Grüß Gott!

…so lautet der Titel des Kurseelsorge-Artikels in Ausgabe Nr. 07 der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 29. März 2017.  – Gute Lektüre & ein herzliches Willkommen der neuen Autorin und Kurseelsorgerin für Bad Waldsee-Bad Wurzach, Verena Engels!

Liebe Leserin, lieber Leser,

zu meinem Dienstbeginn am 02. April auf der Kurseelsorge-Stelle hier ein paar „Angaben zur Person“:

Ich bin Jahrgang 1961 und mit 3 Geschwistern aufgewachsen in Ulm und Blaustein. Kirchengemeinde und religiöse Themen wurden mir von früh auf vertraut und wichtig, ebenso die Musik und das Lesen. Politisches interessiert mich, und ich muss möglichst täglich raus in die Natur. Meine Mutter lebt in Blaustein, mein Lebenspartner, ebenfalls Pfarrer, in Hayingen.

Nach dem Studium in Stuttgart, Göttingen und Kiel waren weitere Stationen Bad Herrenalb (Vikariat), Ev. Tagungsstätte Löwenstein/ Übergangswohnheim Weinsberg (Pfarrvikariat), dann als Gemeindepfarrerin in Murrhardt und zuletzt in Albstadt-Ebingen.

Jetzt bin ich positiv gespannt auf den neuen Berufs-/Lebensabschnitt hier, auf Land und Leute im Oberschwäbischen. Von vielen Seiten hab ich schon im Vorfeld ein so herzliches und hilfsbereites Entgegenkommen erlebt, dass ich ganz guten Muts sein kann.

Das Bild zeigt mich beim Erntedank-Familiengottesdienst 2016 in Albstadt-Ebingen

„Ach, nur der Anrufbeantworter!“

Jetzt gilt es, mich im Finkenweg 9 in Bad Waldsee wohnlich einzurichten, mit den Menschen in Kontakt zu kommen, die „Einsatzorte“ Rehakliniken, Kirchen etc. zu erkunden. Und der „AB“, das unentbehrliche Hilfsgerät, braucht wieder ‘ne passende Ansage… Ja, ich weiß, manche mögen das Ding nicht so gern. Grade deshalb soll, wer mich anruft, wenigstens eine nette Begrüßung zu hören bekommen.

Was ist da nun das Richtige? „Guten Tag…“ – klingt korrekt, aber in unserer Gegend ziemlich förmlich. „Hallo…“ – diese Allerweltsfloskel ist eventuell zu flapsig je nachdem, was ein Anrufer auf dem Herzen hat.

Also „Grüß Gott…“ – wie finden Sie das? Wäre bei Pfarrers ja nicht ganz fehl am Platz und ist hier im Süddeutschen – noch – einigermaßen üblich. Doch gilt’s zu bedenken, dass die Reha-Patienten von überall her sind. Fragt sich, ob „Grüß Gott“ nicht in manchen Ohren allzu leutselig und behäbig fromm klingt. Das möchte ich auf keinen Fall – wär‘ schade um den sinnigen Gruß!

Denn er hat‘s in sich… Wörtlich heißt es ja „Grüß dich Gott“, längst verkürzt auf „Grüß dich!“ Meine frühere Sekretärin machte mir erst die wahre Bedeutung bewusst: Auf mein „Grüß dich, Alice!“ antwortete sie konstant „Dich auch“, bis ich endlich begriff: das heißt ja eigentlich „Gott grüße dich“. In der Begegnung soll also auch ein Gruß von Gott zu dir rüberkommen. Bei unserem Zusammensein, wie kurz auch immer, soll etwas Freundliches, eine Aufmerksamkeit „von oben“ drinstecken.

Die 4. Dimension im Spiel…

Damit kommt die vierte Dimension ins Spiel! Normalerweise bewegen wir uns irdisch, in Raum und Zeit, ja sozusagen in 3D. Auf rein menschlicher Ebene gehen wir mal so, mal so miteinander um. Dann aber „Grüß dich Gott“ – ok, es ist ein frommer Gruß. Doch „fromm“ meint ursprünglich einfach, was gut ist und wohltut. Und so bringt dieser Gruß quasi den Impuls 4D: Hey, auch der „ganz Andere“ ist präsent, Gott ist insgeheim da zwischen uns. Ob bewusst oder nicht, das eröffnet die „ganz andere“ Perspektive. Im besten Fall klärt und wärmt sich mir der Blick auf mein Gegenüber. Egal wie zufällig oder absichtlich, wie gern oder weniger wir zusammengetroffen sind, es geht achtsam und respektvoll zu. Wir haben die Chance, dass eine gelungene Begegnung draus wird.

Na, das Fazit ist klar, für meinen Gruß auf AB und wenn wir uns begegnen: Grüß Gott!  Wir wissen, was beziehungsweise wer „dazwischen steckt“…

Es grüßt Sie herzlich,

Verena Engels,

Pfarrerin für die Kurseelsorge in Bad Waldsee und Bad Wurzach