Erlaubt ist … Urlaub

…so lautet der Titel des Kurseelsorge-Artikels in Ausgabe Nr. 18 der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 30. August 2017.  – Gute Lektüre!

Erlaubt ist … Urlaub
Als Kind hab ich gedacht, das Zauberwort „Urlaub“ müsse etwas mit Laub zu tun haben. Das „Ur-„ konnt ich zwar nicht  recht in Zusammenhang bringen mit den großen dicht belaubten Bäumen. Aber im Sommer unter einem herrlichen Blätterdach  im Wald Lägerle bauen und spielen, Tiere beobachten und wandern, rasten und vespern: das hat der Urlaub endlich Tag für Tag fast grenzenlos lang – erlaubt! Genau, von erlauben kommt nämlich das Wort, schon aus dem Mittelalter. Als Untertan musste man seinen Herrn, sei’s König oder Burggraf, Fürstbischof oder Zunftmeister, förmlich um Erlaubnis bitten, sich vom Ort entfernen zu dürfen und ihm somit eine Weile nicht zur Verfügung zu stehen.

Heute hat der Mensch gesetzlichen Anspruch auf Urlaub. Da geht ein entsprechender Antrag an den Vorgesetzten um Erlaubnis, für die einem zustehende Zeit nicht am Arbeitsplatz präsent zu sein. Und das bedeutet

Ich bin frei – ich hab frei!
Bin frei zu gehen, wohin ich möchte. Frei zu tun und lassen, was ich will. Vor allem  l a s s e n! Loslassen die vielen Pflichten. Bleiben lassen, wozu ich keine Lust habe (was aber halt sonst zum täglichen G’schäft gehört)! Liegenlassen, was soviel Mühe macht (aber im Alltag eben getan werden muss)

Stattdessen? In den Tag rein leben. Alles ganz entspannt angehen. Auch mal rumtrödeln in lockeren Klamotten, bisschen schlampern…

Ich höre noch den tief erleichterten Seufzer meiner Mutter (sehr pflichtbewusst!) im Familienurlaub aus ihrem Liegestuhl  „O ist das schön, einfach mal gar nichts tun müssen!“ Das sprichwörtliche ‚Dolce fare niente‘ – hat’s aber in sich! Da passiert eine Menge (eher unbewusst), nämlich schlicht: Erholung.

Erlaubt ist nur, was beliebt
Manche tun sich richtig schwer, sich überhaupt mal von Pflicht und Arbeit freizumachen. Denen muss Urlaub geradezu verordnet werden. Und zwar unter dem Motto „Erlaubt ist nur, was guttut. Spaß macht. Erlaubt ist, was dich den Duft der Freiheit schnuppern lässt. Freiraum bietet für das, worauf du wirklich Lust hast.

Mensch, du bist zur Freiheit bestimmt! Von höchster Stelle sozusagen, von deinem Ursprung her – ha, da hätten wir das „Ur-„„ doch noch zum „-laub“ gefunden: Erlaub dir ruhig von Zeit zu Zeit, ganz frei zu haben und frei zu sein.
Ich glaube, das ist…

… heutzutage ein Evangelium
Für alle, die sich plagen mit Zeitnot und Arbeitsverdichtung. Ständig unter Druck, Bestleistung zu bringen, sich zu beweisen, Erfolg vorzuweisen. Im Konkurrenz-kampf, unter der Angst den Posten zu verlieren. In dauernder Unsicherheit, ob man den befristeten Vertrag verlängert kriegt oder überhaupt eine Anstellung. Unter Umständen einen zweiten Job, weil so schlecht bezahlt wird, dass ein Lohn nicht reicht.

Damals zu Luthers Zeit hatten die Leute eine Heidenangst vor Fegefeuer und Hölle: Dass man vom himmlischen Richter dazu verdammt werde. Daher ein irrer Druck, Vergebung als „Nachlass“/ Ablass der Sündenstrafen zu erlangen. Und deshalb ein unablässiges Bemühen, sich mit Beten, Gelübden, Wallfahrten etc, Gottes Gnade verdienen zu müssen.

Demgegenüber die Wiederentdeckung der Reformation: Liebe wird nicht verdient. Gott ist kein Kaufmann. Vergebung wird geschenkt – einfach aus Güte, aus Gnade. Die gewährt der Souverän, Gott, aus Freiheit. Und – sie macht frei. Auch dazu, aus Lust und Liebe Gutes zu tun, wo man kann. Sich für andere bzw. für ‘ne wirklich wichtige Sache gelegentlich richtig reinzuhängen. Aber dann auch wieder Pause: freimachen! Frei haben!

Verdient?!?
Das können viele sich erst erlauben, wenn sie meinen es verdient zu haben. So nach dem Motto „Ein mords Pensum geschafft! Alle Anforderungen bewältigt, riesen Stress durchgehalten – jetzt klopf dir auf die Schulter, du hast dir Urlaub verdient!“ – Das ist eigentlich Quatsch. Frei hast du am Sonntag oder ersatzweise freien Tag, und gelegentlich Urlaub, weil du’s schlicht brauchst. Zum Aufatmen. Zu dir selbst zu kommen. Und eben – den Duft der Freiheit zu genießen, zu dem du von Gott ursprünglich bestimmt bist. Da herrscht nicht das „Muss“, die Pflicht, sondern das Dürfen.

Weil du dir deine Daseinsberechtigung nicht verdienen musst.

Die hast du längst so, gratis, von höchster Stelle: Weil es Gott gefällt, wenn‘s dir gut geht. Wenn du dich einfach am Leben freust, grade auch in deiner Freizeit.

Freizeit = Freuzeit
…das ist mein liebster „ Vertipper“ am PC. Läuft einfach gelegentlich rein in die Finger – und erinnert mich daran, dass das Leben reine Freude sein kann, besonders im Urlaub.

So wünsch ich es auch Ihnen!

Verena Engels