Buße tun?

Gute Lektüre mit unserem Kurseelsorge-Artikel (in Ausgabe Nr. 24, der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 21. November 2018)!

Buße Tun?

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Buß- und Bettag in der 2. Novemberhälfte war mal staatlicher Feiertag – erinnern Sie sich? „Buße tun“ – altmodisches Wort! Dürfte out sein. Etliche Zeitgenossen schütteln sowieso den Kopf, wie altmodisch es bei der Kirche oft immer noch zugeht.

Nun, die christliche Botschaft kommt von alters her… Manche wären da schnell beim Aussortieren. Doch langsam! Sind die Worte und die Formen, in denen sich unser Glaube ausdrückt, nicht sozusagen Antiquitäten?
Also vielfach Kostbarkeiten erster Güte!

Ja gut, aber ausgerechnet das mit der Buße?! Heutzutage kennt man noch die Geldbuße – ärgerlich! – für Gesetzesverstöße. Ok, das Zusammenleben muss geregelt werden, ggf. mit Strafen für Fehlverhalten. Mensch ist nun mal Egoist. Tut und lässt, was ihm bequem – und andern gelegentlich schadet. Drum braucht’s zum Gesetz auch ganz weltlich die Androhung von Strafe, ggf. mit einer Buße. Aber, so finden die Befürworter einer strikten Trennung von Kirche und Staat. keinen Buß- und Bettag als offiziellen Feiertag, Trotzdem, wir Evangelischen halten dran fest. Sind wir uns doch klar – und übrigens auch mit vielen Katholiken einig: Kritische Selbstprüfung ist ab und zu dran

Für mich persönlich, für uns als Gemeinde – Kirche – Gesellschaft. Also nachdenken über die Richtung des eigenen Lebens, statt nur dahinzutreiben, oder sich treiben zu lassen, im Strom des Alltags – STOPP! „Wir sollten bereit werden, uns unterbrechen zu lassen.“ (D. Bonhoeffer) Zum in sich gehen. Hat der Mensch gelegentlich nötig. Ok, aber dann? Falls einem schwant „Da stimmt was nicht bei dem, wie ich lebe, was ich so tu und lasse“: Gesteht man sich das ehrlich ein, was dann? „Buße tun!“, würde Jesus empfehlen. Lehrt demzufolge die Kirche (ganz altmodisch). Luther sagt sogar: „Eines Christen Leben ist tägliche Buße“ TÄGLICH ???

Buße tun heißt Umkehren – in die offenen Arme Gottes

O’Ton Luthers Kollege, Reformator Johannes Brenz 1556 in seinem Katechismus (noch so ein altmodisches Wort) – Ist das nicht ein wunderbares Wort?! – Dahinter steht eins der berühmtesten Gleichnisse von Jesus, das traditionell „Der verlorene Sohn“ genannte, Sie werden es kennen: Wie der Jüngere von zwei Söhnen noch zu Lebzeiten des Vaters das ihm zustehende Erbe verlangt und es bekommt. Fort vom Elternhaus will er, sich’s richtig gutgehen lassen.

Scheitert jedoch, weil er nur in kurzfristige, teils zweifelhafte Vergnügungen investiert hat, statt sich etwas für ein dauerhaftes Glück aufzubauen. Er landet bei den Säuen. Dort am Tiefpunkt, wird ihm bewusst, dass es nur e i n e n  Weg aus dem Elend heraus gibt: Zurück zum Vater. Er bricht auf, ihm ist sehr klar, was er höchstens noch zu erwarten hat. Und dann wird er – so total anders empfangen… Eine unwahrscheinliche Geschichte! Schildert den Weg des Menschen fort von Gott, in die Freiheit absoluter Selbstbestimmung. Und Gott?

Gott lässt den Menschen frei

Über Höhen, durch Tiefen führt sein Weg wieder hin zu Gott. Und dort wird er, statt mit Strafe oder Moralpredigt, mit offenen Armen empfangen. Und es gibt ein Freudenfest! – Was bei einem Menschen da in Sackgassen des Lebens, in äußerster Krise, anTiefpunkten vor sich gehen kann – nennen Sie es Sinneswandel… Umdenken… Bewusstseinsänderung – das ist Buße: Sich hinwenden zu Gott – und bei ihm offene Arme finden. Die Türe offen. Die Zukunft offen.

Die Chance des Neubeginns.

Und diese Chance: nicht festgelegt zu bleiben auf eine verkehrte Richtung, auf Irrtum, Fehlverhalten und Schuld – diese Chance ist doch eine Kostbarkeit erster Güte, oder?

Übrigens hier noch der ganze Spruch:  „Buße tun heißt umkehren in die offenen Arme Gottes. Dazu gehört, dass wir unsere Sünden erkennen und bereuen; sie vor Gott, und in manchen Fällen auch vor den betroffenen Menschen, offen aussprechen; um Vergebung bitten und unser Leben ändern im Vertrauen auf Gottes erneuernde Kraft.“

Zugegeben, es ist für Konfirmanden nicht ganz einfach, das auswendig zu lernen. Doch den ersten Satz haben sie sich erfahrungsgemäß immer ganz schnell gemerkt. Wenn sie nur d e n  behalten, ist schon viel gewonnen. Und dazu das berührende Bild der offenen Arme des barmherzigen Vater-Gotts: damit bewahren sie sich für ihr Leben eine Kostbarkeit erster Güte von den altmodischen – nein, alt-ehrwürdigen „Antiquitäten“ des christlichen Glaubens.

Übrigens, von wegen „Vater-Gott“: Auf Rembrandts berühmtem Bild von der Heimkehr des verlorenen Sohns sind  Hände wie Gesicht des umarmenden „Vaters“ ganz deutlich halb männlich, halb weiblich gemalt: Gott väterlich-mütterlich in unermesslicher Liebe den Menschen zugewandt. Die auf all ihren Irr- und Ab- und Umwegen vor allem das eine nötig haben, um zu wirklich neuem, glücklichem Leben zu kommen: Erbarmen.

Das Glück wünscht Ihnen,

Verena Engels-Reiniger