7 Wochen ohne … Kneifen!

7 Wochen ohne … Kneifen! …so lautet der Titel des Kurseelsorge-Artikels in Ausgabe Nr. 06 der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation vom 14. März 2018.  – Gute Lektüre!

„7 Wochen ohne … Kneifen!“ heißt dieses Jahr das Motto der Fastenaktion der evangelischen Kirche. Knackiges Thema. Trifft wohl jeden, so oder so herum. Kneifen = sich drücken: Vor ’ner schwierigen Entscheidung, ‘ner unangenehmen Aufgabe. Sich drücken vor der klaren Ansage, wo Unstimmigkeiten unter den Teppich gekehrt werden, statt sich mit dem schwelenden Konflikt auseinanderzusetzen. – Wenden wir’s ins Positive:

7 Wochen mit …ZIVILCOURAGE.
Klingt gut, nicht wahr? – Damals in der Schule waren wir uns einig in Empörung: Ständig wurde ein Klassenkamerad von einem Lehrer ungerecht behandelt! Schließlich traute sich eine, ihn darauf anzusprechen. Er reagierte gereizt und abwehrend – aber niemand sonst machte den Mund auf, um die Sprecherin zu unterstützen: Gekniffen haben wir…

Ganz anders ging’s mir mal in der früheren Gemeinde: Da war ich froh und dankbar, als eine Teilnehmerin nach einer Veranstaltung nicht gekniffen hat. Sondern mir offen, mit Takt und Humor zu verstehen gab: “Ihre Hose war zu kurz!“ – Diese taffe Frau hatte es schon oft und eben auch diesmal erlebt:

Hintenrum zerreißen sich viele das Maul, aber keiner sagt der Betreffenden selbst, was Sache ist. –  Sie werden das Muster aus Ihrem Verein kennen, aus Kollegium, Mitarbeiterteam oder Firma, Gemeinderat, Vorstand o.ä.: Da läuft etwas ungut. Man sollte das Problem ansprechen. Seinen Ärger, seine Sorge äußern und die Beteiligten zum Gespräch bitten. Damit der Frust nicht weiter wächst, sollte man heikle Punkte nicht auf sich beruhen lassen. Sollte Fehlverhalten beim Namen nennen. Wo’s ungerecht zugeht, wo andere unfair behandelt werden, müsste man den Mund aufmachen. Man dürfte das nicht einfach so hinnehmen – aber…

Lass lieber die Finger davon!
Kritik ist lästig – da könnte man ja in etwas hineinkommen! Schnell gilt man als Nörgler, Nestbeschmutzer, Querulant. Wer infrage stellt, verscherzt sich’s leicht mit jemand. Und Diskutieren kostet Zeit, sich mit andern auseinandersetzen ist anstrengend. Also, um des lieben Friedens willen – Klappe halten! Lass ich dich ungeschoren, tust du mir auch nix.

Aaaber, nochmal aber: Sich raushalten hat seinen Preis…
Die (Selbst-)Täuschung bleibt: Es herrscht nur scheinbar Einvernehmen. Das Nettsein ist geheuchelt. Vor allem lässt das eigne Schweigen zu, dass es weiter so unfair läuft. Die aber, die von dem Unrecht profitieren und mit der krummen Tour gut fahren, müssen sich  bestätigt fühlen, wenn man sie gewähren lässt. Da mag Entrüstung die „Anständigen“ noch so schön zusammenschweißen: so lang sie nur untereinander motzen, ändert sich nichts am Problem. Das Hintenrumreden verstärkt bloß die schlechte Stimmung.

Den Verantwortlichen aber… bleibt man das ehrliche Wort schuldig! Die machen ihre Fehler vielleicht teils unbewusst. Handeln nicht/ nur in schlechter Absicht. Grade Menschen in Leitungspositionen sind oft einsam. Sie brauchen Rückmeldung – Klartext solidarisch. Angeblich vornehme Zurückhaltung bedeutet eigentlich – Kneifen. Damit lässt man die im Stich, die ausgenutzt, betrogen, gemobbt werden. Sie hätten’s nötig, dass man sie und ihr Recht verteidigt.

Alles in allem: Kneifen hat ne miserable Bilanz. Sogar für einen selbst…
bedeutet Kneifen verpasste Chancen! Jedoch Hinstehen für das, was recht ist – das ist eine starke Erfahrung! Und dabei unabhängiger zu werden von Lob oder Tadel der andern. Doch am wichtigsten: Zu erreichen dass sich was ändert! Dass der viel Gescholtene sich überraschend menschlich zeigt, gesprächs-, ja kompromissbereit. Indem man Schwieriges bespricht, lernt man sich oft gegenseitig überhaupt erst kennen…

Das Verstehen, das Verhältnis bessert sich merklich –  wenn die heikle Angelegenheit… mit Einfühlung, Takt und Herzensgüte angepackt wird. Bisschen viel verlangt? Zumal Leute mit Fehlverhalten das gar nicht verdienen?! – Hm, die Erfahrung lehrt: Es führt gar nix anderes zum positiven Ergebnis als Einfühlung, Takt und Herzensgüte. Ganz schön anspruchsvoll, sagen Sie vielleicht. Doch genau das wird uns zugetraut. Und von wegen „verdient“: Heute die oder der, morgen hab ich’s von den andern nötig. Macht doch jeder Fehler. Wem geht‘s schon gut mit lauter KNEIFZANGEN um sich rum?!

Als Christenmenschen sind wir… in bester Gesellschaft z.B. mit Jona… der durch sein Kneifen total Schiffbruch erlitt und auch andere da mit reinzog – aber dann machte er seinen Job in Ninive, und Ninive wurde gerettet! – Oder mit Petrus: Schwärzeste Stunde, als er den Hahn krähen hörte – aber er bekam eine 2. Chance, und die nutzte er…

Es gibt in der Bibel eine ganze Reihe Leute, die vor besondere Herausforderungen gestellt wurden. Manchmal haben sie sich zuerst gedrückt und dann doch gelernt, mutig hinzustehen: Jakob gegen Ende; Pua & Schifra, die Hebammen contra Pharao; Mirjam, Moses Schwester; Rahab; Abigail; Tamar; Königin Ester; die Propheten Samuel, Nathan, Elia, Jeremia, Amos, Hosea, Daniel….

Man stelle sich vor, Maria hätte gekniffen – oder Josef…! – Aber vor allem: JESUS. Sein bedingungsloses Hinstehen und Einstehen brachte ihn ins Kreuzfeuer. Bis zum Äußersten. Aus Leidenschaft – seine Passion uns und allen zugut.

Ein getrostes Herz in allen Fällen wünscht Ihnen,

Verena Engels