Auf der Spur der „guten Christen“

Auf der Spur der „guten Christen“ …so lautet der Titel des Kurseelsorge-Artikels in Ausgabe Nr. 05 der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 28. Februar 2018.  – Gute Lektüre!

Es gibt Photographien, denen man nicht traut, bis man das Motiv selbst gesehen hat. Zum Beispiel die Burgen der Katharer im Süden Frankreichs. In schwindelnder Höhe ragen sie in den Himmel und erwecken Neugier auf ihre Geschichte. –

Diese Burgen sind Zeugnisse einer dramatischen Epoche des Mittelalters: der gewaltsamen Eingliederung Okzitaniens, des französischen Südens, in den sich formierenden Zentralstaat. – Ausgelöst wurde die Entwicklung durch eine Häresie, die sich im 12. Jh. als Kirche der Katharer formierte. Deren Mitglieder bezeichneten sich selbst nie als Katharer (von Cathari = Reine), sondern als „gute Christen“. Als solche nahmen sie es ernst mit der Bergpredigt und der apostolischen Nachfolge Christi. Die irdische materielle Welt war für sie vom Teufel geschaffen. Der gute Gott herrschte im jenseitigen Reich des Geistes, in diese seine Urheimat strebte der Mensch zurück.

Als „Ketzer“ wurden die Katharer beim Konzil von Lombers (bei Albi) 1165 verdammt. Daher nennt man sie auch Albigenser. Sie zu bekehren, hatte sich der machtbewußte Papst Innozenz III. in den Kopf gesetzt. Denn außer die Gottmenschlichkeit Christi zu leugnen, lehnten die Katharer auch die Zahlung des Zehnten einem Fronherrn gegenüber ab. Das brachte die feudale Ordnung ins Wanken, in der auch die katholische Kirche wurzelte. – Der Papst war es schließlich leid, allein durch fromme Prediger wie den heiligen Dominikus die Katharer zu bekehren. Und offensichtlich war auch der Heilige verärgert, als er schrieb: „So wird Gewalt herrschen, wo Sanftmut fruchtlos blieb.“

Es herrschte Gewalt: Der Papst rief zum Kreuzzug gegen die Katharer auf, der 1209 begann, angeführt von Simon de Montfort. Mit von der Partie war der nordfranzösische Adel. Der französische König hielt sich zunächst noch zurück. – Auf seinem Zug in den Süden statuiert De Montfort zur Einschüchterung gleich ein Exempel. Sämtliche 22.000 Einwohner werden nach der Eroberung von Béziers, das die in seinen Mauern lebenden Katharer nicht ausliefern will, hingemetzelt. „Tötet sie alle, Gott wird die Seinen schon erkennen.“ Zynismus oder pervertiertes Gottvertrauen des päpstlichen Nuntius, von dem diese Worte überliefert sind?

Lastours nahe Carcassonne ist ein weiterer wichtiger Schauplatz des Dramas. Vier Burgen erheben sich zwischen blauer Iris und gelbem Ginster. Zypressen stehen wie schwarze Kerzen für ein grausiges Ereignis (s.o., Bild von Manuel Trujillo Berges). Im März des Jahres 1210 schleppt sich ein Zug von mehr als hundert Menschen den Berg hinauf. Man hatte sie gefoltert. Nur dem Anführer ließ man ein Auge. Das hatte sich De Montfort ausgedacht, um den Burgherrn und Sympathisant der Katharer, Pierre Roger de Cabaret, einzuschüchtern. Doch Lastours fällt nur für kurze Zeit in die Hände der Kreuzfahrer. Später wird es wieder Zufluchtsort der Katharer und sogar ihr Bischofssitz.

Anderes Jahr, anderer Ort, aber wieder im März, fällt Montségur (der sichere Berg) nach zehnmonatiger Belagerung, am 02.03.1244. Vierzehn Tage später wurden dort 215 sog. Vollkommene (Bezeichnung für die „Elite“ der Katharer) auf einem Scheiterhaufen verbrannt, weil sie ihrem Glauben nicht abschwören wollten. Eine Stele mit den Symbolen des Katharertums erinnert daran (s. Bild / Panoramio). 40 Jahre lang hatten etwa 500 Gläubige mit ihren adligen Beschützern in Montsegur ein Zentrum ihrer Religion gebildet; „in Voraussicht auf die sich bereits abzeichnende militärische Konfrontation mit der römischen Kirche unter Papst Innozenz III“ (Wikipedia). – Zwar bedeutete der Fall Montségurs noch nicht das Ende. Aber die katharische Kirche zeigte danach Spuren innerer Auflösung…

Dr. phil Brigitte Macher (+ 2012)

Unverändert und in voller Länge finden Sie den Artikel unter: Durchs_Land_der_Katharer

Vielen Dank an Fr. Viebrock von „Die Zeit“ und besonders an Familie Macher, für die Nutzungsgenehmigung!

Raimund Miller, Kurseelsorger

PS: Wenn Sie mehr über die Katharer erfahren möchten, dann seien Sie herzlich eingeladen „Im Land der Freunde Gottes“ zu verweilen: Am Mittwoch, 07. März, mit dem Journalist Dietmar Hermanutz, um 19:30 Uhr, im Kurhotel am Reischberg, Konferenzraum 1, EG.