Das Leben atmen – mit dem Segen des Hl. Blasius

…so lautet der Titel des Kurseelsorge-Artikels in Ausgabe Nr. 03 der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 01. Februar 2017.  – Gute Lektüre!

Eine Frage zu Beginn, liebe Leserin, lieber Leser: Essen Sie gerne Fisch?

Ich liebe Fisch! Es ist etwa her, dass es welchen gab, aber ich erinnere mich gut. – Ich die Dorade raus aus der Pfanne, schön mit dem Messer halbiert, Skelett entfernt und mir gedacht „alle Gräten draußen, Essen ohne Hindernisse, Genuss pur“! Soweit meine Vorstellung… Gut, geschmeckt hat´s mir am Ende wunderbar, aber nur deshalb, weil ich glücklicherweise die doch noch vorhandenen Gräten entdeckt hatte.

Schwein gehabt

In diesem Sinne hatte ich also nicht nur Fisch, sondern „Schwein“ gehabt. – Das hatte einer Blasius-Legende nach auch eine alte Frau, wie im folgenden Bild zu sehen (aus: bopfingen-evangelisch.de, Türe Herlin-Altar). Ein böser Wolf raubte ihr einziges Schwein, worauf sie sich Hilfe suchend an Blasius wandte. Dieser tröstete die Frau und versprach ihr, dass sie ihr Schwein bald wiederhaben haben würde. Und so geschah es denn auch: der Wolf brachte ihr das Schwein zurück. Wie das von statten ging und ob das wirklich so war – ist nicht so wichtig. Wichtig ist vielmehr, dass Blasius etwas Besonderes ausgestrahlt haben muss.

14 Nothelfer

Nicht umsonst wird er zu den vierzehn Nothelfern gezählt. Er muss so sehr von Gottes Licht erfüllt gewesen sein, dass er nichts als Frieden ausstrahlte. Den Legenden nach flüchteten sich sogar die Tiere in seinen Schutz. Diese Ausstrahlung hat vermutlich den Wolf das Schwein zurückbringen lassen. Sicher ist jedenfalls, dass die Menschen ihn deshalb zum Bischof gewählt haben; weil er mit ihnen lebte und sie heilte, indem er ihnen Frieden schenkte.

Freud und Leid

Doch zum Mensch sein gehört leider auch die dunkle Seite – wie das Zerstören von Leben durch Gewalt. Und wieso gerade eben jene Hass auf sich ziehen, die für den Frieden einstehen – es wird ein Geheimnis bleiben. Auch bei Blasius war es so: er wurde verfolgt und ins Gefängnis gesteckt. Aber selbst dort hin kamen die Menschen zu ihm. Wie die Frau, deren Sohn, aufgrund einer verschluckten Fischgräte, mit dem Tod kämpfte. Blasius legte ihm die Hände auf und rettete ihm so das Leben. Seither gilt Blasius als der Patron des Halses und Menschen erbitten seine Fürsprache bei Gott.

Stimmiges Leben

Das drastische Beispiel der Fischgräte, aber auch die schlichte Kälte heutiger Wintertage, sie machen uns deutlich, wie sehr wir verletzlich sind. Insbesondere am Hals bzw. der Kehle, dieser Engstelle unseres Körpers. Hier fließt unser Atem durch, weshalb die Kehle biblisch betrachtet als Sitz der Seele gilt. Kehle und Seele, beide heißen im Hebräischen gleich. Außerdem ist die Kehle der Sitz unserer Stimme, also das Organ, über das wir unserem Leben Ausdruck verleihen.

Atme das Leben

So lautet der Slogan eines bekannten Bonbonherstellers. Warum nicht genau das tun?! Am Fest des Hl. Blasius, über Erkältungen und Bonbons hinaus, das Leben atmen. Zumal Blasius auch der Fürsprecher all jener ist, denen Ängste die Kehle zuschnüren – und wir Gestalten wie ihn brauchen, die darauf hinweisen, achtsam zu leben, damit uns nicht die Luft ausgeht; Wegweiser, die uns im Notfall und im wahrsten Sinn des Wortes den Hals frei machen.

So wünsche ich Ihnen im Sinne des Hl. Blasius einen „langen Atem“ und Befreiung dort, wo es eng wird. Kommen Sie gut durch die Zeit,

Raimund Miller, Kurseelsorger

 

Glaubensinfo: Blasius-Segen

Der Blasius-Segen wird in der Regel in den Gottesdiensten an Lichtmess sowie am Blasius-Tag gespendet (02. und 03. Feb.), mittels zwei gekreuzten Kerzen und verbunden mit dem Zuspruch:

Auf die Fürsprache des Hl. Bischofs und Märtyrers Blasius bewahre dich der Herr vor Halskrankheiten und allem Bösen. Es segne dich Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. – Amen.