Glück und Schmerz im Zeichen der Rose

…so lautet der Titel des Kurseelsorge-Artikels in Ausgabe Nr. 12 der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 07. Juni 2017.  – Gute Lektüre!

Der Juni lässt Rosen erblühn in herrlicher Vielfalt! Schon lange gilt die Rose als besonders edel, sozusagen als Königin der Blumen. Daher schenkt man sie zuweilen einzeln und zu besonderer Gelegenheit: als Dankeschön, oder um Künstlern Ehre zu erweisen – oder wie’s ein Schlager so treffend besingt „schenkt man sich Rosen in Tirol, weiß man, was das bedeuten soll, man schenkt die Rosen nicht allein, man schenkt sich selber mit darein…“

Ach  L i e b e !  Und Leidenschaft …
– die Leiden schafft! Auf diese Kehrseite hat Goethe sein berühmtes „Sah ein Knab ein Röslein stehn“ gedichtet. Da heißt es: „Doch der wilde Knabe brach’s Röslein auf der Heiden; Röslein wehrte sich und stach, half ihm auch kein Weh und Ach, musst es schmählich leiden! Röslein, … Röslein rot, Röslein auf der Heiden“ – natürlich in Rot, Farbe der Liebe und Farbe des Bluts! Merkwürdig ist das und zwiespältig: Edle Schönheit, die auch verletzen kann, und kann doch nicht hindern, dass ihr Leid geschieht…

Warum tragen Rosen auch Dornen…
…warum ist bei der Liebe auch Leid? Liebeskummer, wenn Liebesfreud sich verkehrt in Liebesleid!  Oder wenn zwei, in Liebe verbunden, sich voll Vertrauen und Zuversicht zusammentun zur Ehe, zur Lebensgemeinschaft. Aber es gelingt ihnen auf Dauer nicht miteinander auszukommen, sie müssen sich trennen!
Oder das andere: dass der geliebte Mensch von einem gerissen wird durch Unglück, durch den Tod…

Schier unbegreiflich, warum beim Glück der Schmerz so nah ist! Das eine scheint geradezu im andern enthalten zu sein – jedoch zuweilen auch positiv: Was ertragen Menschen nicht alles, was tun sie nicht alles zur Unterstützung des andern, gerade in Ehe bzw. Partnerschaft, und in Freundschaften – um der Liebe willen! Was bringen Eltern nicht alles an Liebesmühe auf für ein krankes, ein behindertes Kind…! Was nehmen Menschen nicht freiwillig, ehrenamtlich alles auf sich an Problemen, Ungemach und sogar Gefahr, um zu helfen – aus Nächstenliebe! Rote Rosen mit Dornen, weil das Leben auf glückliche und dornige Wegstrecken führt. Aber auch, weil Leid wohl nur durch Liebe erträglich wird – möglicherweise mit der Zeit verwandelt…

Rosenfenster und Pieta in der Pfarrkirche St.Urban (DEU, Ebenweiler, 11.07.2015.) (c) Rolf Schultes.

RoseMarie – nicht nur ein Name…
…sondern eine tief symbolische Verbindung, wie Juni, der Rosenmonat, auf Mai, den Marienmonat folgt. Maria steht für ein geheimnisvolles Ineinander von Liebe und Schmerz: die gnadenreiche und zugleich die schmerzensreiche Muttergottes… Ihr gilt das Gebet des Rosenkranzes „Gegrüßt seist du, Maria“ denn ihr gebührt die Rose in beiderlei Sinn: Liebe war es, die sie Ja sagen ließ dazu, Gottes Sohn in sich zu empfangen und zur Welt zu bringen. Doch mit dieser göttlichen Erwählung betrat sie einen auch dornigen Weg… Gleich zu Beginn, da sie rein irdisch gesehen unehelich schwanger war und die Vaterschaft unklar. Ihr guter Ruf geriet in Zweifel: Wer mochte ihr schon die Botschaft des Engels Gabriel abnehmen?! Nur im Glauben ist solches zu fassen. Aber dann die Erfahrung großmütigster Liebe: Josef stellte sie nicht bloß, sondern stellte sich zu ihr und zu dem Kind! Bereits auf diese rettende Wendung ihres Geschicks passt das Lied „Maria durch ein Dornwald ging …Da haben die Dornen Rosen getragen, als das Kind ward durch den Wald getragen – Jesus und Maria.“

Dornen erblühen zu Rosen…
wo ein Mensch Christus in sich trägt. Das schier Untragbare verwandelt sich. Sind deshalb die Christrosen zu Advent und Weihnachten ohne Dornen? „Es ist ein Ros‘ entsprungen – ein Blümlein… mitten im kalten Winter… hat uns gebracht alleine Marie, die reine Magd“.
Als sie Jesus, gewiss unter Schmerzen, in armseligen Umständen geboren hatte, hörte sie im Tempel die Weissagung Simeons „Durch deine Seele wird ein Schwert gehen“ – Passion! Sie erfüllt sich im schmachvollen Ende des Erdenwegs Jesu: „Im Leiden sah Maria den Sohn, Kyrie eleison, er trug das Kreuz, die Dornenkron…“ Der Glaube Leben, hat Jesus sich dahingegeben Jesus und Maria“…

…Schmerz verwandelt sich
Für beide erklang „am dritten Tage“ ein neuer Vers:„ChristRose, Osterzeichen! Der Sanftmut dieser Blum/ tödlich Gewalt musst‘ weichen, die Winternacht ist um. O Wunder, Gottes Kraft/ bezwingt die Macht des Bösen, schenket, was Heil uns schafft.“ Maria die Mutter Jesu wird zwar nicht als Zeugin der Auferstehung genannt, gehört jedoch zum Kreis der Jünger, die den Heiligen Geist empfangen und hinaustragen: das Pfingstfest! Da blühen in den Gärten leuchtende Pfingstrosen. So zeigt die Natur von Advent bis Pfingsten die Rose als Zeichen für eine wundersame Verwandlung von Leid kraft der Liebe. Ob Martin Luther sie auch wegen dieser Symbolik zu seinem Wappen gewählt hat?

Möge Ihnen Glück und Freude blühen!

Verena Engels