Fasnet ade!

„Fasnet ade!“ …so lautet der Titel des Kurseelsorge-Artikels in Ausgabe Nr. 04 der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 14. Februar 2018.  – Gute Lektüre!

Sie, liebe Leserin, lieber Leser, werden’s bedauern – oder aufatmen…

Wie auch immer, das bunte Treiben, die Scharen in Häs und Maske bringen was Heiteres in den tristen Winter: Einfach ausgelassen feiern in großer Gemeinschaft, zumal vor der langen Fastenzeit – doch, dem kann ich was abgewinnen, wenn, ja, WENN mit Alkohol absolut Maß gehalten wird!
Vor allem aber in der Verkleidung mal jemand ganz anderes zu sein

das macht die Narrenfreiheit aus. Die ist herrlich – man hat sie gelegentlich nötig. Als Kind hab ich‘s genossen, mich zu verkleiden und mitten im Faschingstrubel zu sein. Doch ich erinnere mich, dass ich’s, so lustig es war, auch verwirrend fand unter all den sozusagen verfremdeten Leuten: Ich wusste eigentlich, am Heimatort stecken viele Bekannte hinter Häs und Maske. Aber es hat mich verunsichert, sie nicht zu erkennen. Immer wieder versuchte ich den einen, die andere festzuhalten, und fragte: „Wer bist du denn in Wirklichkeit?“Die entwischten mir natürlich und zogen lachend weiter – denn das ist ja grad der Reiz, unerkannt zu bleiben…

…zumindest nicht eindeutig erkennbar, nicht haftbar, wenn man sich unkonventionell gibt, nicht festgelegt auf die übliche Rolle, so wie einen alle längst zu kennen glauben… Dann kommt der Aschermittwoch. Da wird einem, ggf. mit dem Aschekreuz auf der Stirn, ernüchternd klargemacht: „Von Erde, Staub und Asche, bist du genommen, o Mensch, und zu Erde, Asche und Staub wirst du wieder. Sterblich bist du.

Mensch, wer bist du wirklich?

Also haben wir jetzt nicht nur wieder Alltag – jetzt ist die Passionszeit da. Würden die meisten von uns ja wohl lieber beiseitelassen, diese ernste, auch traurige Seite des Lebens… Geht aber nicht. Betrifft doch jeden. Holt uns ein. Passionszeit – in Wahrheit eine Chance: Wahr zu nehmen, was leiden macht, mich selber, und andere. Sich diese Zeit gönnen. Sich Raum und Gelegenheit suchen und schaffen, um zu erspüren, was schmerzt. Sorgen bereitet. Als Kränkung belastet. Unsre zwischenmenschlichen Beziehungen blockiert. Was ungelöst ist und drauf wartet, dass ich mich dem Problem zuwende. Mein Leben und Zusammenleben bedenke vom Glauben her, im Licht Jesu Christi.

Da inspiriert Dietrich Bonhoeffer…

…dessen Geburtstag in den Februar fällt, 4.2. 1906. Sein Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ tröstet und stärkt bis heute zahllose Menschen. Von Bonhoeffer gibt es ein weiteres, kaum bekanntes Gedicht ebenfalls aus der Haft. In äußerster Bedrängnis geschrieben, zeugt es von seiner Passion: Leiden. Großer Mut. Und tiefster Trost. Es ist ein kostbares Geschenk, wie das andere. Um uns zu stärken, zu ermutigen, sich selbst dieser Frage zu stellen. Und dem Leid im eigenen Leben – im Licht Jesu:

Wer  bin  ich?

Wer bin ich? – Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle gelassen,
heiter und fest wie ein Gutsherr
aus seinem Schloss.

Wer bin ich? – Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? –  Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stol,
wie einer, zu siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?

Unruhig, sehnsüchtig, krank wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen…

Wer bin ich? Der – oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein anderer?
Bin ich beides zugleich?
Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich?
Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin – Du kennst mich,
Dein bin ich, o Gott!

 

Eine gesegnete Passionszeit wünscht Ihnen,

Pfn. Verena Engels