – schwingt da unterbewusst die Verwunderung mit, dass doch immer wieder „klappt“/ real wird, was man alleine so nicht hätten hinkriegen oder lösen können?

„Wunder gibt es immer wieder…“

singt der alte Schlager, „heute oder morgen können sie geschehn“: z. B. ein ganz unwahrscheinliches Wiedersehn oder Wiederfinden. Ein Liebesglück. Versöhnung. Oder ’ne gefährliche Situation geht glimpflich aus. Jede unerwartet glückliche Wendung empfindet man als einfach wunderbar!

Dabei waren doch jahrzehntelang Wunder total out!

Durch den Siegeszug von Wissenschaft und Technik galt jeder Glaube an Übernatürliches als überholt. Irgendwelche religiösen Wunder für wahr zu halten fanden aufgeklärte Zeitgenossen unzumutbar für rationales Denken. Was viele (zum Glück) nicht daran hinderte, wunderschöne Kirchenmusik zu singen oder zu hören. Über ihr steht soz. als Motto das Psalmwort „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!“

Gott tut Wunder. Im Präsens.

Und die Kirche hält daran fest. Bei genauem Hinsehen ist ja alles, was das Christsein begründet, wundersam: Weihnachten, Karfreitag und Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Für die säkulare Gesellschaft sind‘s willkommene freie Tage/ Urlaubszeit. Doch sehr fremd ist dem modernen Weltbild ihr Inhalt: tatsächlich

…mit Vernunft allein nicht zu fassen.

Ein Toter aus Fleisch und Blut wieder lebendig?! Unmöglich – oder Täuschung! „Aufgefahren in den Himmel“ –  Wo soll das sein? Wir haben um uns ein unermessliches Weltall! Und dann „Heiliger Geist als Windesbrausen + Feuerzungen, ungebildete Jesusleute sprechen plötzlich Fremdsprachen“ – irreale Wunschvorstellungen! Geradeso wie die in der Bibel erzählten

…Wunderheilungen von Jesus:

Wissenschaftlich unüberprüfbar. Unbewiesen – Genau! Das ist nicht zu leugnen. Wer immer diese Zeugnisse der Bibel infrage stellt, hat Recht!
Wir setzten sogar noch eins drauf: Wir singen, schon in der Kinderkirche, im Reli oder Kommunionsunterricht etc. auch folgendes Lied:

Alle Knospen springen auf, fangen an zu blühen. Alle Nächte werden hell, fangen an zu glühen… Alle Menschen auf der Welt fangen an zu teilen. Alle Wunden auf der Welt fangen an zu heilen… Aller Augen springen auf, fangen an zu sehen. Alle Lahmen stehen auf, fangen an zu gehen… Alle Stummen hier und da fangen an zu grüßen. Alle Mauern tot und hart werden weich und fließen: Augen sehen, Lahme gehen, Menschen teilen, Wunden heilen, Knospen blühen, Nächte glühen – Alle Knospen springen auf, fangen an zu blühen!“ (Wilhelm Wilms)

So wunderbar wie die Auferstehung Jesu – etc – ist der Frühling!

Klar kann man heute naturwissen-schaftlich erklären, was da wie vor sich geht. Aber  d a s s  es geschieht, ist trotzdem wundersam + wunderbar. Die Definition von Naturgesetzen und erstaunliche wissenschaftlich-technische Leistungen haben dem modernen Menschen die Illusion eingegeben, er könne die Welt letztlich völlig erklären und beherrschen. Der Glaube, die Ehrfurcht vor Gott sieht IHN überall am Werk: meistens gemäß den der Schöpfung innewohnenden Gesetzmäßigkeiten. Jedoch gelegentlich auch über diese hinaus.

Und genau das lässt hoffen

…über alles Negative, scheinbar hoffnungslos Festgelegte hinaus.

Eine gute Portion „unvernünftiger“ Hoffnung wünscht Ihnen,

Verena Engels