Amos´ Prophetie – oder Licht am Ende des Tunnels

Gute Lektüre mit unserem Kurseelsorge-Artikel (in Ausgabe Nr. 20, der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 26. September 2018)!

Amos´ Prophetie – oder Licht am Ende des Tunnels

Als der Prophet Amos in Israel auftritt, „geht es dem Land gut. Nach außen herrscht Friede und nach innen Wohlstand. Doch in dieser Situation tun sich soziale Abgründe auf“. Deshalb fordert er im Auftrag Gottes: Hasst das Böse, liebt das Gute und bringt bei Gericht das Recht zur Geltung! (Am 5,15)
Das Bild von Andreas Praefcke (gemeinfrei aus Wikipedia) zeigt den Propheten im Chorgestühl des Klosters Blaubeuren

»Die Welt ist ein Ort, an dem das Leben der Wohlstandsschichten auf Kosten der sozial Schwachen geht. Menschen sind auch heute noch Objekte der Ausbeutung… Recht wird instrumentalisiert um Unrecht durchzusetzen und mancherorts liegt der Schleier des Religiösen auf Abgründen dieser Welt. – Diese düstere Gegenwartsbeschreibung … erschallt durch die Weltgeschichte, [immer] wenn … das Buch des Propheten Amos [gelesen oder gehört wird; wie z.Z. bei uns im Rahmen der Ökumenischen Bibelabende.

Amos] mahnte im 8. Jh. v. Chr., dass es eine Grenze der göttlichen Geduld angesichts eines Übermaßes an Schuld gibt. Gott verschließe seine Augen weder vor sozialen noch kultischem Fehlverhalten – beides sei auch nicht voneinander zu trennen[. Und er] beschreibt das Nordreich … als eine ungerechte Gesellschaft, die dem Untergang geweiht ist (vgl. Am 8,2).

Kritik an der sozialen Zerklüftung

[Dabei wirkte Amos] in einer Zeit … äußeren Friedens, in der das Nordreich keine Tributzahlungen an Großmächte [leisten] musste und einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte. Es entstand ein monumentaler Staat mit einem aufwendigen Verwaltungsapparat. Die damit einhergehende soziale Zerklüftung der Gesellschaft ist das Ziel seiner Kritik. –

Er selbst war [laut Buch] ein Bauer mit eigener Rinder- und Maulbeerfeigenzucht, woraus sich ein … Wohlstand ergab, der ihm Unabhängigkeit ermöglichte. Zudem wird betont, dass er selbst kein Prophetenamt innehatte und … keiner Interessengemeinschaft angehörte (s. Am 7,14), sondern den Traum Gottes von einer gerechten und menschenfreundlichen Gesellschaft verkündete.

[Das Spannende daran ist,] Amos selbst stammte … aus Tekoa, einem 13 km südlich von Jerusalem gelegenen Ort. [Und er trat auch nicht lange auf. Laut Buchüberschrift] wirkte er wahrscheinlich nur ein Jahr lang im Nordreich. [Aber seiner] Prophetie folgte die Vernichtung des Nordreiches durch Assyrien und die Worte seines Buches mahnen bis heute, dass sich aus dem Glauben an Gott eine Kontrastgesellschaft gegenüber dem Unrecht [auf] der … Welt ergeben muss.

Dramatische Anklagen gegen den Verfall

[Amos´ Prophetie beginnt mit dem sog. Völkerspruchzyklus, d.h.] einem Blick auf die Nachbarstaaten (Am 1,3 – 2,3) … Um zu erobern gehen sie über Leichen. Menschen werden umgesiedelt oder als Sklaven verkauft. Es wird auf bestialische Art und Weise getötet und gefoltert. Es geht ihnen um Macht und nicht um die Achtung menschlicher Würde. [Das ist die eine Seite. Auf der anderen steht] Gottes Gericht: Er reagiert mit strafender Gewalt auf ihre Menschenrechtsverletzungen.

Vor diesem Gericht bleibt auch … Israel nicht verschont (Am 2,4-16). Die Anklage gegen die … Nachbarstaaten dient [also] der Dramatisierung der Anklage gegen das Nordreich: In Israel wird Krieg geführt gegen die Armen des eigenen Volkes – Schuldner werden in die Sklaverei verkauft, das Recht wird gebeugt, sozial Abhängige werden sexuell missbraucht und den Ärmsten wird der letzte Besitz unrechtmäßig gepfändet.

Als Antwort darauf wird JHWH Krieg gegen sein eigenes Volk führen, … da sich aus [dessen] Erwählung ein gehobener Handlungsmaßstab ergibt (vgl. Am 3,1-2). Das Nordreich ist [aber] an dieser Erwählung gescheitert, wie es die [dreifache Kritik] des Propheten … aufzeigt:

  1. Amos verurteilt … den Luxus, der aus der Unterdrückung der Schwachen resultiert und zur Gleichgültigkeit gegenüber der Not der Mitmenschen führt (Am 4,1).
  2. Er rügt die Bestechung, die aus Recht Unrecht werden lässt (Am 5,7). [Und]
  3. Er warnt davor sich aufgrund von Opfern, Wallfahrten und anderem gottesdienstlichen Tun in Sicherheit zu wiegen (vgl. Am 5,23-24).

Eine Kontrastgesellschaft nach dem Willen Gottes

[Auf diese Weise] entlarvt der Prophet das unethische Handeln im Alltag und die vorgespielte Harmonie mit Gott im Gottesdienst. [Denn:] Glauben und dem Glauben verpflichtetes, gesellschaftliches Handeln sind die zwei zusammengehörenden Seiten des einen Lebens aus göttlicher Erwählung heraus.

Das Buch Amos führt [also allen, die sich damit auseinandersetzen vor Augen und Ohren, dass 1. die Auserwählung Gottes ein Auftrag ist, eine von seinem Willen] … geprägte Kontrastgesellschaft zu sein, in der die menschlichen Mechanismen der Unterdrückung und Ausbeutung nicht mehr funktionieren. [Sowie 2., dass diejenigen, die an ihn, den Gott der Bibel glauben, Anwält/innen, Aktivist/innen und Politiker/innen werden – für eine soziale, wie gesellschaftliche Veränderung.]«

Doch so düster und hart seine Visionen für Israel sind und zwar von Anfang an (Am 1,2ff) – und für uns heute wahrscheinlich wären – so verheißungsvoll enden Amos´ Worte, ab V.11 des neunten und letzten Kapitels: Wenn er nach Vernichtung und Untergang von Wiederherstellung und Überfluss spricht; von einem Zustand wie im Paradies, der Bestand haben wird – für immer. Kurz und anders gesagt: Das Ziel ist also nicht “Aus und Vorbei”, sondern “Dunkel und dann Licht”. Das galt seiner Zeit, das gilt heute und in Zukunft.

Raimund Miller

PS: Dieser Artikel von Till Magnus Steiner (zu finden auf katholisch.de) wurde von mir um- und weitergearbeitet. Das Bild von Andreas Praefcke (gemeinfrei aus Wikipedia) zeigt den Propheten im Chorgestühl des Klosters Blaubeuren. PPS: Mehr über Amos – bei den Ökumenischen Bibelabenden.