Ein neuer Altar für den Gottesberg

…so lautet der Titel des Kurseelsorge-Artikels in Ausgabe Nr. 19 der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 13. September 2017.  – Gute Lektüre!

In diesem Jahr feiert die Gottesbergkirche ihren 300. Weihetag. Nach fünfjähriger Bauzeit, wurde sie am 10.11.1717 geweiht. Einen Höhepunkt des Jubiläumsjahres 2017 stellte die Weihe eines neuen Altars am 10. September dar.

Warum ein neuer Altar?
Das „Markenzeichen“ der Gottesbergkirche ist die mächtige Kreuzigungsgruppe des Hochaltars. Sie zeigt die drei Kreuze von Golgotha, die begleitet wird von fünf weiteren Figuren: Maria, dem Apostel Johannes, Maria von Magdala, dem gelehrten Nikodemus und Josef von Arimathäa, der Jesus bestattet hat.

Unterhalb dieses von Johann Ruez (1678-1760) gestalteten Hochaltars befindet sich die sog. Altarmensa. An bzw. auf diesem Altar wurde bis 1996 die heilige Messe gefeiert.

Nach der grundlegenden Renovierung der Kirche im Jahr 1996 war es an der Zeit, für die Feier der Messe einen frei im Raum stehenden sog. „Volksaltar“ zu verwenden. Solche Altäre ermöglichen es, dass der Priester sich bei der Eucharistiefeier der Gemeinde zuwendet. Dadurch wiederum wird verdeutlich, dass die Eucharistie die Feier eines Festmahles ist, zu dem sich alle um den „Tisch des Herren“ – ein anderes Wort für „Altar“ – versammeln.

1996 wurde als Provisorium zunächst ein beweglicher Altar aufgestellt. Dank großzügiger Spenden ist es nun nach über 20 Jahren möglich, die Übergangslösung durch einen mit dem Boden verankerten Altar zu ersetzen.

Die Bedeutung des Altars
In katholischen Kirchen hat der Altar eine zentrale Stellung: Auf ihm wird die Eucharistie gefeiert. Auf unblutige Weise wird so das Erlösungsgeschehen von Golgotha vergegenwärtigt. „Vergegenwärtigen“ ist dabei kein „Nachspielen“, sondern macht Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des einmaligen Ereignisses von Golgotha präsent.

Vergangenheit: Bei der Feier der Eucharistie wird an die Ereignisse vom Abendmahlssaal und von Golgotha erinnert. Allerdings – und das meint Vergegenwärtigung – befindet sich die feiernde Gemeinde sozusagen mit im Abendmahlssaal und feiert gemeinsam mit Jesus und den Aposteln.

Gegenwart: Im Gottesdienst feiert die Gemeinde jetzt miteinander das Mahl Jesu. In den Gaben von Brot und Wein wird er gegenwärtig.

Zukunft: Die Eucharistie gibt einen Blick auf die „himmlische“ Zukunft frei. Jesus hat davon gesprochen, dass sich das Mahl mit den Jüngern einmal in Gottes Herrlichkeit vollenden wird. Auf dieses ewige Gastmahl bei Gott ist die Feier der heiligen Messe ausgerichtet. Deutlich wird dies, wenn die Gemeinde das dreifache „Heilig“ betet: Der Prophet Jesaja und der heilige Johannes sagen, dass schon jetzt die Engel vor Gottes Thron, das „Heilig“ singen. In dieses Lob Gottes stimmt die feiernde Gemeinde ein.

Der Altar von Rudolf Kurz
Für die Gestaltung des neuen Altars wurde ein Künstlerwettbewerb ausgeschrieben, den Rudolf Kurz aus Ellwangen gewonnen hat.

Die Verbindung zwischen dem Ereignis von Golgotha und der Vergegenwärtigung für heute ist auf dem Gottesberg besonders deutlich zu erkennen: Bei jeder Messfeier ist die Kreuzigungsgruppe des Hochaltars im wahrsten Sinne des Wortes im Blick.

Der neue Altar des Ellwanger Künstlers Rudolf Kurz in der Wallfahrtskirche auf dem Gottesberg in Bad Wurzach. (Bild: R. Miller, 06.09.2017)

Diese Verbindung unterstreicht der Altar von Rudolf Kurz: Auf einem roten Marmorsockel steht der rechteckige Altarblock aus warmem weißem Marmor. Oben auf der Altarplatte sind fünf Kreuze eingraviert. Sie symbolisieren die fünf Wundmale Jesu am Kreuz. Das Besondere des neuen Altars bildet allerdings die Darstellung der Seitenwunde Jesu auf der vorderen Altarseite: Der Künstler hat dazu auf der rechten Seite, genau in der Position der Seitenwunde Jesu und mit dem Hochaltar korrespondierend, eine Vertiefung eingegraben, die er nach unten bis zum Boden weiterführt (s. Bild). Mit Gold ausgelegt mündet der Strahl in einem neu in den Kirchenboden eingelassenen Reliquiengrab. Die Verbindung von Seitenwunde und Altar macht einen alten theologischen Satz sichtbar: „Aus der Seitenwunde Jesu entspringen die Sakramente der Kirche“.

Die Gemeinde feiert Eucharistie nie nur für sich, sondern immer in Verbindung mit den Verstorbenen, die schon bei Gott sind. Deshalb wurden früh die Altäre über den Gräbern von Märtyrern errichtet. In der Folge hat man in die Altäre Reliquien eingefügt, um die Verbindung zur „Kirche des Himmels“ zu betonen. Dies ist auch bei dem neuen Altar realisiert worden. Es freut uns, dass Reliquien von Heiligen eingebracht wurden, die wie die hl. Veronica (sie reichte Jesus das Schweißtuch) und der hl. Longinus (er führte als römischer Soldat den Lanzenstich aus) unmittelbar in einem Kontext mit der Kreuzigung stehen, bzw. wie die hl. Verena eine Verbindung zur Pfarrkirche St. Verena herstellen und wie der hl. Willibald die Nähe zum Haus Waldburg-Zeil betonen, dem ursprünglichen Stifter der Kirche.

P. Dr. Friedrich Emde, Salvatorianer
Gottesberg Bad Wurzach