Das Franziskanerinnenkloster „Maria Rosengarten“ Wurzach

…so lautet der Titel des Kurseelsorge-Artikels in Ausgabe Nr. 09 der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 26. April 2017.  – Gute Lektüre!

„Im Oktober 1514, (also vor über) 500 Jahren, wurde das kleine Koster Maria Rosengarten gegründet. Schwestern aus verschiedenen Gemeinschaften führten diese Klostertradition mit einer längeren Unterbrechung bis 2007 fort“ (Gisela Rothenhäusler). Nun wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Der Rosengarten wird für die Allgemeinheit zugänglich. Umso mehr lohnt deshalb ein Blick in die Geschichte dieses Hauses und der mit ihm verbundenen Menschen:

» Stifterin des Klosters war Truchsessin Helena von Waldburg… Nach schweren Schicksalsschlägen holte sie die päpstliche Genehmigung zur Klostergründung ein (1513), erwarb einen Platz nordöstlich vor der Stadt bei der Pfarrkirche und ließ dort ein Schwesternhaus errichten. Sie dotierte es mit jährlichen Zinseinkünften von ihrer Morgengabe. Auch ihr Sohn Truchsess Georg III., der „Bauernjörg“, vermachte dem Kloster einen ewigen Zins… Im Übrigen sollten die Schwestern ihren Lebensunterhalt durch Weben verdienen. Auch durften sie drei Stück Vieh und drei Schweine auf der Gemeindeweide halten. Sie waren von aller Obrigkeit der Stadt und der Herrschaft und allen Lasten befreit. Es war ihnen aber nicht gestattet, Immobilien oder unablösbare Zinse in der Stadt und der Herrschaft Wurzach zu erwerben. Die Stifterin trat 1514 selbst in ihr Kloster ein und brachte vier Schwestern aus Leutkirch und Kißlegg mit, starb aber schon im folgenden Jahr.

Das Kloster, in Urkunden nur „Klause zue Wurtzen“ oder „Klause im Rosengarten zue Wurtzen“ genannt, kam durch den Fleiß der Schwestern, sparsame Haushaltsführung, weitere fromme Schenkungen und den Umstand, dass die eintretenden Schwestern ihr Erbteil dem Kloster zubrachten, zu bescheidenem Wohlstand. Die Schwestern selbst führten ein Leben in persönlicher Armut. Sie betrieben eine kleine Landwirtschaft, verkauften Webarbeiten, Wachskerzen, Hostien und Konfekt, pflegten Kranke und erteilten der weiblichen Schuljugend Unterricht. Nach den schrecklichen Leiden und Zerstörungen des 30-jährigen Krieges dauerte es Jahrzehnte, bis das Klostergebäude instandgesetzt war und wieder geregelte Verhältnisse einkehrten. 1711 ließen die Schwestern mit Erlaubnis des Bischofs von Konstanz eine eigene Hauskapelle einbauen, die 1717 zu Ehren der hll. Joseph, Elisabeth, Franziskus, Antonius von Padua und Klara konsekriert wurde (s. Bild / Patrozinium am 19. Nov.). Unter der energischen Oberin Helena Soldin erfolgte 1763 eine fast vollständige bauliche Erneuerung… Auch die Kapelle wurde im Rokoko-Stil neu ausgeschmückt…

Die wirtschaftliche Lage des Klosters blieb bis zur Säkularisierung gut… Am 25. Juli 1806 hob Fürst Eberhard von Waldburg-Zeil-Wurzach das Kloster auf und zog die Güter und Einkünfte an sich, beließ aber deren Verwaltung und Nießbrauch bis auf weiteres den Schwestern. Der Konvent bestand damals noch aus zwölf Schwestern… Nach der wenig später durchgeführten Mediatisierung des Hauses Waldburg bestritt der württembergische Staat die Rechtmäßigkeit (dieser Aufhebung) und erhob seinerseits Anspruch auf das Klostervermögen. Im Ausgleichsvertrag (von) 1812 konnte die Standesherrschaft Wurzach ihre Ansprüche jedoch weitgehend durchsetzen… Die Schwestern durften weiter im Kloster wohnen… (Das letzte Mitglied dieses franziskanischen Konvents,) Crescentia Leonhardt, starb 1849.

1855 bezogen die Schulschwestern vom Hl. Kreuz (aus Menzingen in der Schweiz) das Klostergebäude und übernahmen die Leitung der städtischen Mädchenschulen. Da ihnen als ausländischen Ordensleuten durch einen Regierungserlass der Aufenthalt in Württemberg untersagt wurde, kaufte 1863 die Kongregation Unserer Lieben Frau (Arme Schulschwestern) zu Rottenburg das Kloster von der Standesherrschaft und richtete eine Mädchenschule ein, die sich erfolgreich weiterentwickelte. Bis 1991 unterhielten die Armen Schulschwestern im ehemaligen Frauenkloster eine Hauswirtschaftliche Berufsfachschule. «

Rudolf Beck,

Leiter des Waldburg-Zeil´schen Gesamtarchivs in Schloss Zeil

Artikel für hier gekürzt aus: Württembergisches Klosterbuch, 2003, S.523f.
– Besten Dank an Herrn Beck für die Abdruckgenehmigung, an Frau Rothenhäusler für ihre Hilfe und an Herrn Tapper für das Bild!
Darüber hinaus herzliche Einladung zum Vortrag über „die Geschichte des Hauses“ von Gisela Rothenhäusler, am So., 30.04., um 14:30 Uhr, im Sitzungssaal; sowie zu den Andachten in der Hauskapelle, am 30.04. und 01.05., jeweils um 14:00 und 16:00 Uhr!
Raimund Miller, Kurseelsorger